Kommunale Diesel werden nachgerüstet

Roland Pichler

Von Roland Pichler

Fr, 24. August 2018

Wirtschaft

Verkehrsminister Scheuer verkündet Förderung durch Bund / Bei Privat-Pkw bleibt Skepsis hoch.

BERLIN. Die Bundesregierung hat Bedenken gegen eine Hardware-Nachrüstung von älteren Dieselfahrzeugen. Offiziell will die Regierung zwar erst Ende September entscheiden, ob an älteren Dieselfahrzeugen Umbauten am Motor vorgenommen werden sollen. Dies hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt. In der Regierung sind aber die Zweifel gewachsen.

Die Arbeitsgruppe, die eine technische Nachrüstung prüfen soll, setzt die Kosten für die technische Nachrüstung höher an als bisher angenommen. Der Bericht mit Stand 20. August liegt der Badischen Zeitung vor. Während Gutachter die Kosten für die Nachrüstung zunächst mit 1000 bis 3000 Euro pro Fahrzeug bezifferten, sieht die Arbeitsgruppe diese am oberen Rand der Schätzungen. Mit Verweis auf ein Gutachten sei dem Papier zufolge inklusive Einbau mit Gesamtkosten von mehr als 5000 Euro pro Auto auszugehen.

Die Skepsis der Regierung zeigt sich auch darin, dass in den Bericht die Ergebnisse einer aktuellen Studie aufgenommen werden, die Katalysatoren als unwirtschaftlich bezeichnet. Es wird in dieser Untersuchung darauf hingewiesen, dass Dieselfahrer bei einer Hardware-Nachrüstung mit Qualitätseinbußen und einem höheren Kraftstoffverbrauch rechnen müssten. Bis die Katalysatoren entwickelt, zugelassen und verbaut würden, vergingen im Idealfall 1,5 Jahre. Realistisch seien der Studie zufolge drei bis vier Jahre. In der regierungsinternen Arbeitsgruppe, der auch Vertreter von Ländern und Verbänden angehören, gehen die Meinungen auseinander. Im aktuellen Entwurf finden sich viele Sondervoten. Ob überhaupt noch ein Abschlussbericht zustande kommt, ist offen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) machte erneut deutlich, dass er gegen eine Hardware-Nachrüstung ist. Er kündigte am Donnerstag ein neues Förderprogramm für kommunale Fahrzeuge an. Der Bund werde die Hardware-Nachrüstung für kommunale Fahrzeuge wie Busse, Müllwagen, Krankenwagen und Feuerwehrautos ausweiten. Laut Scheuer könnten 20 000 kommunale Fahrzeuge in stark belasteten Städten nachgerüstet werden. "Diese Maßnahme ist deutlich wirkungsvoller als eine Nachrüstung von Millionen alter Diesel-Pkw, die nur ab und zu in die Stadt fahren", so der Bundesverkehrsminister.

Das SPD-geführte Bundesumweltministerium pocht dagegen auf die Hardware-Nachrüstung. Der Grünen-Verkehrspolitiker Oliver Krischer sieht dazu keine Alternative: "Nur so können Fahrverbote verhindert werden."