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13. April 2010 00:07 Uhr
Missbrauchsskandal
Britische Atheisten wollen den Papst verhaften lassen
Der Papst in den Tower? Weil er die Polizei nicht rief, wollen prominente Atheisten und Menschenrechtsanwälte in Großbritannien Benedikt XVI. bei seinem Besuch verhaften lassen.
LONDON. Prominente Atheisten und Menschenrechtsanwälte in Großbritannien werfen dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche vor, mit der Verdunklung systematischer Verbrechen seiner Organisation an Kindern sich schwerer Delikte schuldig gemacht zu haben – und wollen den Papst bei seiner Ankunft im Vereinigten Königreich gegebenenfalls verhaften und vor Gericht stellen lassen.
Für den Volksmund ist die Sache klar: Ab in den Tower mit dem Popen, lautet im allgemeinen Urteil der Plan des Atheisten-Sprechers Richard Dawkins und seines ebenso gottlosen Schriftsteller-Kollegen Christopher Hitchens. Die Sunday Times hat Dawkins bereits mit dem Satz zitiert: "Ich werde Papst Benedikt XVI. festnehmen." Schon sahen fantasiebegabte Briten den Bestseller-Autor und Oxforder Wissenschaftler mit Handschellen auf den hohen Besucher zuspurten. Am Montag wehrte der sich zornig gegen "eine solche Lüge". So etwas habe er nie gesagt, beteuerte Dawkins. Freilich teile er die Überzeugung seines Freundes Hitchens und der beiden Menschenrechtsexperten Geoffrey Robertson und Mark Stephens, dass rechtliche Schritte gegen den Papstbesuch auf der Insel eingeleitet werden sollten. Statt sich von der Queen in Windsor Castle festlich bewirten zu lassen, solle Benedikt XVI. unter weniger wirtlichen Umständen für die Vertuschung des langjährigen Kindesmissbrauchs durch seine Kirche zur Verantwortung gezogen werden. Dass sich das tatsächlich machen ließe, davon sind die zwei Top-Anwälte inzwischen überzeugt. Ihrer Ansicht nach genießt der Papst nämlich keine Immunität als Staatsoberhaupt.Werbung
Wiewohl zu einem Staatsbesuch geladen, könne der Vatikan nicht als wirklicher Staat, der Gast also nicht als Staatsoberhaupt gelten. Schließlich verfüge der Vatikan bei den Vereinten Nationen nicht über volle Mitgliedschaft, sondern nur über einen Beobachterstatus. Mithin sei es in England auch kein Problem, sich einen Haftbefehl für den Papst zu besorgen. "Dieser frühere Kopf der Inquisition", hatte Richard Dawkins schon vor ein paar Tagen der Washington Post anvertraut, "sollte im selben Moment festgenommen werden, in dem er es wagt, sein Operetten-Reich namens Vatikan zu verlassen." Der frühere Kardinal Ratzinger sei doch nichts anderes als "ein boshaft grinsender alter Halunke in einem Rock".
Diejenigen, die das britische Komplott gegen den Papst planen, bauen offenbar darauf, dass Benedikt XVI. seinen viertägigen Britannien-Besuch im September nach solchen Ankündigungen lieber wieder absagt. Dies könnte tatsächlich sinnvoll sein, glaubt mittlerweile auch der liberale Londoner Independent: "Es ist einfach der falsche Zeitpunkt – und die falsche Gelegenheit."
Autor: Peter Nonnenmacher
