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09. Dezember 2011 00:02 Uhr
Automafia?
Ukrainischer Minister soll einen gestohlenen Benz fahren
Mit Staunen verfolgt die Ukraine derzeit die Geschichte um einen geklauten Mercedes. Ein Parteifreund beschuldigt den Justizminister, einen in Stuttgart gestohlenen Mercedes zu fahren – als Dienstwagen.
Mercedes? Welcher deutsche Mercedes? Der ukrainische Justizminister Alexander Lawrinowitsch ist sich keiner Schuld bewusst. Ein Parteifreund beschuldigt den obersten Herrn über Recht und Gesetz zwar, einen gestohlenen Mercedes GL 420 als Dienstwagen zu nutzen. In Lawrinowitschs Ministerium aber heißt es: "In unserer Garage steht kein Mercedes dieses Typs." Die ukrainische Abteilung von Interpol ist allerdings anderer Meinung. Die Fahnder besitzen Fotos von dem fast 80.000 Euro teuren Wagen, der auf das Justizministerium zugelassen sei.
Ins Rollen gebracht hat alles der Abgeordnete Waleri Konowaljuk, der das Fahndungsmaterial von Interpol den Medien übergab. Demnach hat eine ukrainische Autoschieberbande den nagelneuen Geländewagen im Januar 2010 in Stuttgart gestohlen und in die Ukraine transportiert. Dort hätten ihn die Diebe gleich hinter der Grenze, in dem Karpatenstädtchen Uschhorod, "legalisiert".
Behält Konowaljuk recht, handelt es sich bei diesem Verfahren um organisierte Kriminalität im Staatsauftrag. In der Ukraine hätten die Behörden das Recht, gestohlene Fahrzeuge zu beschlagnahmen und für eigene Zwecke zu nutzen, erläuterte die Zeitung Kommersant Ukraina. Laut Konowaljuk ist dies auch mit dem Stuttgarter Mercedes geschehen. Demnach dürften die Diebe den konfiszierten Wagen an das Ministerium quasi weiterverkauft haben. "Dieses Auto wurde auf Befehl von oben in die Ukraine gebracht", sagt Konowaljuk und fügt hinzu: "Es ist undenkbar, dass der Minister davon nichts gewusst hat."
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Die Arbeitsweise der Mafia erläutert der Chef der ukrainischen Auto-Importeure, Oleg Nasarenko, im Gespräche mit der Zeitung Kommersant. Demnach kaufen in Deutschland gemeldete Personen die teuren Fahrzeuge völlig regulär und lassen sie in die Ukraine transportieren. Während in Deutschland die Versicherung für den angeblichen Diebstahl aufkommt, werde das Auto in der Ukraine auf die eine oder andere Weise "legalisiert".
Im Kiewer Justizministerium gibt man sich gelassen und versucht, die Vorwürfe ins Leere laufen zu lassen. "Alexander Lawrinowitsch fährt seit fünf Jahren einen Jeep der Marke Lexus", sagt ein Sprecher. Der Abgeordnete Konowaljuk wolle sich an dem Minister rächen, weil er mit einem Gesetzesprojekt zur Einführung biometrischer Pässe nicht einverstanden sei. Bei genauerem Hinsehen enthüllt dieser Hinweis möglicherweise einen weiteren Skandal. Konowaljuk und Lawrinowitsch, die beide der Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch angehören, streiten um die Auftragsvergabe für die Herstellung neuer Ausweise. Jeder bevorzuge eine andere Firma, berichten Medien. Das Unternehmen, das den Zuschlag bekommt, zahlt – angeblich auch an den vermittelnden Politiker. Beweise dafür gibt es nicht. Aber mit Beweisen ist das in der Ukraine so eine Sache. Schließlich gibt es auch keinen Mercedes GL in der Garage des Justizministers.
Autor: Ulrich Krökel
