Kleinere Banken sind benachteiligt

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 16. September 2018

Wirtschaft

Der Sonntag 10 Jahre Finanzkrise (2): Die Sicht der Regionalbank.

Die regulatorischen Maßnahmen nach der Finanzkrise sind grundsätzlich richtig und berechtigt. Dennoch sollte stärker nach größeren und kleineren Banken unterschieden werden. Die Auslegung ist für alle Banken ähnlich und so nicht immer sinnvoll. In den USA hat man nach der Finanzkrise gerade die regionalen Banken bewusst differenziert behandelt.

Die Anforderungen der Regulierungsrichtlinie Basel III bestehen im Wesentlichen aus drei Elementen: Eigenkapital und Risikoerfassung, Risikomanagement sowie Transparenz. Dabei stellen die höheren Eigenkapitalanforderungen die deutlichste Veränderung dar. Nur wenn genügend Eigenkapital vorgehalten wird, können wir als Volksbank Kredite in der Region vergeben. Zusätzlich werden Teile des bisherigen Eigenkapitals, das sogenannte Ergänzungskapital, nicht mehr als Eigenkapital anerkannt. So ist ein positives Betriebsergebnis für uns enorm wichtig, um weiteres Eigenkapital zu bilden, damit wir weiterhin ein verlässlicher Partner für unsere Kunden bleiben.

Des Weiteren ergibt sich durch strikteres Risikomanagement und die Ausweitung der Transparenz ein erheblicher Mehraufwand für Offenlegungs- und Meldeerfordernisse. Dabei gelten für alle Banken dieselben Regeln, egal ob Groß- oder Regionalbank. Wir sehen dabei die gestiegenen Eigenkapitalanforderungen grundsätzlich als positiv für die Stabilität des Bankenmarktes. Doch gerade Regionalbanken wie Sparkassen und Volksbanken werden dadurch benachteiligt, da hier das Verhältnis nicht mehr stimmt.

Noch heute kämpfen viele Großbanken mit Altlasten aus der Finanzkrise. Die dezentral organisierte genossenschaftliche Finanzgruppe konnte dagegen ohne Inanspruchnahme staatlicher Hilfen mit einer selbst gestemmten Kapitalerhöhung zügig auf ein nachhaltiges Wachstum umschalten.

Dennoch gibt es auch einige regulatorische Vorschriften, die bei Regionalbanken nur begrenzt sinnvoll sind. Dazu gehören beispielsweise die FinRep-Meldungen und die Kreditdatenstatistik AnaCredit, die beide die Meldekomplexität noch einmal deutlich erhöhen.

Generell sind in unserer Bank mehrere Mitarbeiter an verschiedensten Stellen mit der Regulatorik beschäftigt. Berücksichtigen wir noch die Vorschriften, welche unsere Geschäftsaktivitäten einschränken, zum Beispiel die Fristentransformation oder die Vorschriften zur Liquiditätshaltung, so geht das in die Millionen.
Uwe Barth ist Vorstandssprecher der Volksbank Freiburg