Augst

Römerfest in Augusta Raurica: Vielfältige Schau römischen Lebens

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

So, 26. August 2018 um 17:57 Uhr

Basel

Beim größten Römerfest der Schweiz in Augusta Raurica, dem heutigen Augst, geht es zu wie vor 2000 Jahren: Legionäre stellen sich auf zur Schlacht, Gladiatoren kämpfen.

Beim größten Römerfest der Schweiz in Augusta Raurica, dem heutigen Augst, geht es zu wie vor 2000 Jahren. Legionäre stellen sich auf, als würden sie in die Schlacht ziehen, Gladiatoren kämpfen zur Belustigung des Publikums und der römische Kaiser Hadrian hält Audienz. Bei regnerischem Wetter war der Besuch am Samstag jedoch nicht so stark wie sonst.

"Retro!", sagt der Legionär zum Zuschauer, der im Weg steht, als die Legion Aufstellung nimmt. Hier geht es stilecht zu, auch die Aufforderung "Zurück!" wird auf Latein gegeben. Der Legionär ist originalgetreu ausstaffiert mit Rüstung, Speer und Schild, und er wohnt am Rande der Römerstadt in einem Zelt.

Man lege Wert darauf, alles so originalgetreu wie möglich darzustellen, erklärt der Medicus, der Arzt des Legionärslagers. Die Ärzte, zumindest in der früheren Zeit des Römischen Reiches kamen sie aus dem weiter entwickelten Griechenland, gehörten zur Vorhut, die die Orte auskundschafteten und festlegten, wo ein Legionskastell errichtet wurde. Das war ein immenser logistischer Aufwand, schließlich bestand eine Legion aus 3000 bis 6000 Soldaten.

Deren Verpflegung musste sichergestellt werden, auch die Versorgung mit Trinkwasser, weshalb man immer an einem Fluss lagerte, wie der Medicus berichtet. Die Wasserentnahmestelle musste eingerichtet werden, etwas flussaufwärts, die Latrine etwas flussabwärts. "Im Mittelalter hat man das nicht mehr kapiert und oft andersrum gemacht", erzählt er Medicus.

Waren die Zelte aus Leder oder aus Leinen?

Die Legionäre beim Fest kommen aus der Schweiz, aus Deutschland, Belgien und Russland. Insbesondere für die Schweizer ist die Elfte Legion das Vorbild und die historischen Funde von ihr, stellt der Medicus fest. Die Elfte Legion war in Vindonissa, dem heutigen Windisch bei Brugg (Aargau), und in Arae Flaviae, heute Rottweil, stationiert. Die heutigen Legionäre wohnen in Zelten wie damals, wobei man sich nicht einig ist, ob sie aus Leinen oder aus Leder waren. Der Medicus glaubt nicht an die Leder-Theorie.

Ein Lederzelt würde 50 Kilogramm wiegen, wenn es bei Regen nass wird 100 Kilogramm, und es würde bei Nässe schimmeln, sagt er. "Anders als die Historiker haben wir einen praktischen Ansatz und probieren die Dinge nach historischem Vorbild in der Praxis aus", sagt der Medicus.

Praktisch ausprobiert wird auf dem Festareal auch ein römischer Kran, mit dem schwere Steinquader gehoben werden können. Überhaupt wird viel Handwerk vorgeführt, in der Art und Weise wie das in römischer Zeit der Fall war. Ein Glasbläser zeigt seine Kunst und hat dazu am Vortag einen Ofen aufgebaut, aus Backsteinen und Erde, in seinem Innern ist es 1000 Grad heiß. Ein Schmied fertigt Werkzeuge, Tonkrüge werden getöpfert, Schmuck wird hergestellt.

Für Kinder gibt es viele Aktionen zum Mitmachen: Manche bauen antike Blasinstrumente und ziehen trötend durchs Areal. Musiker hatten die Instrumente erklärt und darauf gespielt, unter anderem eine Hymne an den Sonnengott Helios, die tatsächlich von Mesomedes von Kreta, dem Hofkomponisten Kaiser Hadrians, stammt. Kaiser Hadrian hält auch Audienz, denn zu Hadrians Regierungszeit erlebte Augusta Raurica seine größte Blüte. Womöglich kam Hadrian bei seiner ersten großen Reise Anfang der 120er Jahre nach Christus tatsächlich hier vorbei.

Gladiatoren, Tänzerinnen, Streitwagen und Sklaven

Auch Brot und Spiele gibt es: Die Gladiatoren üben sich für den Kampf, von vielen Schaulustigen beobachtet, um später im Theater vor großem Publikum ihre Kämpfe auszutragen. Zuvor geht es auf dem Theater noch lieblich zu: Die Gruppe Danza Antica aus Italien führt Tänze von damals vor, aber zu Musik, in die sich viel moderner Pop hineingemogelt hat.

Hinter dem Theater üben Kinder, Bälle mit dem Katapult zu schleudern, ganz Sportliche machen beim Streitwagen-Rennen mit. Beim Tempel werden Sklaven versteigert, während andere bei Lucullus, benannt nach einem Senator, der für grandiose Gastmähler bekannt war, speisen. Mutige wagen einen Blick in die Zukunft: Beim Orakel kann man mit Knochen aus den Gelenken von Schafen würfeln, und anhand eines Buches, das ein Forscher aus antiken Inschriften zusammengetragen hat, ergibt sich je nach Lage der Knochen-Würfel eine geheimnisvolle Weissagung. So zeigte das 23. Römerfest sehr vielfältig, wie sich der Alltag vor 2000 Jahren abgespielt hat.
Weitere Fotos vom Römerfest gibt es im BZ-Online-Fotoalbum