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25. Mai 2009 15:17 Uhr

Heftiger Wettbewerb

Bewegter Erdbeermarkt: Längere Saison, neue Sorten, mehr Einnahmen

Erdbeerbauern in Südbaden haben einen Weg gefunden, wie so trotz niedriger Preise ihre Einnahmen steigern können. Mit frühen und späten Sorten weiten sie die Saison aus, um so länger Umsatz machen zu können.

  1. Die Erdbeersaison wird immer länger, damit sich der Anbau lohnt. Foto: dpa

Von Aussichtspunkten wie der Südkante des Tunibergs sieht es aus, als hätte jemand riesige Plastiktüten über die Landschaft gestülpt. Es sind Folien, mit denen Landwirte Spargel- und Erdbeerkulturen abdecken, um früh ernten zu können. Sie nutzen den Treibhauseffekt: Sonnenstrahlen können durch die Folie zwar rein-, die Wärme aber nicht hinaus. Doch die Folien sind manchen Bauern nicht mehr genug, um ihre Erdbeeren eher reif zu bekommen. Sie setzen auf neue Sorten, um früher ernten und damit mehr Geld verdienen zu können.

"Clery" ist beispielsweise der Name einer in Italien gezüchteten frühreifenden Sorte. Harald Wochner aus Merdingen kultiviert sie im zweiten Jahr. Am 8. Mai hat er zum ersten Mal geerntet. Andere Mitbewerber brachten ihre Beeren sogar schon zwei Wochen früher auf den Markt, und zwar mit Erdbeeren unter begehbaren Tunneln. Die südbadischen Erzeuger reagieren auf die zunehmende Konkurrenz aus anderen deutschen Anbaugebieten. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Erzeugung von Erdbeeren in Deutschland auf 170.000 Tonnen jährlich verdreifacht, wobei Importe aus den Mittelmeerländern, wo die Ernte schon im Dezember beginnt, stark zurückgedrängt wurden. 2008 kamen fast 70 Prozent der Verbrauchsmenge von deutschen Feldern, vor zehn Jahren noch waren er nur 30 Prozent.

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Preise rutschen bis auf 1,50 Euro

Auf dem Erdbeermarkt herrscht heftiger Wettbewerb und darum ein starker Preisdruck, der die Rentabilität der Anbaubetrieb verringert. Genau deshalb versuchen die Erzeuger, so früh wie möglich anzubieten. Der Erzeugergroßmarkt Südbaden (Egro) mit Sitz in Vogtsburg-Oberrotweil motiviert seine Mitglieder, die Saison auszuweiten – mit frühen, aber auch mit späten Sorten. "Wir haben schon erlebt, dass nur in Saison-Randzeiten ein gewinnbringender Erlös möglich war", sagt Egro-Anbauberater Hubert Schneider. In der Anfangsphase etwa seien die Verbraucher bereit, deutlich über drei Euro für die 500-Gramm-Schale zu bezahlen, in der Hochsaison fällt der Preis auf die Hälfte. Die Produktionskosten bei verfrühten Kulturen sind allerdings auch sehr viel höher.

Abgesehen vom höheren Erlös gibt es für Harald Wochner weitere Gründe, frühe Sorten anzupflanzen. "Die Erntehelfer kommen von weit her. Mit insgesamt vier verschiedenen Sorten kann ich sie sechs Wochen lang beschäftigen", sagt er. Ein Blick auf seine Kulturen zeigt eine Neuerung, die die Qualität der Früchte verbessert, aber ebenfalls die Produktionskosten in die Höhe treibt. Er hat einen Teil der Erdbeeren auf Dämme gepflanzt, wobei die Erde mit einer schwarzen Folie umhüllt ist und im Damm ein Bewässerungsschlauch verläuft. Die Vorteile sind: Unkrautbekämpfungsmittel erübrigen sich, die Früchte hängen hoch und bleiben sauberer und bei Regenwetter entsteht keine Nässe, was eine Wurzelkrankheit fördern würde. Abgesehen davon können Nährstoffe exakt dosiert werden.

Autor: Silvia Faller