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16. August 2012 17:20 Uhr

AOK-Studie

Fehlzeiten-Report: Arbeit macht immer mehr Deutsche krank

Die AOK hat ihren Fehlzeiten-Report vorlegt. Tenor der Studie: Pendeln, Überstunden und ständige Erreichbarkeit machen immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland krank.

  1. Die Arbeitsbelastung wächst – und damit auch die Zahl derer, die dadurch krank werden, sagt eine Studie der AOK. Foto: fotolia.com/Lasse Kristensen

Millionen Bundesbürger kennen laut einer neuen Krankenkassen-Studie keine klaren Grenzen zwischen Job und Privatleben – viele fühlen sich deshalb niedergeschlagen und unausgeglichen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen stieg seit 1994 um 120 Prozent.

Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Leiden ist nach dem Fehlzeiten-Report 2012 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen dieser Belastungen in die Höhe geschnellt. Der geschäftsführende Vorstand des AOK-Verbands, Uwe Deh, forderte am Donnerstag: "Flexibilität braucht klare Schranken."

Wer Beruf und Freizeit oft nicht vereinbaren kann, klagt über mehr als doppelt so viele Symptome wie Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen wie der Durchschnitt. Wer häufig Privates wegen des Jobs verschiebt, an Sonntagen arbeitet oder viele Überstunden macht, hat laut Report häufiger psychische Beschwerden.

Wer pendelt, hat ein größeres Risiko krank zu werden

Mehr als zehn Millionen Menschen könnten betroffen sein. Denn mehr als jeder dritte der 37 Millionen Arbeitnehmer erhält häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit oder leistet Überstunden. Mehr als jeder zehnte nimmt Arbeit mit nach Hause. Fast jeder achte Beschäftigte gibt laut der Studie an, dass er Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit hat. Jeder zweite ist im Grundsatz außerhalb der Arbeitszeit erreichbar.

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Immer weiteres Pendeln wird für viele zusätzlich zur Schwierigkeit. Laut Statistischem Bundesamt waren zuletzt zwölf Prozent zwischen 25 und 50 Kilometer pro einfacher Fahrt zum Job unterwegs, vier Prozent über 50 Kilometer – Tendenz steigend. Laut Wido steigt bei diesen Beschäftigten das Risiko, krankgeschrieben zu werden, um 20 Prozent. 40 Prozent der Berufstätigen sind laut AOK Wochenendpendler, fahren täglich mindestens eine Stunde zur Arbeit oder haben ihren Wohnort berufsbedingt gewechselt. Job-Sicherung oder Aufstieg sind der Nutzen – Risiken für die Seele die Kehrseite.

Unklar bleibt laut Studie, wie viele Menschen aus diesen Gründen wirklich krank sind und wie sich der Zusammenhang über die Jahre entwickelte. Doch sehen die Autoren hier zentrale Gründe für den ständigen Anstieg der psychischen Leiden. So seien 2011 rund 130 000 Menschen wegen Burn-outs krankgeschrieben gewesen – die Krankheitstage hätten sich binnen sieben Jahren auf 2,7 Millionen verelffacht.

AOK fordert eine verträglichere Arbeitswelt

AOK-Vorstand Deh: "Allein seit 2004 ist die Anzahl unserer Versicherten, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in Behandlung sind, um 40 Prozent gestiegen." Die Behandlungen kosteten 2011 die Kasse 9,5 Milliarden Euro.

Die AOK forderte die Wirtschaft auf, die immer flexiblere Arbeitswelt verträglicher zu machen. Krankheitsvorbeugung tue not. Die Mitherausgebern des Reports, Antje Ducki, forderte: "Arbeit möglichst vorhersehbar halten, planbar machen, Sinn herstellen." Gefragt seien vor allem die Chefs.

Positiv: Immer mehr Erwerbstätige identifizierten sich enorm mit ihrer Arbeit und ihren jeweiligen Projekten, sagte Ducki. Selbstständige Freelancer würden immer mehr zum Prototyp des Berufslebens. Das Problem dabei: "Sie arbeiten aus sich selbst heraus deutlich über ihre Leistungsgrenzen hinaus."

Nach jahrelangen Ankündigungen will die Koalition bald eine Strategie für mehr Gesundheitsvorbeugung vorlegen. Burn-out soll zu einem Schwerpunkt werden.

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Autor: dpa