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21. Oktober 2009 00:07 Uhr
Postbank
Finanztest: Banken schwatzen sinnlose Verträge auf
Eine 77-jährige Rentnerin kann sich freuen – in gut zwanzig Jahren wird der ihr von einem Berater der Postbank aufgeschwatzte Bausparvertrag Euro zugeteilt.Kein Einzelfall, wie die Stiftung Warentest nun herausfand.
BERLIN. Um flugs an die Abschlussprovision für den Vertrag zu kommen, beendete der Vermittler einen bereits bestehenden Baussparvertrag der 77-jährige Dortmunder Rentnerin und schob die Guthaben des Rentnerhaushalts so lange hin und her, bis er möglichst schnell an die Erfolgsprämie von 640 Euro kam.
Der Fall der alten Dame ist kein Einzelfall, wie die Stiftung Warentest nun herausfand. "Weit über 100 Jahre alt müssten drei Postbank-Kundinnen werden, denen verschiedene Berater die Vorteile des Bausparvertrags BHW Dispo maXX schmackhaft machten", heißt es in der Zeitschrift Finanztest. Ein ehemaliger Vertreter der Postbank schildert in dem Magazin, worum es bei den Kundengesprächen in erster Linie geht.
Das Ziel: Provision um jeden Preis
"Verkaufen, verkaufen, verkaufen", laute das Motto. So würden Altverträge vorzeitig gekündigt, um neue abzuschließen, für die es eine weitere Provision gebe. Der Druck auf die Berater sei enorm. Die Postbank bestreitet die Einzelfälle nicht, weist aber den Vorwurf einer generellen Falschberatung scharf zurück. "Wir haben sehr hohe Qualitätsstandards", beteuert Sprecherin Iris Laduch. Vertrauen und eine gute Beratung seien Teil des Geschäftes.
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Dennoch erscheint die Vertriebsstruktur der Bank Interessenkonflikte zu begünstigen. Dabei geht es nicht um die Beratung am Schalter einer Postbank-Filiale oder am Telefon. Dort arbeiten fest angestellte Banker. Darüber hinaus hat das Institut vor drei Jahren eine Vertriebsgesellschaft gegründet, in denen so genannte mobile Finanzmanager tätig sind, die zum Hausbesuch bei den Kunden ausschwärmen. Diese Vertreter leben allein von der Provision und haben deshalb ein Interesse an möglichst vielen Abschlüssen. "Ich kann den Interessenkonflikt nicht sehen", sagt Laduch. Finanztest berichtet dagegen von einem enormen Verkaufsdruck.
Keine neue Kritik
Unterschiedlich stellen beide Seiten auch die Qualität der Beratung dar. Während Finanztest unter Berufung auf Insider schreibt, dass die Vermittler schlecht ausgebildet auf die Kundschaft losgelassen werden, weist die Bank auf eine 15-monatige Regelausbildung der Finanzmanager hin.
Die Kritik an der Beratungspraxis ist nicht neu. In Zusammenhang mit der Pleite der Lehman Bank geriet die Branche in Verruf. Um Provisionen zu kassieren, schwatzten Angestellte der Citibank oder auch mancher Sparkasse meist Älteren Kunden Zertifikate auf, deren Funktionsweise die Kunden meist nicht kannten. Nach dem Konkurs blieben Tausende Anleger auf ihrem Schaden sitzen.
Der frühere Innenminister Gerhard Baum, der heute als Anwalt geschädigter Anleger seine Brötchen verdient, lässt kein gutes Haar an den Geschäftspraktiken der Finanzinstitute. Der Kunde müsse sich über eines im Klaren sein, warnt Baum vor allzu viel Vertrauen in den Bankberater, "die Anlageprofis wollen verkaufen." Die Interessen ihrer Kunden hätten sie selten im Sinn.
Autor: Wolfgang Mulke
