Rheinufer als Naherholungsgebiet

Magdalena Kaufmann

Von Magdalena Kaufmann

Sa, 22. September 2018

Elsass

Weil am Rhein und Hüningen starten mit Vis-à-Vis ein erstes Mosaiksteinchen der großen trinationalen Stadtentwicklung 3Land.

HÜNINGEN. Vis-à-Vis, Face-to-Face, von Angesicht zu Angesicht: So nennt sich ein Projekt, das das elsässische Hüningen und das badische Weil am Rhein näher zusammenrücken soll. Das Vorhaben, mit dem die Partnerstädte links und rechts des Rheins eine neue Ära einleiten, ist zwar vergleichsweise klein; städtebaulich steht es aber in einem ehrgeizigen Rahmen, ist es doch ein Teil des trinationalen Stadtentwicklungsprojektes 3Land, in dem die beiden Städte zusammen mit Basel in den nächsten zwei Jahrzehnten einen Stadtteil für bis zu 20000 Menschen planen.

Die Hüninger Garnisonskirche war bis auf den letzten Stuhl besetzt. Das Interesse an der vom Trinationalen Eurodistrict Basel (TEB) organisierten Vorstellung des Interreg-Projekts Vis-a-Vis Huningue-Weil am Rhein war groß. Das unmmttelbare Ziel des Projektes ist die Neugestaltung und Begrünung des Rheinufers in Weil und Hüningen (Grafik). Zugleich ist Vis-à-Vis aber auch ein erster Baustein von 3Land, dem derzeit größten trinationalen Stadtentwicklungsprojektes in Europa. Am Samstagnachmittag ist der Spatenstich am Fuß auf Hüninger Seite am Fuß der Dreiländerbrücke.

Wie von Christian Renner, dem Leiter des Weiler Stadtbauamts vorgestellt, ist auf Weiler Seite vorgesehen, den Rheinpark von der Dreiländerbrücke an nach Norden hin zu erweitern, was durch den Rückbau des Weiler Rheinhafens-Süd und die Konzentration der Hafenaktivitäten auf den bisherigen Containerhafen und Hafen Nord möglich wird. Die Stadt Weil hat dieses Gelände aufgekauft, um die Uferlinie für die Bevölkerung zugänglich zu machen, Radwege zu schaffen und sogenannte altersabhängige "Aktivitätspools" zu schaffen. All dies basiert auch auf einer Bürgerbefragung der Bevölkerung des Stadtteils Friedlingen, der aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur auch als sozialer Brennpunkt gilt.

Mit Hilfe des mit vier Millionen Euro gefüllten Vis-a-Vis-Topfes, von dem wiederum 50 Prozent aus Interreg-Mitteln der Europäischen Union stammen, sollen brachliegende Industriegelände umgenutzt werden. Der Rest wird auf deutscher Seite durch den Sozialfonds von Bund und Land übernommen. Auf der Hüninger Seite stoßen die Bebauungspläne des Rheinufers dagegen nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Alle Flussufer sind in Frankreich im Besitz des staatlichen Schifffahrtsamts "Voie Navigable de France". Die Stadt Hüningen hat deshalb nur indirekt Einfluss auf die Bebauungspläne. Diese sieht eine verdichtete Bebauung mit Hochhäusern durch die Investorfirma Constructa vorsieht, wobei die direkte Uferlinie ausgespart bleibt.

Die Begrünung dieses Grüngürtels ist Gegenstand des Projekts Vis-à-Vis. Hier soll der Bevölkerung der Zugang zum Rheinufer ermöglicht werden. "Nein, der Hüninger Rheinstrand soll nicht verschwinden, auch wenn in Frankreich im Gegensatz zur Schweiz das Schwimmen im Rhein ohne Aufsicht verboten ist." Die noch vorhandenen Mauern der ehemaligen Vauban-Festung sollen laut Aussage der Bauleitung besser sichtbar gemacht, der vielgenutzte Campingplatz am Rhein auf ein rheinabwärts liegendes Gelände verlagert werden. Die Rodungsphase für die dem Projekt zu Opfer fallenden, oft sehr alten Baumbestände, die laut Bauleitung durch die Pflanzung neuer resistenter Bäume ausgeglichen werde, läuft nun an. Das Interreg-Projekt läuft bis 2020. Dann soll nach dem Willen der Partnerstädte das Rheinufer für die Bevölkerung rechts und links begrünt und offen zugänglich sein. Der Spatenstich ist nun der erste Schritt dieser Wiederentdeckung des Rheinufers als Naherholungsgebiet.