Brauen in vierter Generation

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 19. August 2018

Waldkirch

Der Sonntag Die Waldkircher Hirschen-Brauerei feiert ihr 150-jähriges Bestehen.

Stadtgeschichte hat sie geschrieben, und sie ist die letzte von 13 Brauereien, die es einst in Waldkirch gab. Am kommenden Wochenende feiert die Hirschen-Brauerei ihren 150. Geburtstag mit einem großen Fest.

Wie ein kleines Schlösschen liegt es neben einem schattigen Biergarten mit alten Kastanien am Waldkircher Stadtrainsee: Das 1904 im Gründerzeit-Stil erbaute Firmengebäude der Hirschen-Brauerei. Harald Neff ist hier als Sohn des Braumeisters aufgewachsen und hat von seinem Kinderzimmerfenster direkt in den Hof schauen können. "Das Brauen und die ganze Technik haben mich so fasziniert, dass ich schließlich auch Brauwesen studiert habe", erzählt der 52-Jährige, der nach seinem Vater Bernhard vor 15 Jahren die Geschäftsleitung übernahm.

83 Jahre ist der Braumeister und Seniorchef Bernhard Neff heute und immer noch jeden Tag im Büro der Brauerei anzutreffen. Er stammt aus einer Waldkircher Familie, die sich dem Brauwesen bereits in der vierten Generation widmet.

Früher gab es in fast jedem Gasthaus eine Brauerei

"Klara, die Mutter meines Vaters, war eine geborene Klausmann. Ihre Familie hat 1830 das Gasthaus zum Hirschen gebaut", erklärt Harald Neff. In der Lange Straße war das, und dort steht die Gastwirtschaft bis heute. Nur wenige wissen, dass es unter den Gasträumen alte Brauereikeller gibt, denn am Gewerbekanal, direkt hinter dem Wirtshaus, wurde seit 1868 Bier gebraut.

In Waldkirch gab es in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert in fast jedem Gasthaus eine Hausbrauerei. Ganze 13 Brauereien sollen es seinerzeit gewesen sein, und alle standen vor einer großen Herausforderung: Die Gär- und Lagerkeller mussten gekühlt werden, was in einer Zeit ohne technische Hilfsmittel nicht leicht war. Bier wurde daher in Gewölbe- oder Felsenkellern mit Abwurfschächten für Eis gelagert. "Zur Eisgewinnung hat man auch eine Fläche am Stadtrain genutzt, wo man unter anderem Wasser eines kleinen Bachs anstaute", berichtet Harald Neff. Der vordere Teil des heutigen Stadtrainsees ist aus diesem Eisweiher entstanden.

Eisschächte gab es auch in der 1904 von Karl und Heinrich Klausmann am Stadtrain erbauten Hirschen-Brauerei, und noch heute befinden sich zwei Stollen im Fels, die für die Brüder ein wesentlicher Grund für die Wahl dieses Standorts waren: "Es ist ein ideales Eckchen. Neben dem Eisweiher und dem Berg gibt es auch noch einen Tiefbrunnen mit ausgezeichnetem, weichem Felsquellwasser", schildert Harald Neff die Gegebenheiten.

Weiches Wasser aus dem Kandelmassiv, Malz aus Lahr und Naturhopfen aus den besten süddeutschen Anbaugebieten seien die Grundlage für seine Biere, die ihre Kundschaft hauptsächlich im Zweitälerland, im Glottertal und Denzlingen finden. Doch auch aus Freiburg, so Neff, "kommen zunehmend Nachfragen". Die Hälfte des Biers geht in die Gastronomie, etwa 30 Prozent ist in regionalen Getränkemärkten zu finden.

Einen Getränkehandel betreiben die Neffs auch selbst, außerdem kann man von ihnen vom Kühlschrank bis zum Zelt alles für Privat- und Vereinsfeste mieten. "Neben speziellen Bieren als Handelsware verkaufen wir auch eigene Spezialitäten wie Zwei-Liter-Krüge mit naturtrübem Kellerbier unter dem Namen Kandelfels", sagt Harald Neff. Und die erfreuen sich, nicht zuletzt dank des familiären Flairs in der kleinen Brauerei mit nur zehn Mitarbeitern großer Beliebtheit: Einfach in den Innenhof kann man zum Einkauf fahren, die leeren Glasflaschen mit Bügelverschluss mitbringen und vielleicht noch ein Schwätzchen mit dem Seniorchef halten.

Durch den nahen Stadtrainsee mit der im Jahr 2008 von der Brauerei angelegten Seeterrasse, den ans Firmengebäude angrenzenden Biergarten, aber auch den nahen Schwarzwaldzoo und den Walderlebnispfad ist das Terrain Waldkirchs kleines Naherholungsgebiet. So wie schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als man auf der Wiese vor der Brauerei noch Fußball spielte oder im Winter auf der zugefrorenen Fläche Schlittschuh lief. Am kommenden Wochenende wird auf dem gesamten Areal Geburtstag gefeiert.
Festwochenende Samstag, 24. August, ab 14 Uhr; Sonntag, 25. August, ab 10.30 Uhr. 18.30 Uhr Liverpool Beats, 22 Uhr Feuerwerk. Brauerei-Besichtigungen stündlich von 14 bis 17 Uhr (Samstag) und 13 bis 17 Uhr (Sonntag).