Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. November 2015

Improvisation mit und zur Musik

Beim Konzert "Grenzgänger & Friends" gibt es Jazz und Tanz im Wechselspiel.

  1. Jazz und Tanz ergänzen sich bei der Performance. Foto: Erik Stahlhacke

NEUENBURG AM RHEIN. Jazz gepaart mit Improvisationstanz? Klingt gewagt – doch Grenzen haben Rolf Schwoerer-Böhning noch nie abgeschreckt. Vielmehr hat der in der Region bekannte Pianist sie einfach überschritten. So auch bei den beiden von der Musikschule Markgräflerland organisierten Konzerten "Grenzgänger & Friends" am vergangen Wochenende im Stadthaus in Neuenburg. Zusammen mit befreundeten Musikern und vier Ausdruckstänzerinnen gelang der Spagat zwischen den Kunstformen.

Zu Beginn drückte Schwoerer-Böhning seine Betroffenheit über die Terrorserie in Paris aus. Als Künstler und Musiker seien er und seine Band besonders schockiert, sagte er mit Blick auf den Anschlag in einem Pariser Konzertsaal. Lange habe er sich mit seinen Kollegen beraten, ob man die beiden Konzerte überhaupt spielen solle. Man sei sich einig geworden: "Jetzt erst recht! Wir wollen uns nicht abschrecken lassen und auch nicht daran vorbeigehen", sagte er und trug anschließend ein Gedicht mit dem Titel "Die Freiheit ist nicht aufzuhalten" vor. Dann holte er seine Jazz-Band auf die Bühne, die sich aus namhaften Musikern zusammensetzt: Wolfgang Minarik (bekannt aus dem Dolce-Vita-Jazzclub) am Schlagzeug, Martin Fangmeier (spielt bei der Band "Decade") am Saxophon und der Bassist Francis Fellinger aus Colmar.

Werbung


Auch beim Improvisieren große stilistische Vielfalt

Die Konzerte der Gruppe sind bekannt für ihre interaktive Gestaltung. Zum Beispiel dürfen die Zuschauer bei "Gimme five" fünf verschiedene Töne zurufen, mit denen dann improvisiert wird. Das "b" wollte auf den ersten Blick nicht so recht passen, die Band wusste trotzdem einiges damit anzufangen. Zu hören gab es neben Klassikern wie Herbie Hancocks eingängem Jazzstandard "Cantalouple Island" auch das stimmungsvolle "Autumn Leaves", das auf einem französischen Chanson basiert, sowie spanische Dreiviertel-Rhythmen. Was die stilistische Vielfalt anging, blieben keine Wünsche offen. Immer wieder streuten die Musiker packende Soli ein und zeigten, dass sie technisch ganz weit oben mitspielen. So kitzelte nicht nur Saxophonist Martin Fangmeier ungeahnte Klangsphären aus seinem Instrument. Zu den meisten Stücken und Improvisationen der Band wurde zudem getanzt. Was die zahlreich erschienen Zuschauer von der Sulzburger Gruppe TanzImproNow geboten bekamen, mag man sich ohne Musik eigentlich nicht vorstellen: Vier Frauenkörper bewegen sich offenbar ohne Choreographie auf der Bühne, schwingen die Arme durch die Luft, vereinen sich zu einem Knäul und fliegen wieder auseinander. Die Bewegungen entstehen mit der Musik und aus der Musik heraus. Jede Bewegung ist Abbild der Gefühlswelt der Tänzerinnen Jutta Subramani, Ariane Köhler-Grabosch, Dorothee Schmitt-Grüner und Birgit Grabosch. Jedoch ist nicht alles ungeplant, wie Subramani den Zuschauern erklärte: "Auch bei uns gibt es gewisse Regeln und wir trainieren unsere Werkzeuge, also den Körper." Beim Improtanz gehe es vor allem um Respekt vor den Entscheidungen der Anderen. Die Bewegungen der Tänzerinnen sind fließend, atmosphärisch und überraschend - einfach schön anzuschauen. Sogar akrobatisch anmutende Pirouetten und Radschläge präsentierten die drei Damen. Sie und die Band warfen sich gegenseitig die Bälle zu und erschufen dabei eine neue Kunstform: Impro-Jazz-Dance?

Wie auch immer – den Zuschauern hatte diese Art der "Grenzerfahrung" gefallen: Mit Jubelrufen und langanhaltendem Applaus brachten sie ihre Begeisterung zum Ausdruck.

Autor: Erik Stahlhacke