Statt Tomaten

Dänemark will die Vormachtstellung beim Cannabis

André Anwar

Von André Anwar

So, 04. Februar 2018 um 22:00 Uhr

Panorama

Die Stadt Odense soll zum größten Produzenten für medizinisches Cannabis in Europa werden. Schon jetzt bildet der Geburtsort von Hans Christian Andersen das Zentrum des dänischen Gemüseanbaus.

Seit Jahresbeginn darf in Dänemark Cannabis für medizinische Zwecke angebaut werden, zunächst vier Jahre lang auf Probe. Mehrere Firmen stehen bereits in den Startlöchern. "Das wird Europas größte Cannabisplantage", verkündet Mads Pedersen. Der Chef der örtlichen Tomatenanbaufirma Alfred Pedersen & Søn ist auch als Dänemarks Tomatenkönig bekannt. In einem Joint Venture mit dem kanadischen Aktienunternehmen Aurora Cannabis will Pedersen jetzt eine Gewächshausanlage mit 93 000 Quadratmetern Gesamtfläche für die schmerzstillenden Pflänzchen errichten.

Pedersen investiert 250 Millionen Kronen (33,6 Millionen Euro). Und das soll nur der Anfang sein. Aurora ist bereits einer der größten Anbieter von medizinischem Cannabis weltweit und weiß, wie man das Geschäft groß aufzieht. "Wir wissen sehr genau, wie man in unserem dänischen Klima die entsprechende Qualität gewährleistet", sagte Pedersen. Er hofft auf einen schnell wachsenden Markt. Im Januar wurde medizinisches Cannabis schon an 111 Dänen verabreicht. Auch in anderen europäischen Ländern, wie Deutschland, gibt es Teillegalisierung für ärztliche Behandlungen. Weitere Nationen befinden sie auf dem Weg. Zudem wird vielerorts mit viel Elan um eine Legalisierung der Droge auch für den Freizeitgebrauch gerungen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Dänemarks Tomatenkönig rechnet alleine beim medizinischen Cannabis mit einem großartigen Geschäft. Das angrenzende Deutschland solle der erste große Exportmarkt werden, so Pedersen. Auch Lars Thomassen von der Firma Danish Cannabis will zusammen mit Kanadas größter Cannabisfirma Canopy Growth 100 Millionen Kronen in den Anbau investieren. Pro Jahr will Thomassen 2000 Tonnen Cannabis herstellen. Im Anschluss an sein Gewächshaus soll ein Pflanzenlaboratorium zu Forschungs- und Zuchtzwecken entstehen sowie ein Bunker mit dicken Wänden, in dem die kostbare Ware von Sicherheitspersonal rund um die Uhr bewacht wird. Auch Dänemarks Regierung hofft auf den zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig. Im Dezember war die bürgerliche Gesundheitsministerin Ellen Trane Nörby deshalb auf Studienreise in Israel, wo man schon Erfahrungen gesammelt hat. "Es geht darum, zu den Ersten weltweit zu gehören", sagte die Gesundheitsministerin auf ihrer Reise.

Allerdings sind nicht alle Dänen begeistert. Unkontrolliert verabreicht steht die Droge Cannabis unter Verdacht, gerade bei jungen Menschen psychische Erkrankungen wie Psychosen hervorzurufen. "Trotz jahrzehntelanger Forschung mit medizinischem Cannabis wissen wir noch immer nicht sicher, inwieweit es für welche Patienten funktioniert", warnte unlängst Andreas Rudkjöbing, Chef des dänischen Ärzteverbandes.