Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Mai 2015

Dank für die gute Aufnahme

Neubürgerfest in Neuenburg wird auch durch großzügige Spenden zu einer schönen Veranstaltung.

  1. Das Gruppenfoto vom Neubürgerfest entstand beim Aufbau mit dem THW. Foto: andrea kühne

NEUENBURG AM RHEIN. Mehr als 200 Besucher kamen und informierten sich beim Neubürgerfest über die aktuelle Lage in der Gemeinschaftsunterkunft in Neuenburg. Geladen hatten die Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Lenkungskreis Flüchtlinge zum Anlass des einjährigen Bestehens der Unterkunft. Dem Kennenlernen und Austausch bei Kaffee, Kuchen und exotischen Gerichten kam dabei eine wichtige Bedeutung zu.

Dem Neubürgerfest in Neuenburg am Rhein konnte auch das Wetter nichts anhaben. Trotz des zum Teil starken Regens war das Interesse an der Veranstaltung am Sonntag sehr groß. Im Laufe des Nachmittags kamen über 200 Menschen in die Gemeinschaftsunterkunft in der Robert-Koch-Straße, um sich die Häuser anzusehen, sich zu informieren und bei Kuchen sowie eritreischen, syrischen und gambischen Gerichten neue Bekanntschaften zu schließen und alte zu vertiefen.

Zunächst zog Oliver Eichling im Namen des Lenkungskreises Flüchtlinge eine überwiegend positive Bilanz der nun einjährigen Geschichte der Flüchtlingsaufnahme in Neuenburg am Rhein. Der Zustand der Gemeinschaftsunterkunft sei im Vergleich zu vielen Aufnahmestellen im Landkreis und in Deutschland sehr gut. Etliche Zugewanderte konnten zur Anschlussunterbringung schon in Wohnungen und zum Teil auch in Arbeit vermittelt werden. Und das Leben geht weiter, so Eichling – vier neue Erdenbürger erblickten das Licht der Welt. Oliver Eichling informierte auch über die katastrophale und gefährliche politische Lage in den Herkunftsländern Eritrea, Gambia und Syrien, aus denen die meisten der Neuenburger Flüchtlinge kommen.

Werbung


Im Anschluss daran erzählte Gebrehiwet Mogos Mulugeta von seinen sehr persönlichen Erfahrungen und Gefühlen bei der Flucht aus seinem Heimatland Eritrea und der Aufnahme in Neuenburg – eine sehr spannende Lebensgeschichte. Mulugeta ist der Auffassung, dass Gott die Menschen an den für sie richtigen Platz gesetzt hat und er nun durch die politischen Verhältnisse in Eritrea an einem Ort ist, wo er eigentlich nicht hingehört. Er hofft als "Schnellaussiedler" bald wieder in sein Heimatland zurückkehren zu können, fühlt sich für die Übergangszeit aber in Neuenburg sehr wohl und hat sich ausdrücklich für die gute Aufnahme – besonders auch durch August Walz vom Lenkungskreis – bedankt.

Auch Bürgermeister Joachim Schuster und Pfarrer Dieter Maier sprachen kurz zum Thema. Bürgermeister Joachim Schuster dankte dem Lenkungskreis und überreichte eine Spende für den Start des in Gründung befindlichen Vereins "Sichtbar ankommen", der sich besonders auch um die Zuwanderer in Neuenburg kümmern möchte. Pfarrer Maier wies auf die Not der Flüchtlinge hin, die über das Mittelmeer kommen, und sprach mit den Anwesenden für sie ein "Vater unser".

Nach dem mehr informativen Teil der Veranstaltung wurde es dann kreativ. Susanne Henneberger vom "Werkraum: Karlsruhe" hatte mit zwei jugendlichen Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft ein Theaterstück eingeübt, das zeigte, wie schwierig es ist, in ein Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht. Kurze Szenen aus ihrem Schulalltag hätten auch von deutschen Jugendlichen sein können: "Frau Huber, ich habe meine Hausaufgaben vergessen." Die Lehrerin war ebenfalls zum Fest gekommen und sichtlich stolz auf ihre Schüler. Zum Ausklang gab es dann noch Trommel- und Gesangseinlagen von afrikanischen Bewohnern der Unterkunft.

Bei den Vorbereitungen war die Stadt Neuenburg am Rhein mit Rainer Erhardt (Soziale Aufgaben) und Barbara Vallois (Kultur, Bildung, Familie), das Technische Hilfswerk – Ortsverband Müllheim – mit seinem Team um Patrick Winterhalter und der Lenkungskreis Flüchtlinge sehr aktiv. Zahlreiche Spenden und großzügige Gaben der Besucher während des Festes trugen sehr zum guten Gelingen bei. Die Bewohner der Unterkunft und der Lenkungskreis Flüchtlinge – August Walz, Oliver Eichling, Jutta Waidele, Stefanie Jägle, Josef Merkle und Andrea Kühne – hoffen für die Aufgaben auf helfende Hände und Mitglieder für den Verein "Sichtbar ankommen".

Autor: Andrea Kühne