Für jedes Talent eine passende Rolle

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mo, 24. Juli 2017

Neuenburg

Zirkusprojekt an der Mathias-von-Neuenburg-Werkrealschule präsentiert sich der Öffentlichkeit.

NEUENBURG AM RHEIN. Einmal im Leben durch das Tor mit dem roten Vorhang in die Manege treten und umjubelt von Beifall Kunststücke zeigen, die das Publikum in Atmen halten: Dieser Traum wurde wahr für rund 100 Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis acht der Mathias-von-Neuenburg-Werkrealschule. Eine ganze Woche lang hatten sie unter Anleitung von Mitgliedern des Müllheimer Kinder- und Jugendzirkus Ragazzi mit Zirkusdirektor Robert Eisele ein zweistündiges Programm erarbeitet, das zum Abschluss in der zur Zirkusarena umfunktionierten Sporthalle vorgeführt wurde.

Schulleiter Thomas Vielhauer stand der Stolz ins Gesicht geschrieben, als er das stattliche Publikum aus Lehrkräften, Eltern und Geschwistern der Artisten begrüßte. Auch einige der Zehntklässler, die ihren Abschluss schon in der Tasche haben, waren gekommen, um zu sehen, was ihre jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler in der Projektwoche auf die Beine gestellt haben.

"Die Kinder holen sich dabei unglaublich viel Bestätigung", meinte Markus Sauter, der Vorsitzende des Fördervereins der Werkrealschule, der das Zirkusprojekt zusammen mit dem Kiwanis- und dem Lionsclub und der Sparkasse Markgräflerland finanziell unterstützt hat. Denn ein solches Vorhaben übersteigt das Budget der Schule bei weitem. "Es gab Aufs und Abs", fasste Eisele die Erfahrungen des Trainings zusammen. Nicht jeder ist zum Zirkusartisten geboren. Bei der Vorstellung konnte man dann aber sehen, dass sich doch für jedes Talent eine ihm passende Rolle finden ließ.

"Zirkus Nepomuk macht Ferien" hieß das Programm, und es ging gleich zum Auftakt mit Tempo und Pep und zur Sache. Eine tolle Choreografie mit bunten Tüchern eröffnete die Show. Und was hatten die angehenden Zirkusartisten nicht alles auf Lager: Jonglieren, wenn man auf dem Boden liegt, Ringe und Bälle wie von Zauberhand in Figuren hin und herfliegen lassen, waghalsige Sprünge auf dem Trampolin, Balancieren und sogar eine Feuerzauber-Nummer.

In keinem Zirkus darf natürlich der Clown fehlen. Beim Zirkus Nepomuk kam er angewatschelt mit einer knallgelben Tütenmütze, roter Knollennase und einem Regenschirm mit tausend Löchern. Was für eine Gaudi, als er unvermutet aus einer kleinen grünen Gießkanne von oben "bewässert" wurde. Sogar die Musik war still in dem Moment als der Clown beim ersten Tropfen einen markerschütternden Schreckensschrei fahren ließ. Riesengaudi! Atemloses Staunen bei den Zuschauern, als die Fahrrad-Artisten ihre waghalsigen Runden drehten, lange Strecken auf dem Hinterrad, mit temperamentvollen Sprüngen über Hindernisse hinweg, am Schluss sogar über eine brennende Stange! Einige Mädchen zeigten eine profimäßige Strapatennummer mit schönen Figuren, denen man die Anstrengung in keiner Weise ansah. Eine kleine Gruppe Jungen hatte sich auf das Jonglieren mit Diabolos verlegt, eine Kunst, die vor 3000 Jahren in China erfunden wurde, wie Zirkusdirektor Eisele berichtete. Wie von Zauberhand flogen die wie eine Eieruhr geformten Dinger durch die Luft, scheinbar jedem physikalischen Gesetz trotzend. Meistens, jedenfalls. Zum Finale bildeten alle Artisten eine einzige große Pyramide als "Neuenburger Weltrekord", die aber nur wenige Sekunden hielt. Balance ist eben gar nicht so einfach. Riesenbeifall für die Akteure, aber auch für die, die für echtes Zirkusflair gesorgt hatten mit selbst gemalten Eintrittskarten, phantasievollen Kulissen und jeder Menge Körpereinsatz beim Auf-und Abbauen.