Straßburg

Die 25. Weinmesse der Unabhängigen Winzer beginnt am Freitag

Pascal Cames

Von Pascal Cames

Di, 13. Februar 2018 um 14:53 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Zu Beginn war sie ein Flop, mittlerweile ist die Weinmesse in Straßburg so beliebt, dass man in der Halle schnell den Überblick verliert. Ein Besuch ist die Messe auf jeden Fall wert.

Draußen gibt es keine Parkplätze und drinnen ist es eng und laut, die Leute stehen einem im Weg, man selbst den anderen auch, der Überblick und die Freunde gehen verloren, man kommt ins Schwitzen, muss lange warten, trinkt mehr als man will, und das Geld ist bald alle. So in etwa kann es auf der Straßburger Weinmesse der Unabhängigen Winzer kommen, die nächstes Wochenende zum 25. Mal stattfindet. Ein Grund hinzugehen und zu feiern? Aber natürlich! Denn alle Nachteile werden durch eine Sache aufgewogen: Es gibt wunderbare Weine aus ganz Frankreich.

Die Weinmesse zieht jedes Jahr mehr als 50.000 Besucher an vier Tagen auf das Straßburger Messegelände Wacken. Es sind Enthusiasten, Weinhändler, Gastronomen und Neugierige, die mit oder ohne Sackkarren dort ihre Kreise ziehen. 500 Winzer aus ganz Frankreich sind da, davon etwa 20 Prozent von der Rhône, nochmal 20 Prozent aus dem Bordelais, der Rest verteilt sich auf das gerade angesagte Weingebiet Languedoc und andere Regionen. Sieben Prozent sind Elsässer. Hier gibt es Weine aus der Gegend um Pau, Raritäten von der Loire, schlanke Weißweine aus Bordeaux und die roten Klassiker aus dem Rhône-Tal und dem Burgund.

Die Messe feiert Barriqueweine, hat süffigen Rosé aus dem Süden, merkwürdige Strohweine aus dem Jura und sogar Champagner und Cognac. Bio- und Demeter-Weine gibt es auch. Damit niemand verloren geht, sind die Gassen mit A, B, C gekennzeichnet und die Stände farblich markiert. Um sich eine Grundlage zu schnabulieren, gibt es Käse, Wurst, Schnecken und Austern.

Degustieren und Fachsimpeln kann man lernen

Es ist kaum zu glauben, aber das Spektakel Weinmesse startete vor 25 Jahren als ein veritables Fiasko. Es kamen kaum Besucher, sodass manche ausstellenden Winzer schon nach zwei Tagen heim wollten. Die Elsässer hatten die Messe damals noch nicht verstanden und in Deutschland und der Schweiz war sie unbekannt. Aber man blieb dran, weil Weinmessen der Unabhängigen Winzer in ganz Frankreich prima laufen, warum also nicht in Straßburg? Mittlerweile sind die Wartelisten für neue Winzer lang. Nur wenn einer aussteigt, kann ein neuer einsteigen.

Was macht man nun auf der Weinmesse? Probieren, probieren, probieren. Das funktioniert wie ein Crashkurs in Sachen französischer Wein. Am besten schaut man sich vorher auf der Webseite um und versucht, einen Plan auszubaldowern. Ist man im Getümmel angekommen, sucht man sich wie ein Schiff auf hoher See erstmal einen sicheren Hafen. Am Stand angekommen, stellt sich die Frage: Wie geht degustieren? Vor allem die Deutschen tun sich schwer damit, ihr Glas nicht leer zu trinken oder gar etwas wegzuschütten.

Am besten macht man es einfach wie die anderen: den Wein in Augenschein nehmen, daran riechen und ein wenig grübeln, jetzt "un schluck" wie der Elsässer sagt, und diesen im Mundraum zirkulieren lassen. Schmeckt man Beeren, Zitrusfrüchte, Tabak, Holz, Vanille? Dann raus mit der Sprache und Anerkennung ernten. Jetzt kommt der "Point of no return": nicht schlucken, sondern ausspucken. Gefällt der Wein, kann man ruhig nochmal probieren, ansonsten getrost den Rest im Eimer entsorgen. Dann murmelt man etwas von "fruchtig und mineralisch" (ein bisschen den Kenner zu geben, schadet nicht!) und lässt sich vom Winzer neu einschenken. Wichtig: Wenn der Rebensaft nicht schmeckt, einfach weitergehen, es gibt definitiv keinen Kaufzwang.



Da mittlerweile fast die Hälfte der Besucher aus Deutschland oder der Schweiz kommt, haben viele Winzer schon deutschsprachige Leute am Stand stehen, die über Weine und Rabatte informieren. Ob man nun die gleiche Sprache spricht oder nicht, ist aber eigentlich egal, bei längerem Aufenthalt werden Verständigung und Geldbeutel auf jeden Fall leichter. Ein bisschen was vom Wein bleibt immer hängen, auch wenn man ihn nicht trinkt.
Weinmesse der Unabhängigen Winzer von 16. bis 20. Februar auf dem Messegelände Wacken, Halle 20. Erreichbar mit der Tramlinie B, E, Straßburg. Eintritt 6 Euro (inklusive Probierglas). Geöffnet Freitag 15 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 19 Uhr, Montag 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen: mehr.bz/h53nbf