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01. Juli 2014 00:00 Uhr

Berlin

Regierung fördert nachwachsende Rohstoffe

Die Bundesregierung unterstützt die Industrie mit 2,4 Milliarden Euro dabei, ihre Produktion auf nachwachsende Rohstoffe umzustellen. Bislang beruhte die Wirtschaft vor allem auf Erdöl.

  1. Stroh zu Gold – ob das klappt? Foto: Gollrad

Die Zukunft kommt auf Rädern. Die Firma Continental nutzt für die Herstellung von Reifen eine Sorte Löwenzahn, den Biologen in Russland entdeckt haben. Eine Pflanze liefert zwar nur rund einen Milliliter Milchsaft, der zu Gummi verarbeitet wird. Aber im Jahr sind mehrere Ernten möglich. Vor allem aber wollen Forscher des Fraunhofer Instituts in Münster ihn so züchten, dass die Ausbeute größer wird.

Dass das klappen wird, davon ist Joachim von Braun überzeugt. Er ist Vorsitzender des Bioökonomierates. Dieses Gremium wurde noch von der schwarz-gelben Regierung ins Leben gerufen, zusammen mit der nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030. Für insgesamt sechs Jahre sind 2,4 Milliarden Euro eingeplant, damit sich die Industrie Alternativen zum Erdöl suchen kann. Drei Jahren sind mittlerweile um.

Laut Braun geht es zu wie bei Rumpelstilzchen, dem Märchen der Brüder Grimm. "Wir spinnen aus Stroh Gold, da sind wir schon ganz nah dran." Die Forscher gewännen Fasern aus Stroh, die etwa Stahlseile für Aufzüge ersetzen könnten. Da sie leichter seien, hätten sie sogar bessere Eigenschaften. Experimentiert werde auch mit Kunststoffen und Kleidern, mit Kosmetika und Reinigungsmitteln.

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Noch sind aber die wenigsten Produkte auf dem Markt, die Bioökonomie ist vor allem ein Testfeld.

Bioökonomie biete Chancen

"Sie bietet riesenhafte wirtschaftliche Chancen", sagt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, aus deren Etat das Geld kommt. Deutschland erhalte damit seine Innovationskraft. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt freut sich: "Die potenziellen Rohstofflieferanten stehen bereit" – die Bauern. Aus seiner Sicht gibt es keine Konkurrenz zwischen Lebensmittelproduktion und Nutzung der Ackerflächen für die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe.

Diese Euphorie teilen allerdings nicht alle. Anita Krätzer hat vor Kurzem das Buch "Irrweg Bioökonomie" veröffentlicht. Sie meint, da arbeite ein "Bündnis aus Biotechnologie-, Pharma-, Chemie-, Nahrungsmittel- und Agrarunternehmen an der kommerziellen Inbesitznahme alles Lebendigen." Sie macht das zum Beispiel an Leon Broers aus dem Vorstand der deutschen KWS Saat AG fest. Das Unternehmen macht sich auch für Grüne Gentechnik stark. Broers sitzt im Bioökonomierat. Den Vorsitzenden Braun stört das nicht. Er ist nicht grundsätzlich gegen grüne Gentechnik, meint aber: "Die Bioökonomie ist nicht abhängig von ihr." Sie stecke bisher in keinem der Produkte. In der zweiten Halbzeit soll nun daran gearbeitet werden, dass die neuartigen Biowaren auch in den Handel kommen.

Autor: Hanna Gersmann