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19. Mai 2017 00:00 Uhr

Mokos

Maori entdecken Tradition des Gesichtstatoos wieder

Früher waren Gesichtstätowierungen bei den Maori ein wichtiges Statussymbol. Doch im Laufe der Zeit gerieten sie in Vergessenheit, waren regelrecht verpönt. Doch der Trend kehrt wieder zurück.

  1. Marineoffizier Rawiri Barriball Foto: dpa

  2. Arekatera Maihi Foto: dpa

Arekatera Maihi weiß, wie er auf Leute wirkt: ziemlich Angst einflößend. Der stämmige Mann – einer von etwa 850 000 Maori, Neuseelands Ureinwohnern – trägt eine Tätowierung über fast sein gesamtes Gesicht. Die schwarzen Zeichen, Muster und Linien beginnen am Hals, ziehen sich dann über Kinn, Lippen, Nase und Augenlider bis auf die Stirn und in den Ansatz der Haare hinein. Und der ist bei Maihi, der sein Alter nicht verraten will, schon recht weit oben.

Deshalb hat Maihi, ein gelernter Holzschnitzer, auch lange gezögert, bis er sich sein Gesicht tätowieren ließ. "Man muss wissen, dass man es aushalten muss, wenn die Leute mit dem Finger auf einen zeigen und die Kamera zücken." Jetzt ist er stolz darauf. Ta Moko, wie diese Art des Tätowierens in der Sprache der Maori heißt, ist für ihn das ins Gesicht geschriebene Bekenntnis zu seiner Herkunft.

Heute, nach einer längeren Zeit der Ächtung, liegen Mokos in Neuseeland im Trend. Auch Maori-Frauen lassen sich wieder im Gesicht tätowieren. Während bei Männern der Moko meist das ganze Gesicht bedeckt, tragen Frauen ihre Tätowierung meist nur auf dem Kinn und den Lippen. Moko Kauae heißt das dann. Als erste Abgeordnete von Neuseelands Parlament ließ sich im letzten Sommer Nanaia Mahuta (46) eines stechen. "Für mich ist das ein Ausweis meiner Identität, wie ein Reisepass", sagte sie damals.

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Früher war das unter den Ureinwohnern gang und gäbe. Bevor die weißen Kolonialherren kamen, trugen fast alle hochrangigen Maori Verzierungen im Gesicht. Auf Fotos und Gemälden aus dem 19. Jahrhundert sind Könige und Stammesführer verewigt, in deren Gesichtern kaum ein Fleck frei war. Mit einem Gesetz verbot Neuseeland 1907 jedoch den Maori, eine spirituelle und pädagogische Rolle auszuüben.

Damit gingen auch die kulturellen Praktiken und Handwerke der Ureinwohner fast verloren. Das Tätowieren wurde erst von jüngeren Generationen wiederentdeckt, ebenso wie andere traditionelle Künste: Whakairo (Holzschnitzerei) zum Beispiel, Raranga (Weberei) oder auch Kapa Haka, die Tänze, von denen vor allem den Kriegstanz von Neuseelands Rugby-Nationalmannschaft bekannt ist.

Maihi, der die Holzschnitzabteilung im Te-Puia-Institut für Maori-Kunst auf Neuseelands Nordinsel leitet, sagt: "Mokos sind mehr als eine Tätowierung. Es ist die Kunst, die persönliche Geschichte des Trägers in ein visuelles Design auf der Haut zu übersetzen." Viele Maori meinen, dass Mokos in ihrem Körper von Geburt an angelegt sind. Irgendwann im Laufe des Lebens werden sie dann auch äußerlich durch die Tinte manifestiert.

Bei Maihi dauerte es viele Jahre, bis er so weit war. "Das ist eine große Reise, bis man bereit ist, ein Gesichtsmoko machen zu lassen." Und er sollte es wissen. Bevor er sich das Gesicht stechen ließ, hatte er 15 Jahre lang andere tätowiert. "So lange hat es gedauert, bis ich mit mir im Reinen war. Und an dem Punkt, an dem ich nicht mehr darauf geachtet habe, was andere Leute von mir denken."

An einem Moko im Gesicht lässt sich vieles ablesen: Abstammung, Herkunft, Rang, Familienstand. Man kann sich das Design auch nicht aus dem Katalog bestellen. Normalerweise wird es vom Tätowierer zusammen mit dem künftigen Träger in einer ganzen Serie von Unterhaltungen individuell entwickelt.

Rawiri Barriball ließ sich ebenfalls Zeit, bevor er zum ersten Marineoffizier mit Gesichtstattoo wurde. "Ich liebe mein Maori-Erbe", sagt der 39-Jährige. Trotzdem wartete er, bis er 20 Jahre in der Royal New Zealand Navy war und das Einverständnis seiner Vorgesetzten hatte. Im Dezember ließ er sich stechen. "Ich trage mein Moko mit Stolz. Wer es nicht mag, soll woanders hinschauen."

Autor: dpa