Wohnkosten

Junge Leute müssen mehr Geld fürs Wohnen ausgeben

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Di, 23. Oktober 2018 um 17:15 Uhr

Wirtschaft

Wer über die Ungleichheit von Einkommen spricht, schaut auf die Einnahmenseite. Gemeint ist in aller Regel, dass die Ungleichheit wächst, weil Einkommen unterschiedlich schnell wachsen.

Tatsächlich sind die höheren Einkommen in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ordentlich gewachsen, die Durchschnittseinkommen haben lange Jahre stagniert und die niedrigen Einkommen sind häufig zurückgegangen. Diese Entwicklung ist in den vergangenen Jahren zum Stillstand gekommen.

Die Studie des früheren Freiburger Wirtschaftsprofessors Bernd Fitzenberger, der jetzt an der Berliner Humboldt-Universität lehrt, und seiner Kollegen zu den Mieten lenkt den Blick auf die Ausgabenseite. Gutverdiener mögen zwar teurer wohnen, weil sie größere Wohnungen haben und in besseren Bezirken leben. Als Anteil am Einkommen sind die Ausgaben fürs Wohnen bei Gutverdienern aber im Durchschnitt niedriger als bei Geringverdienern.

Das zeigt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), für die das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre viele Bundesbürger befragt. Auf ihr basiert die Untersuchung "Ausgaben fürs Wohnen und Einkommensungleichheit" von Fitzenberger und Kollegen.

Ein Befund daraus: Junge Leute, die am Anfang ihres Berufslebens stehen und durchweg wenig verdienen, müssen der EVS zufolge heute mehr fürs Wohnen ausgeben als diejenigen, die vor 20 Jahren jung waren. Sie können deswegen auch wenig bis gar nicht sparen und werden sich in Zukunft schwerer tun als frühere Generationen, Vermögen zu bilden.

Wer kein Eigenkapital hat, bekommt in Deutschland nur schwer einen Hypothekenkredit, um Wohneigentum zu erwerben. Wohnung oder Eigenheim sind aber die wichtigste Form der Vermögensbildung und der Altersvorsorge hierzulande. In Deutschland ist die Wohnungseigentümerquote mit 45 Prozent der Haushalte niedrig.