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30. Januar 2010

Bremen – die neue Hochburg der Vegetarier

Kantinen und Mensen verzichten einmal wöchentlich auf Fleisch

  1. Das Plakat zeigt einen der bekanntesten Kämpfer gegen Fleischkonsum: Paul McCartney Foto: Peta/dpa

BREMEN. Einen ungewöhnlichen Beitrag zum Klimaschutz wollen öffentliche und private Einrichtungen in Bremen leisten: In diversen Kindergärten, Schulen, Altenheimen, Behördenkantinen und einzelnen Restaurants wird künftig jeden Donnerstag nur vegetarisches Essen angeboten. Bremen sei damit die erste Stadt Deutschlands mit einem sogenannten Veggiday, berichtet die Bürgerstiftung Bremen, die das Projekt angeschoben und bereits zahlreiche Unterstützer gefunden hat. Schirmherr ist Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD).

Hintergrund der Aktion ist der Klimaschutz. Denn Kühe produzieren beim Verdauen bekanntermaßen erhebliche Mengen Methan. Nach Angaben der Organisatoren ist dieses Gas 25-mal so schädlich wie Kohlendioxid. Eine rülpsende und pupsende Kuh belaste das Klima demnach genauso wie ein Personenauto mit 14 000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr. Außerdem würden für die Fleischproduktion klimaschützende Regenwälder abgeholzt, um dort Viehweiden zu schaffen oder Futter anzubauen. Wenn alle 550 000 Einwohner Bremens beim Veggiday mitmachen würden, entfiele nach Angaben der Bürgerstiftung eine CO-Belastung, die der von 40 000 Autos pro Jahr entspräche.

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Vorbild ist die belgische Stadt Gent, wo bereits im Mai 2009 der "Veggiedag" eingeführt wurde. Dort gibt es in städtischen Kantinen und Schulen ebenfalls immer donnerstags vorwiegend fleischlose Gerichte. Die Bremer Organisatoren wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger gegen den Fleischkonsum wettern, heißt es. Sie empfehlen aber, beim Essen genauer hinzusehen: vor allem regionale Waren zu kaufen und – wenn doch Fleisch gegessen wird – Bioprodukte zu verwenden, weil diese klimafreundlicher hergestellt würden. Fazit der Bürgerstiftung: "Es geht auch um Rückbesinnung – auf den guten alten Sonntagsbraten beispielsweise, den unsere Großmütter als etwas Besonderes auf den Tisch brachten."

Nach Angaben des Vegetarierbundes verspeist jeder Deutsche in seinem Leben durchschnittlich 1094 Tiere. Würde jeder wöchentlich einen fleischfreien Tag einlegen, müssten jährlich 157 Millionen Tiere weniger geschlachtet werden, behauptet Sebastian Zösch vom Vegetarierbund.

Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter http://www.veggiday.de

Autor: Eckhard Stengel