Bewegung ist Balsam für das Gehirn

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Von sda & BZ-Redaktion

Do, 06. September 2018

Basel

Anatomisches Museum Basel zeigt Auswirkung von Sport auf das Gehirn, unter anderem fördert er kognitive Fähigkeiten.

BASEL (sda/BZ). Die Bevölkerung in den Staaten der westlichen Welt bewegt sich nicht genug. Hierzulande ist die Zahl derjenigen, die wenig Sport treibt und körperlich zu passiv ist, zuletzt um gut 15 Prozent gestiegen. Das haben Forscher der Weltgesundheitsorganisation WHO in einer Studie gezeigt. In Deutschland bewegten sich 2016 demnach 42,2 Prozent der Menschen zu wenig, wobei Frauen noch inaktiver sind als Männer. Dass Bewegung nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und psychische Fitness, zeigt nun eine Sonderausstellung im Anatomischen Museum der Uni Basel.

Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper (mens sana in corpere sano). Das wussten schon die alten Römer und das wurde Generationen von Gymnasiasten im Lateinunterricht beigebracht. Inzwischen lassen sich solche Erfahrungswerte auch wissenschaftlich belegen. Die Ausstellung "Geheimnisvolles Gehirn – Macht Sport schlau?", die am Donnerstag beginnt, stellt Studien vor, die positive Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf das Gehirn aufzeigen, wie es in einer Mitteilung heißt. Diese belegten, dass regelmäßige Bewegung nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und psychische Fitness fördere. Dafür brauche es indes keine aufwendigen Sporteinheiten. Schon ein bis zwei Stunden moderate Bewegung pro Woche – etwa Walken, Laufen, Radfahren, Tanzen oder Schwimmen – könnten die Gehirnaktivität nachweislich verbessern und "zugleich als eine Form von Anti-Aging dienen", heißt es einer Mitteilung der Uni.

Wer sich regelmäßig bewege, fördere die Produktion neuer Nervenzellen und die Vernetzung zwischen den Zellen, was das Lern- und Erinnerungsvermögen verbessere. Beim Sport werden wie beim Neustart eines Computers "alle Fenster geschlossen" und Programme heruntergefahren, wird Museumsleiterin Magdalena Müller-Gerbl zitiert. So würden im Gehirn Ressourcen für andere Regionen und für Wachstumsprozesse frei. Dies sei wie "Balsam fürs Gehirn".

Bis vor wenigen Jahren war man noch überzeugt, dass das erwachsene Gehirn stetig Nervenzellen verliert. Mittlerweile ist belegt, dass auch dort durchaus neue Nervenzellen entstehen. Wer sich regelmäßig bewege, stimuliere den Hippocampus und somit auch die Produktion von Nervenzellen. Gleichzeitig fördert Sport die Durchblutung im Gehirn, die Neubildung von Blutgefäßen und die Vernetzung zwischen den Zellen. Das sind Prozesse, die die Funktionalität des Gehirns verbessern und insbesondere das Lern- und Erinnerungsvermögen. Nicht zuletzt der Alterungsprozess macht es wichtig, das Gehirn leistungsfähig zu halten. Denn mit steigendem Altern schrumpft das Gehirn. Die Zellen können sich nicht mehr so schnell vom oxidativen Stress erholen und sterben ab. Doch Bewegung regt die Regenerationsmechanismen an: Bis ins hohe Alter hat das Gehirn die Fähigkeit, sich zu reorganisieren.

Solche Erkenntnisse werden auch bei der Behandlung von Demenzkranken eingesetzt. Zwar könne man mit körperlicher Bewegung eine Demenz nicht heilen, betont Müller-Gerbl, aber die Forschung hoffe, den geistigen Abbau mit gezielten Bewegungsprogrammen zu verlangsamen. Nachgewiesen werden konnte dagegen, dass Sport ähnlich wie ein Antidepressivum wirkt. Die Ausstellung stellt zwei Studien vor, die unterstreichen, dass der Nutzen der körperlichen Bewegung bei Depressionen und Ängsten ähnlich groß wie eine medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung war. Die Erkenntnisse zu den positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf Geist und Gehirn erstrecken sich auch auf das Kind- und Jugendalter. Aktive Kinder lernen nachweislich besser.

Die Ausstellung bietet zudem einen spannenden Einblick in den Aufbau sowie die Funktionsweisen des Gehirns. Anhand von Wandtafeln, Touchscreens, Filmen und 3-D-Modellen sind die Besucher eingeladen, sich multimedial und interaktiv zu informieren. Auf junge Besucher warten Puzzles und das bewegungsintensive Computerspiel "Hüpf dich schlau".

Ausstellung: Anatomisches Museum der Uni Basel, Pestalozzi Straße 20, Mo. bis Fr. 14 bis 17 Uhr, So. 10 bis 16 Uhr, bis August 2019, Vernissage: 6. September 17.30 Uhr.