2,368 Millionen

Zahl der Arbeitslosen erreicht neues Rekordtief

Günther M. Wiedemann und dpa

Von Günther M. Wiedemann & dpa

Fr, 01. Dezember 2017

Wirtschaft

Zahl der Arbeitslosen erreicht mit 2,368 Millionen neues Rekord-Tief / Arbeitsmarktforscher sehen dennoch Handlungsbedarf.

FREIBURG. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist auf 2,368 Millionen gesunken. Das ist der niedrigste Wert in einem November seit dem Jahr 1991. So geht das nun schon seit Monaten: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt auf immer neue Rekord-Tiefstände. Doch Experten mahnen, dass jetzt die Weichen gestellt werden müssten, um für kommende Krisen gewappnet zu sein.

Im November gab es 20 000 weniger Arbeitslose als im Oktober. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl um 164 000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte. In Baden-Württemberg waren im November erstmals seit Längerem wieder weniger als 200 000 Männer und Frauen arbeitslos. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent nähert sich der Südwesten immer mehr der Vollbeschäftigung, die viele Ökonomen bei drei Prozent erreicht sehen. Bayern hat die Marke bereits geknackt. Bundesweit liegt die Arbeitslosenquote jetzt bei 5,3 Prozent.

Auch für nächstes Jahr erwarten die Fachleute der Arbeitsagentur sinkende Erwerbslosenzahlen und Höchststände bei der Beschäftigung. Deshalb gehört der Arbeitsmarkt sicherlich nicht zu den ganz großen Sorgenkindern deutscher Politik. Doch die Fachleute mahnen die Regierungen in Bund und Ländern: "Gerade jetzt müssen die Weichen gestellt werden, um zu weiteren Fortschritten zu gelangen und für kommende Krisen gewappnet zu sein." Bei den Arbeitsmarktstatistiken ist längst nicht alles Gold, was glänzt.

Knapp 2,4 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit – das sind zwar nur noch halb so viele wie zu Beginn des Jahrhunderts, trotzdem ist es keine gesellschaftspolitisch akzeptable Zahl. Sie drückt zudem noch nicht einmal das wahre Ausmaß der Erwerbslosigkeit aus. Wer genau wissen will, wie die Lage auf dem Arbeitsmarkt aussieht, muss sich die Daten zur Unterbeschäftigung anschauen, darauf hat BA-Vorstandsmitglied Valerie Holsboer kürzlich hingewiesen.

In der Statistik "Unterbeschäftigung" erfasst die Arbeitsverwaltung auch jene, die in einer Weiterbildung oder einem ähnlichen Angebot stecken oder die dem Arbeitsmarkt aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass fast eine Million Menschen mehr auf Jobsuche sind, als die offizielle Arbeitslosenzahl besagt. In Baden-Württemberg etwa waren im Oktober 288 000 Menschen unterbeschäftigt. Die Bundesagentur für Arbeit verschweigt dies nicht; in der öffentlichen Debatte kommt die Unterbeschäftigung aber kaum vor. Immerhin sinkt hier ebenfalls die Zahl der Betroffenen: "Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen ab, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter kräftig an", sagte Holsboer bei der Vorstellung der November-Zahlen in Nürnberg. Doch noch immer gibt es in Deutschland 862 000 Langzeitarbeitslose.

Sie profitieren so gut wie überhaupt nicht von der Erfolgsstory auf dem Arbeitsmarkt. In dem Bereich müssen, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, bessere Vermittlungserfolge erzielt werden. Das geht dann, wenn die Betreuer in den Jobcentern für weniger Kunden zuständig sind. Neben mehr Personal braucht es zusätzliches Geld für Fortbildungsprogramme. BA-Chef Detlef Scheele beklagt jedoch eine chronische Unterfinanzierung der Job-Center.

Fitnesskonzept für den Arbeitsmarkt

Für jene, die dann auf dem regulären, ersten Arbeitsmarkt immer noch fast keine Chancen haben, will die Arbeitsagentur einen zweiten, sozialen Arbeitsmarkt schaffen. Gedacht wird an bis zu 200 000 Plätze. In der Union gibt es jedoch noch Bedenken. Ein solches Reparaturprogramm zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit muss nach IAB-Ansicht ergänzt werden mit einem Fitnesskonzept für den Arbeitsmarkt. Die neue Regierung müsse den Arbeitsmarkt für die digitale Revolution rüsten, was das Thema Weiterbildung für Arbeitnehmer immer wichtiger werden lässt. Egal, ob sie ihren Job behalten wollen oder sich auf eine neue Stelle einlassen. Lebensbegleitende Berufsberatung durch die Arbeitsagenturen könnte dazu ein wichtiger Schlüssel sein. Erste Modellversuche hierzu laufen bereits.