Ausbildung

Gewerbe-Akademie Freiburg kümmert sich um den Nachwuchs

anfe

Von anfe

Mo, 19. Juni 2017

Wirtschaft (regional)

Schule mal anders: Feile statt Füller heißt es für die zwölf Achtklässler, die in der Gewerbe-Akademie Freiburg die Arbeit eines Goldschmieds auszuprobieren. Die Joberkundungstage, abgekürzt Jet, sollen den Jugendlichen helfen, später im richtigen Beruf dann schnell durchzustarten.

Auch dafür bietet das Bildungshaus der Handwerkskammer Freiburg eine Bühne, denn neben der überbetrieblichen Ausbildung und den Weiterbildungsangeboten ist sie auch dafür zuständig, Nachwuchs fürs Handwerk zu gewinnen.

Die 14-jährige Melanie schleift mit einer Feile die Kanten eines Metallkreuzes glatt: "Ich finde es hier ganz gut, weil man sechs verschiedene Berufe kennenlernt und sehen kann, was einem gefällt oder nicht so liegt", sagt sie. Zwar findet sie es in der Goldschmiede ganz okay, aber das Schleifen mag sie nicht so sehr. Auch Nico, 16 Jahre, wird später kein Goldschmied werden: "Es ist schon gut, aber nicht so mein Ding. Was mir gefallen hat, war Zahntechnik und Büromanagement", sagt er.

Insgesamt 72 Schüler pro Jetblock durchlaufen innerhalb von zwei Wochen sechs Werkstätten. Anderthalb Tage können sie jeweils in ein Gewerk schnuppern, dann wird gewechselt. Goldschmiedemeisterin Susanne Altmiks leitet den Kurs, der das Berufsfeld Goldschmiede und Schmuckdesign abdeckt. Unter ihrer Anleitung entwerfen die Schüler ihren eigenen Ring, stellen eine Einpassarbeit aus Metall her und fertigen eigene Entwürfe eines Schmuckstücks an. "Die Arbeiten sind so ausgelegt, dass sie prüfen können, ob sie für diesen Beruf geeignet sind und ob es ihnen Spaß macht", sagt Altmiks.

Rund 88 130 Berufsorientierungsstunden kamen so im Jahr 2016 zusammen. Das hört sich zwar viel an, macht aber nur etwa neun Prozent der insgesamt mehr als eine Million Teilnehmerstunden aus, die das Bildungshaus der Handwerkskammer Freiburg mit Standorten in Offenburg, Lahr, Appenweier, Schopfheim und Freiburg vorweisen kann. Den Hauptpart mit 57 Prozent aller Teilnehmerstunden macht die überbetriebliche Ausbildung aus, die mit 578 120 für 2016 zu Buche schlägt.

Einen dieser Kurse leitet Hartmut Schmidt, der den Schreinern im zweiten Lehrjahr beibringt, wie sie selbstständig an den Maschinen arbeiten. "Dabei geht es hauptsächlich darum, dass sie sicherheitstechnische Anforderungen erfüllen und Schutzmaßnahmen verwenden, damit sie sich an den Maschinen nicht verletzten", erläutert Schreinermeister Schmidt, der dazu seine Schützlinge einen Hocker bauen lässt. Das Schleifen, Fräsen und Sägen wird heutzutage von Maschinen übernommen, die es richtig zu bedienen und bei der CNC-Technik zu programmieren gilt.

In der Werkhalle, an der großen CNC-Maschine, stehen Jacob, 24 Jahre und die 22-jährige Anna und geben gemäß ihrer Skizze über die Tastatur verschiedene Werte ein. "Was ich hier cool finde, ist, dass man wie bei den Tischfräsen moderne aber auch ältere Maschinen hat, bei denen man noch viel per Hand einstellen muss", sagt Jakob. Beim Unterricht in der überbetrieblichen Ausbildung werde viel mehr ins Detail gegangen, finden die beiden. Und: "Bei uns im Betrieb arbeiten wir hauptsächlich mit Alu und fertigen Terrassenkonstruktionen an. Möbel bauen wir kaum, und hier lerne ich, wie der Ablauf funktioniert", sagt Anna.

Beide wollen auch nach ihrer Lehre noch weiter im Beruf arbeiten, und so ist denkbar, dass sie selbst nach Abschluss der Ausbildung wieder die Gewerbe-Akademie besuchen, dann allerdings im Rahmen diverser Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. "Das Handwerk boomt, und das merken wir momentan auch bei der Weiterbildung", sagt Pressesprecher Thomas Weber. Und fügt gleich ein dickes Aber an: Denn wenn die Betriebe ausgelastet seien, täten sie sich andererseits schwer, auf Mitarbeiter zu verzichten – und sei es nur für zwei Wochen. Dauerthemen bleiben der Fachkräftemangel und sinkende Lehrlingszahlen. "Nach wie vor brennt die Nachwuchsgewinnung auf den Nägeln", so auch Weber. "Wir haben in den vergangenen Jahren den Demografieaspekt betont. Dieser wird nun durch die Akademisierungswelle verschärft." Laut Weber könnte der Akademisierungsschub künftig die Demografiekurve überlagern.

Doch auch im Handwerk sei es möglich, sich weiter zu qualifizieren – und dies dank dem sogenannten Aufstiegs-BAföG mit deutlich verbesserter finanzieller Unterstützung. So werden bei einigen Kursen unter anderem die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren mit 40 Prozent bezuschusst.