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16. Juni 2012

Wunsch, Wirklichkeit, Werbung?

Der Sportartikelhersteller Puma präsentiert sich als betont umweltbewusstes und soziales Unternehmen.

  1. Puma lässt auch in Bangladesch produzieren. Foto: Verwendung weltweit, usage worldwide

Man kann Schuhe auch aus Müll herstellen: Mit dieser Ansage geht die Sportartikelfirma Puma seit kurzem ins Rennen um umweltbewusste Konsumenten. Das Schuhmodell "Re-Suede" besteht zum Teil aus recyceltem Polyester. Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß bei der Produktion sollen um 80 Prozent sinken. Hinzu kommen alle möglichen natürlichen Materialien, Reishülsen statt Gummi zum Beispiel. Dass man seine Treter aufessen kann, um sie rückstandslos zu entsorgen, verspricht das Unternehmen nicht. Noch nicht.

Mit sympathischer Großmäuligkeit erklärt Puma, dass man das "begehrteste und nachhaltigste Sportlifestyle-Unternehmen der Welt" sein wolle. Diesem Ziel ist die Firma im bayerischen Örtchen Herzogenaurach – dort sitzt auch der größere Konkurrent Adidas – wieder etwas näher gekommen. Die britische Beratungsfirma Eiris hat Puma vor Adidas auf Platz eins der "globalen Nachhaltigkeitsführer" gesetzt. Begründung: Der Sportartikelhersteller kümmere sich ganz besonders um Umweltschutz und vernünftige Arbeitsbedingungen bei seinen Lieferanten in Entwicklungsländern. Solche Ansagen lassen aufhorchen – besonders vor medialen Großereignissen wie der Fußball-EM oder dem UN-Umweltgipfel "Rio +20", der am 20. Juni in Brasilien beginnt. Dann richtet sich das öffentlichen Interesses auch auf die beteiligten Konzerne: Sie müssen erklären, ob sie wirklich sozial und ökologisch handeln. Bei Zweifeln hagelt es Image-Minuspunkte.

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Im Test auf Glaubwürdigkeit kommt Puma erstmal gut weg. In mancher Hinsicht sind die Leute mit dem Panther-Logo Vorreiter: Vor kurzem erstellen sie eine detaillierte Kostenliste der eigenen Ökosauereien. "Rund 145 Millionen Euro müsste Puma eigentlich an die Natur bezahlen, um Schäden auszugleichen. Dafür gibt es aber kein internationales Verfahren", sagt Puma-Nachhaltigkeitsexperte Reiner Hengstmann. Die Summe von 145 Millionen umfasst Beeinträchtigungen durch den Ausstoß tausender Tonnen klimaschädlichen Kohlendioxids und den Wasserverbrauch in Pumas Produktionsstätten auf der ganzen Welt.

Die Firma müsste solche Zahlen nicht veröffentlichen. Sie tut es trotzdem, auch im Vorgriff auf eventuelle künftige Weltumweltgesetze. Davon gibt es bisher kaum welche. Sollten sie aber doch kommen, will man darauf vorbereitet sein. So ist die firmeneigene Umweltpolitik nicht nur Image- und Markenpflege, sondern auch betriebswirtschaftliche Risikovorsorge – dass Puma schwört, seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ist da schon fast eine Selbstverständlichkeit.

Schwieriger als das Umweltthema ist für Puma und viele andere weltweit agierende Konzerne die soziale Frage. Hier bekommen sie immer wieder Vorwürfe zu hören, die sie oft nicht ausräumen können. Auch darum geht es bei der UN-Konferenz in Rio. "Grüne Wirtschaft" wird mittlerweile definiert als eine Kombination aus Umweltschutz und Armutsbekämpfung.

Wie geht Puma mit den Arbeiterinnen und Arbeitern um, die in Hunderten von Zulieferfabriken in aller Welt für das Unternehmen nähen und kleben – unter anderem in China, Vietnam, Bangladesch und El Salvador? Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR) formuliert harte Vorwürfe: "Puma lässt zu Hungerlöhnen produzieren. In der Regel reicht das Geld nicht, um die Grundbedürfnisse der Arbeiterfamilien zu erfüllen." Gerade hat ein britischer CIR-Partner eine Studie veröffentlicht, die die vermeintlich fragwürdigen Arbeitsbedingungen in Bangladesch dokumentiert. Pflaums Schlussfolgerung: "Puma handelt unethisch."

Puma-Mitarbeiter Reiner Hengstmann widerspricht: "Arbeiterinnen in Zulieferfirmen von Puma in China, Vietnam oder Bangladesch verdienen zum Teil mehr als den staatlich festgesetzten Mindestlohn. In Bangladesch liegen die Verdienste nicht selten beim Doppelten."

Nicht genug, hält CIR-Mann Pflaum dagegen. Um den Beschäftigen zu ermöglichen, das Nötigste zu bezahlen, ein paar Ersparnisse zu bilden und die Kinder zur Schule zu schicken, solle Puma einen so genanntes "living wage" einführen, einen menschenwürdigen Basislohn. Vor diesem Zugeständnis drückt sich Puma – wie die meisten Firmen.

DAS UNTERNEHMEN

Der Sportartikelhersteller Puma hat 2011 einen Umsatz von drei
Milliarden Euro
erwirtschaftet, nach Steuern blieben 230 Millionen Euro Gewinn. Die Firma, die zum französischen Konzern Pinault-Printemps-Redoute gehört, beschäftigt knapp 11 000 eigene Mitarbeiter, Zulieferfirmen nicht mitgezählt. Zum Vergleich: Konkurrent Adidas ist nach Umsatz und Mitarbeiterzahl gut vier mal so groß. Bei der Fußball-EM rüstet Puma die Mannschaften von Italien und Tschechien aus, Mario Gomez und Marco Reus spielen in Puma-Schuhen für Deutschland.  

Autor: hko

Autor: Hannes Koch