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13. August 2011

Dresden

Razzia beim Stadtjugendpfarrer

Jenaer Geistlicher soll zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen haben / Hausdurchsuchung.

DRESDEN. Pfarrer Lothar König wanderte gerade durch Tirol, als am Mittwoch dieser Woche die sächsische Polizei bei ihm in Jena zur Razzia erschien. Mehrere Polizisten durchsuchten die Wohnung des 57-jährigen Stadtjugendpfarrers und beschlagnahmten schließlich seinen Transporter.

In Thüringen ist man empört: Bischof Hans Mikosch in Gera zeigte sich "sehr verwundert", der thüringische SPD-Abgeordnete Peter Metz schimpfte über "zweifelhafte Methoden" der sächsischen Justiz, Jenas Oberbürgermeister und zahlreiche Oppositionspolitiker versicherten dem Pfarrer ihre Solidarität. Die Leitung der Evangelischen Kirche denkt über rechtliche Schritte gegen die Durchsuchungsaktion nach.

Die Vorwürfe gegen König klingen unglaublich. Am 19. Februar kam es bei Demonstrationen gegen Neonazis in Dresden zu heftigen Ausschreitungen. Es gab Angriffe auf Polizisten, Brände wurden gelegt. Pfarrer König, so der Vorwurf der Justiz, soll damals per Lautsprecher von seinem Transporter aus gewaltbereite Jugendliche zu Angriffen auf Polizisten angestiftet haben. Angeblich soll er gerufen haben: "Deckt die Bullen mit Steinen ein." Pfarrer König bestreitet die Vorwürfe. "Ich benutze ganz selten das Wort Bullen", sagte er. Auch setze er sich dafür ein, Feindbilder abzubauen. Polizisten täten schließlich auch nur ihre Arbeit.

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Seit Jahren fährt er von Demo zu Demo

Pfarrer König, von weitem zu erkennen an seinem gewaltigen Rauschebart, ist in und um Jena bekannt wie ein bunter Hund. Seit mehr als 20 Jahren leitet er mitten in der Universitätsstadt die Junge Gemeinde, einen Ort, der jedem Jugendlichen Tag und Nacht offensteht. Ein Jugendzentrum, das nicht allen gefällt, weil es in Jena auch als Punker-Treff gilt.

Königs Türen stehen allen offen – nur keinen Neonazis. Seit Jahren ist er in Thüringen auch für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, für Demokratie und saubere Umwelt ein Begriff. Im Stadtrat sitzt König für die "Bürger für Jena". Seit Jahren fährt er auch mit seinem Transporter von Demo zu Demo. Ob Gorleben, Heiligendamm oder eben Dresden – das Neonazis wegen der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zu ihrem Wallfahrtsort machen wollen – Pfarrer König kommt und hält dagegen. Demonstranten wolle er unterstützen, sagte er jetzt, Blockierer nicht.

Königs Fall ist einer von vielen: Wegen der Ausschreitungen im Februar ermittelt die Polizei noch wegen 600 Delikten. König kritisiert, dass damals zu wenig Beamte eingesetzt wurden. Das sei eine Ursache für das Chaos gewesen, sagte er der Sächsischen Zeitung.

Autor: Bernhard Honnigfort