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24. Februar 2014 09:00 Uhr

Währungsunion

Freiburger Ökonom: Eurokrise ist längst nicht vorbei

Die Turbulenzen in Euroland haben sich zuletzt spürbar gelegt. Ist also das Schlimmste überstanden? Nein, sagt der Freiburger Volkswirt Lüder Gerken – und warnt vor einem Aufflackern der Krise.

  1. Mehr Schatten als Licht sieht das Freiburger CEP in der Eurozone. Foto: dpa

  2. Lüder Gerken Foto: BZ

In den vergangenen Monaten hat sich die Eurokrise deutlich beruhigt. Hochverschuldete Staaten können sich wieder so günstig Geld leihen wie vor Ausbruch der schweren Turbulenzen 2010. Die Rettungsaktionen für Irland und Spanien sind beendet; statt fünf sind damit nur noch drei Staaten unterm Eurorettungsschirm – Griechenland, Portugal und Zypern. Hat Euroland das Schlimmste überstanden?

"Die seit 2009 zu beobachtende Erosion der Kreditfähigkeit von Italien hält an." Lüder Gerken
Nein, sagt der Freiburger Volkswirt Lüder Gerken vom Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP). "Der erfolgreiche Abschluss der irischen und spanischen Anpassungsprogramme darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Probleme, die zur Eurokrise geführt haben, weiterhin bestehen und sich sogar auf weitere Länder ausgeweitet haben", schreibt Gerken im neuen CEP-Default-Index, einer Analyse der Kreditwürdigkeit von Volkswirtschaften, die das Institut am Montag vorgelegt hat.

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Sorge bereiten Gerken neuerdings auch Belgien und Finnland. Beide Volkswirtschaften verlieren seiner Analyse zufolge mittlerweile an Kreditfähigkeit. Das Problem bestehe darin, dass die beiden Volkswirtschaften einen großen Teil der im Ausland aufgenommenen Kredite konsumieren, statt sie in neue Fabriken oder Maschinen zu investieren, die in der Zukunft neues Wachstum erzeugen könnten.

Gerken betonte, dass zwar die Schuldentragfähigkeit Finnlands und Belgiens nicht unmittelbar bedroht sei; die beiden Staaten also weit davon entfernt seien, gerettet werden zu müssen. Aber der Trend zeige in die falsche Richtung.

Italien bleibt Reform-Baustelle

Das CEP sieht weiterhin besonders großen Reformbedarf in der drittgrößten Eurovolkswirtschaft Italien. In der Analyse heißt es über den Reformstau in Rom: "Die seit 2009 zu beobachtende Erosion der Kreditfähigkeit von Italien hält an. Gegenüber 2012 hat sich der Verfall beschleunigt. Es ist fraglich, ob sich dies auf absehbare Zeit ändert. Denn die hierfür notwendigen Reformen und Konsolidierungsmaßnahmen wurden von der italienischen Regierung bisher nicht ergriffen."

Das CEP analysiert in seinem Default-Index regelmäßig, wie sich die Fähigkeit von Ländern entwickelt, Auslandskredite zurückzuzahlen. Dazu betrachten die Forscher nicht allein die Staatsverschuldung, sondern auch die privaten Verbindlichkeiten. Außerdem ermitteln die Ökonomen, was eine Volkswirtschaft mit dem im Ausland geborgten Geld anstellt – konsumiert sie es oder investiert sie es? Nur, wenn ein Land investiert, versetzt es sich nach Ansicht des CEP in die Lage, die im Ausland aufgenommenen Kredite irgendwann zurückzahlen zu können.

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Autor: Ronny Gert Bürckholdt