Rückschlag

Die Hülle des Rottweiler Aufzugturms macht Probleme

Lothar Häring

Von Lothar Häring

Mi, 09. August 2017 um 00:00 Uhr

Südwest

Monteure kämpfen bei der Verkleidung des Rottweiler Aufzugturms mit ungeahnten Schwierigkeiten. Der Turm soll mit 232 Metern die höchste Aussichtsplattform Deutschlands werden.

Die älteste Stadt Baden-Württembergs, Rottweil, und ihr neuer Turm halten zwar keinem Vergleich mit dem biblischen Babel stand. Aber der Aufzug-Testturm von Thyssen-Krupp gilt als Meisterwerk deutscher Baukunst – und als Antityp zu anderen Großprojekten wie der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Flughafen in Berlin. Der Turmbau zu Rottweil dauerte gerade drei Jahre – samt Planung und Bebauungsplanverfahren. Auch wurden die Kosten eingehalten. Doch auf den letzten Metern kommt ein Rückschlag nach dem anderen.

Einweihung und Eröffnung der mit 232 Metern höchsten Aussichtsplattform Deutschlands unterhalb der Turmspitze sollten im Mai dieses Jahres stattfinden – doch dann musste der Termin immer wieder verschoben werden. Die Ursache: Der nackte Betonkoloss mit 246 Meter Höhe sträubt sich mit allen Poren gegen die Außenverkleidung.

Dabei soll er ein besonders feines Tuch erhalten: Ein teflonbeschichtetes, Schmutz abweisendes Glasfasergewerbe ganz in Weiß, das sich je nach Lichteinstrahlung verfärbt. Entsprechend komplex ist dessen Montage. Das liegt schon daran, dass der Turm an der Spitze etwa 30 Zentimeter schwankt und sich bei entsprechender Sonneneinstrahlung um mehr als 15 Zentimeter zur Schattenseite hin krümmt. Hinzu kommt die technisch überaus anspruchsvolle Montage. "So schwierig hätten wir uns das nicht vorgestellt", räumen die Techniker der Firma Taiyo Europe aus München ein, die auch das Dach des neuen Stadions von Athletico Madrid mit diesem neuartigen Material bezieht. "Aber auf so einem hohen Turm – das ist weltweit einzigartig", berichten sie.

Erste Pläne, alles mit Fassadenkletterern zu bewerkstelligen, erwiesen sich als nicht realisierbar. So entwickelte die Firma den Prototyp einer 110 Tonnen schweren Hebebühne ("Fähre"), die von unten nach oben und umgekehrt fahren kann, die aber erst noch der TÜV abnehmen musste. Gut 5800 Bohrlöcher in der Betonhülle waren nötig, um 1100 Stahlrohre zu verankern. An denen wurden die 72 Membranfelder der Verkleidung mit einem Gewicht von alleine 70 Tonnen montiert. Und jetzt, da die Technik vorhanden ist, macht das Wetter Probleme. Nach wie vor sind Fassadenkletterer nötig, wenn auch deutlich weniger. Aber die können bei einer Windgeschwindigkeit von mehr als fünf Kilometer pro Stunde nicht aufsteigen – zu gefährlich.

Dennoch ist die von oben begonnene Montage der Stofffelder inzwischen bei 200 Metern angelangt. Ob das – trotz Arbeiten rund um die Uhr – reicht für die fürs erste Oktoberwochenende angekündigte Einweihung? "Wir sind zuversichtlich, aber nicht sicher", sagt Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp-Elevator. Ein Trost bleibt ihm: Er kann die Kosten von 40 Millionen Euro trotz allem einhalten. Die Mehrausgaben für die Hülle muss Taiyo übernehmen.