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09. Januar 2013 18:31 Uhr

Ehrenpräsident Walter-Eucken-Institut

Nobelpreisträger James M. Buchanan ist tot

Der Ehrenpräsident des Freiburger Walter-Eucken-Instituts ist tot: James M. Buchanan starb im Alter von 93 Jahren. Der Nobelpreisträger für Ökonomie gilt als Mitbegründer der neuen Politischen Ökonomie.

  1. James M. Buchanan 2003 an der Uni Freiburg Foto: Alex Eschbach

James Buchanan starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren. Der Amerikaner war Ehrenpräsident des Freiburger Walter-Eucken-Instituts. Den Nobelpreis erhielt der Professor, der lange an der George Mason Universität in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia lehrte, 1986.

Der Wirtschaftswissenschaftler gilt als Mitbegründer der Neuen Politischen Ökonomie. Ihre zentrale Annahme ist, dass Politiker und Bürokraten nicht zwingend bei ihren Entscheidungen das Allgemeinwohl im Auge haben, sondern vor allem aus Eigeninteresse handeln. Bürokraten arbeiten beispielsweise auf die Vergrößerung ihrer Zuständigkeiten hin, um so ihren Einfluss auszuweiten. Politiker haben vor allem ihre Wiederwahl vor Augen, weshalb sie versuchen, möglichst viel für ihren Wahlkreis herauszuschinden – auch wenn das nicht unbedingt der Allgemeinheit dient. Den Ansatz nannte der Wirtschaftswissenschaftler "Politik ohne Romantik."

Im Gespräch mit der Badischen Zeitung hatte Buchanan 2003 erklärt, warum Steuerschlupflöcher, Steuerausnahmen und eine enorme Komplexität die Steuersysteme westlicher Demokratien kennzeichnen. "Politiker haben einen Anreiz, einfache und gerechte Steuersysteme zu unterhöhlen. Sie wollen wiedergewählt werden. Als ziemlich nützliches Instrument haben sich dabei Steuergeschenke für einzelne Wählergruppen erwiesen. Das ist das natürliche Ergebnis des politischen Prozesses in einer Demokratie."

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"Das Walter-Eucken-Institut verliert seinen Ehrenpräsidenten und Mentor" Lars Feld
Buchanan gewann damals dem Zwang zum Konsens in der Bundesrepublik Positives ab. Zwingt das politische System die großen Parteien zur Zusammenarbeit und zur Übereinstimmung, sind kurzfristige und zugleich dramatische Richtungswechsel ausgeschlossen. Dies erhöhe die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen. Allerdings auf Kosten einer raschen Umsetzung politischer Konzepte.

Seine Verbindung zum Freiburger Walter-Eucken-Institut beruht unter anderem darauf, dass sowohl Walter Eucken (gedanklicher Begründer der Sozialen Marktwirtschaft, 1891-1950) als auch der Freiburger Nobelpreisträger für Ökonomie, Friedrich August von Hayek (1899-1992), stets die Bedeutung der Regeln für das menschliche Zusammenleben hervorhoben. Letztlich entscheide die Wahl der Regeln darüber, wie sich Politiker, Konsumenten und Produzenten verhielten. Mit dem ehemaligen Leiter des Walter-Eucken-Instituts, Viktor Vanberg, verband den Nobelpreisträger ein freundschaftliches Verhältnis.

Lars Feld, Wirtschaftsweiser und jetziger Leiter des Instituts, sagte: "Durch seine konsequente Anwendung des ökonomischen Verhaltensmodells auf die Politik trug Buchanan zur wesentlichen Weiterentwicklung der Wirtschaftswissenschaften bei. Seine Verfassungsökonomik stellt die Bedeutung des Ordnungsrahmens für die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt. Sie ist die angelsächsische Weiterentwicklung der Ordnungsökonomik. Das Walter-Eucken-Institut ist ihm sehr verbunden gewesen und verliert seinen Ehrenpräsidenten und Mentor."

Autor: Bernd Kramer