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15. Januar 2011

"Wikipedia wird noch stärker und mächtiger werden"

BZ-INTERVIEW mit Christof Weinhardt, Professor für Informationswirtschaft, über den Erfolg des Online-Lexikons.

  1. Weinhardt Foto: institut

Seine Studenten dürfen Wikipedia in Abschlussarbeiten mittlerweile zitieren, sagt Christof Weinhardt. Der Professor für Informationswirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie erklärt im Gespräch mit Ines Fuchs, wie Wikipedia die Informationssuche verändert hat.

BZ: Herr Weinhardt, haben Sie zu Hause noch ein Brockhaus-Lexikon stehen?
Christof Weinhardt: Ja, ich habe noch eines aus meiner Schulzeit zu Hause. Aber ich nutze es nicht mehr.
BZ: In Zeiten von Wikipedia ist das keine Seltenheit. Wie hat das Online-Lexikon die Art, sich zu informieren, verändert?
Weinhardt: Wikipedia hat die Informationssuche einfacher gemacht. Über die Seite kann sich jeder, der Internetzugang hat, von überall immer informieren – und muss keinen schweren Brockhaus-Schinken mit sich herumtragen. Die Informationssuche findet zudem am PC statt, an dem viele Menschen ohnehin arbeiten. Die Wikipedia-Nutzer haben über Verlinkungen sofort Anschluss an weitere Informationen. Die meisten Artikel sind immer auf dem neuesten Stand, weil ja jeder die Seite bearbeiten kann. Das ist natürlich auch der Nachteil: Für Wikipedia gibt es keine zentrale Kontrollstelle.

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BZ: Hat die neue Art der Informationssuche die Menschen verändert?
Weinhardt: Außer, dass sie die Schüler bequem gemacht hat? Nein, im Ernst. Diese bequeme Informationssuche hat eher dazu geführt, dass viele Menschen leichter den Einstieg zu Informationen finden. Früher hätte man nicht mal eben den Brockhaus hervorgekramt, heute schlägt man aber schon einmal schnell etwas bei Wikipedia nach. Zudem hat Wikipedia gezeigt, dass es Menschen gibt, die bereit sind, gemeinsam an einer Wissenssammlung zu arbeiten, die sie dann uneigennützig der Gesellschaft wieder zur Verfügung stellen, ohne dafür bezahlt zu werden.
BZ: Warum ist Wikipedia so erfolgreich?
Weinhardt: Weil Wikipedia eine demokratische Wissenssammlung ist – sie ist für alle zugänglich und das kostenlos. Hinzu kommt, dass Wikipedia mittlerweile fast vollständig ist, weil so viele mit beitragen – und das tun sie nur, weil es keinen zentralen Editor gibt. Ganz wichtig ist, dass bei Wikipedia kein Geld im Spiel ist. Würden Nutzer für das Editieren bezahlt, würde das sicher nicht funktionieren. Dafür nehmen die Nutzer auch in Kauf, dass einige Dinge durchaus subjektiv und manchmal sogar falsch geschrieben sind. Aber wer garantiert uns bei anderen Lexika, dass immer alles korrekt ist? In Wikipedia entscheidet die Community.
BZ: Welchen Stellenwert wird Wikipedia bei der Informationssuche in zehn Jahren einnehmen?
Weinhardt: Wikipedia wird sich so fortentwickeln, dass auch komplexe Suchanfragen auf Wikipedia führen. Das geht mit den sogenannten semantischen Technologien und wird das Online-Lexikon noch stärker und mächtiger machen.

Autor: ifu