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16. November 2012 20:51 Uhr

Flauer Wind

Anleger klagen gegen Freiburger Windkraft-Gesellschaft

Die Windanlagen in Südbaden bringen durchweg nicht den erhofften Ertrag. Die Ausschüttungen sind bescheiden. Nun gehen einige Anleger der Freiburger Regiowind Kommanditgesellschaft vor Gericht gegen die Geschäftsführung vor.

  1. Nebulöse Informationspolitik werfen einige Anteilseigner der Regiowind-Geschäftsführung vor. Foto: brendler

Seit 2003 stehen sechs Windräder auf den Höhen um Freiburg. Errichtet hat sie die Firma Regiowind für 13 Millionen Euro. Dazu hat sie von 512 Anlegern 4,2 Millionen Euro eingesammelt und 6,5 Prozent Verzinsung in Aussicht gestellt.

Davon haben die Anleger nicht viel gesehen. Denn der Wind weht bei weitem nicht so kräftig wie vorhergesagt. Nach Darstellung von Regiowind-Geschäftsführer Andreas Markowsky lag der Windertrag 2011 um 29 Prozent unter der Prognose. Der finanzielle Ertrag liege 20 Prozent unter Plan, weil man höhere Preise für den Windstrom bekomme als angenommen.

Kredite müssen bedient werden

Die 8,8 Millionen Euro Kredite für den Bau der Windräder müssen aber bedient werden. Nach Auskunft von Markowsky sind jedes Jahr 1,3 Millionen Euro an Zinsen und Tilgung fällig. 252 000 Euro wären zusätzlich nötig, um eine sechsprozentige Verzinsung zu bieten. Die wurde im Oktober 2004 gezahlt. Anleger erinnern sich an eine zweite Ausschüttung.

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Die finanzielle Situation der Regiowind GmbH & Co Freiburg KG (dieser Gesellschaft gehören die Windräder) ist so angespannt, dass sie laut Markowsky regelmäßig Darlehen von der Muttergesellschaft Regiowind bekommt, um die jeweils Ende März und Ende Oktober fälligen Raten für Zins und Tilgung zu zahlen. Regiowind wiederum ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Freiburger Ökostrom-Gruppe, deren Chef Andreas Markowsky ist, und des Energieversorgers Badenova, bei dem der zweite Regiowind-Geschäftsführer Johann-Martin Rogg an leitender Stelle arbeitet.

Ausschüttungen in Aussicht gestellt

Nach Aussage von Geschäftsführer Markowsky sind überdies bei einem zehn Jahre laufenden Darlehen zwei Zins- und Tilgungszahlungen aufgeschoben worden. Statt zehn laufe das Darlehen elf Jahre. Dies alles sei den Anlegern bekannt, sagt Markowsky. Er stellt regelmäßige Ausschüttungen von 2013/2014 an in Aussicht. Dann seien zwei der drei Darlehen getilgt und ein größerer Teil der Einnahmen stehe für Ausschüttungen zur Verfügung.

Eine Gruppe von Anlegern ist mit dieser Aussicht auf Besserung in der Zukunft nicht zufriedenzustellen. Sie hat sich in der Initiative Pro-Beirat zusammengeschlossen. Sie will erreichen, dass aus dem Kreis der Anleger ein Beirat bestellt wird, der der Geschäftsführung auf die Finger schaut. Das haben Markowsky und Rogg in der Vergangenheit abgelehnt, zeigen aber jetzt Kompromissbereitschaft.

Die Gruppe Pro-Beirat äußert Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Beschlüsse der Gesellschafterversammlung von Juli 2012. Die Gruppe hat Klage eingereicht. Das ist nicht die erste gerichtliche Auseinandersetzung der Opposition mit der Regiowind-Geschäftsführung. Schon um die Herausgabe der Adressen der Anleger gab es Streit. Man habe eine einstweilige Verfügung erwirken müssen, sagen die Kritiker. Nach dem Urlaub der Geschäftsführer hätte man die Adressen selbstverständlich freiwillig herausgegeben, halten die Geschäftsführer dagegen.

Auch Anleger, die der Geschäftsführung im Grunde wohlgesonnen sind, bemängeln die fehlende Transparenz bei Regiowind. Ein Anlegerbeirat und eine detaillierte jährliche Leistungsbilanz seien Dinge, die der Bundesverband Windenergie (BWE) für alle Gesellschaften empfehle. Markowsky kann das alles wissen, denn er ist seit vielen Jahren im BWE aktiv und einer der wichtigsten Verbandsvertreter in Baden-Württemberg.

Für die Freiburger Regiowind-Tochter steht in den nächsten Monaten eine wichtige Entscheidung bevor: Soll die Gesellschaft für zwölf Millionen Euro ein zusätzliches Riesenwindrad am Schauinsland errichten? Dafür müssten die Anleger – und/oder neue Geldgeber – 3,8 Millionen Euro Kapital aufbringen. Markowsky ist sicher: Wenn diese Anlage laufe, werde die Ausschüttung nicht gemindert, die Anlage laufe aber zehn Jahre länger. Es gäbe also zehn Jahre länger eine Ausschüttung.

Die Kritiker bemängeln die Informationspolitik der Geschäftsführung. Bisher lägen keine detaillierten Informationen über die Windverhältnisse am geplanten Standort vor. Auch gebe es keine Langzeiterfahrung mit der geplanten Windanlage, die mit Turm fast 200 Meter hoch wäre. Tatsächlich ist man auch beim Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische zurückhaltend. Die Anlagen seien nicht für das Binnenland gedacht, heißt es dort. Andreas Markowsky dagegen ist zuversichtlich. Es sei ein Windrad von Enercon geplant. Mit dieser Firma haben man gute Erfahrungen gemacht.

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Autor: Jörg Buteweg