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04. September 2013

Notfallplan für Fukushima

Japans Regierung schaltet sich in Sicherung der Atomruine ein / Radioaktives Wasser tritt aus.

TOKIO (AFP). Angesichts weltweiter Besorgnis hat die japanische Regierung einen Notfallplan zur Eindämmung der Lecks im havarierten Atomkraftwerk Fukushima beschlossen. Vorgesehen ist unter anderem, dass der Boden unter der Anlage gefroren und radioaktiv verseuchtes Wasser dekontaminiert werden, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Sie gab die geschätzten Kosten für das Projekt mit rund 47 Milliarden Yen (360 Millionen Euro) an.

Die Entscheidung für den Notfallplan fiel während einer Sitzung des Krisenstabs zur Fukushima-Katastrophe unter Vorsitz von Regierungschef Shinzo Abe. Der entschiedene Atomkraftbefürworter erklärte, die ganze Welt frage sich, ob Japan das Fukushima-Problem in den Griff bekommen werde. Die Regierung müsse bei der Problemlösung in der vordersten Reihe stehen. Der Betreiber Tepco hat Schwierigkeiten, die riesigen Mengen radioaktiv verseuchten Kühlwassers in der Anlage unter Kontrolle zu bekommen. Am Samstag hatte Tepco mitgeteilt, an vier Stellen rund um Kühltanks sei eine sehr stark erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Die ermittelten Werte lagen demnach bei 1800 Millisievert pro Stunde. Wenn ein Mensch dieser Strahlung etwa vier Stunden lang ausgesetzt ist, wirkt sie tödlich. Die japanische Atomaufsichtsbehörde hatte den Vorfall als "schwerwiegend" bezeichnet. Behördenchef Shunichi Tanaka äußerte die Befürchtung, dass es unvermeidbar sein könne, radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer abzuleiten. Zuvor müsse es aber so weit gereinigt werden, dass es nach internationalen Standards als ungefährlich gelten könne.

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Christoph Pistner, Atomexperte beim Öko-Institut Darmstadt, zeigte sich skeptisch, dass die Probleme in Fukushima in den Griff zu bekommen seien. "Grundsätzlich muss man sagen, dass jedes Land der Welt große Schwierigkeiten hätte, die Folgen eines so schweren Unfalls wie in Fukushima, bei dem sehr viel Radioaktivität unkontrolliert ausgetreten ist, in den Griff zu bekommen", sagte er gegenüber der Badischen Zeitung.

In Fukushima war nach einem Erdbeben und einem Tsunami am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Tepco kämpft seither mit großen Mengen radioaktiv verseuchten Wassers, das zu Kühlungszwecken an den beschädigten Reaktoren eingesetzt wird. Tokio befürchtet, dass die massiven Schwierigkeiten Japans Chancen bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2020 gegenüber Madrid und Istanbul verschlechtern.

Autor: Tagesspiegel; Seite 2