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14. Oktober 2011

Für ein Geothermiekraftwerk ist in Neuenburg ein Areal gesichert

Für ein Geothermiekraftwerk ist in Neuenburg ein Areal gesichert – nur kommt das Projekt nicht voran.

  1. Verschlossen: Bohrloch in Basel Foto: Drescher/Renk/Geopower

Die Tiefengeothermie tut sich schwer, in Deutschland Fuß zu fassen – trotz der inzwischen eingeläuteten Energiewende. Selbst bei guten geologischen Bedingungen, wie sie offenbar in Neuenburg herrschen, geht es nicht voran. Ob dies allein mit den Basler Geothermie-Beben oder den Hebungen in Staufen zu tun hat, ist schwer zu sagen. Scheint es doch, als ob sich auch die Entscheidungsprozesse bei dieser Energiegewinnung noch nicht eingespielt haben – wohl auch mangels Erfahrung mit solchen Projekten.

Bei der Stoltenberg Energie GmbH, die in Schleswig-Holstein ihren Sitz hat, ist Seniorchef Hermann Stoltenberg jedenfalls reichlich frustriert. Seit 2004 ist seine Firma dran, in Neuenburg westlich der Autobahn ein Geothermiekraftwerk zu bauen; im Flächennutzungsplan hat der Gemeinderat das Areal dafür gesichert. Mit dem dort erwarteten rund 135 Grad heißen Wasser aus 2600 bis 2800 Metern Tiefe könnten nach Angaben der Firma drei Megawatt Strom sowie etwa zwölf Megawatt Wärme zur Versorgung angrenzender Wohn- und Industriegebiete gewonnen werden. Rund eine Million Euro wurden bisher in die Vorarbeiten gesteckt. Und auf der Stoltenberg-Internetseite werden dem Vorhaben noch immer "hervorragende Erfolgsaussichten" attestiert. Tatsache aber ist, dass die Behörden der Firma die Aufsuchungserlaubnis mittlerweile entzogen haben, weil geforderte Gutachten fehlten.

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Bei Stoltenberg wird hingegen von einer Blockadehaltung des im Regierungspräsidium angesiedelten Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau gesprochen. Mittlerweile hat das Unternehmen Umweltminister Franz Untersteller um Unterstützung gebeten. Der hat in einem Schreiben vom 27. Juli geantwortet, dass er Stoltenberg für das langjährig Engagement in Sachen tiefer Geothermie in Baden-Württemberg danke. Laut Untersteller ist der Vorwurf der Untätigkeit von seinen Mitarbeitern geprüft worden – mit dem Ergebnis, dass das Vorgehen der Landesbergbaudirektion im Einklang mit den Regelungen des Bundesberggesetzes stehe "und die praktizierten einzelnen Schritte im Genehmigungsverfahren von der Geothermiebranche wie auch von der Fachwelt und anderen Ländern anerkannt werden".

"Einer der Bausteine zur

beschlossenen Energiewende"

Der Minister versichert, "dass es sowohl ein besonderes Anliegen meines Hauses aber auch des Regierungspräsidiums Freiburg ist, die tiefe Geothermie als regenerative Energiequelle und damit als einen der Bausteine zur Bewältigung der beschlossenen Energiewende weiter voranzubringen". Im Sinne der Weiterentwicklung der Geothermie bittet der Minister, "sich mit den Forderungen unserer Genehmigungsbehörde nochmals konstruktiv auseinanderzusetzen".

Dabei geht es vor allem um die 3D-Seismik, einer Art von Ultraschalluntersuchung. Mit Hilfe von Rüttelgeräten wird dabei der Untergrund erforscht. Schließlich sollte schon vor der ersten Bohrung feststehen, ob der Boden geeignet, das Risiko nicht zu groß und in der Tiefe tatsächlich heißes Wasser zu finden ist. Bevor die Stoltenberg GmbH aber weiteres Geld investiert, wüsste sie gerne, ob ihr das überhaupt weiter hilft. Nach Angaben des Seniorchefs würde das Gutachten die Vorabinvestitionen auf 1,5 Millionen Euro erhöhen. Gleichzeitig gibt es offenbar noch kein Prüfverfahren, das als Grundlage für die Tiefengeothermie anerkannt ist. Weshalb den Stoltenbergs seitens der Landesbergbaudirektion schon 2010 zu einer "gewissen Zurückhaltung" geraten wurde.

Der Grund: Zwei für andere Geothermieprojekte in Baden-Württemberg erstellte Gutachten seien in Fachkreisen nicht unumstritten; "die Bewertung des Erdbebenrisikos bei Tiefbohrungen und dem Betrieb von Erdwärmekraftwerken ist ein schwieriges und vor allem bisher wenig behandeltes Thema". Weiter heißt es, dass das Landesbergamt nicht in der Lage sei, "diese Gutachten umfassend und abschließend zu beurteilen", weshalb die Gutachten einer unabhängigen Stelle zur Beurteilung vorgelegt würden.

Hermann Stoltenberg ist zu dem Schluss gekommen, "dass es gar nicht erwünscht ist, was wir da machen". Zumal von seiner Firma ergänzend gefordert wurde, bei der seismischen Untersuchung auch die potenziellen Auswirkungen auf den nahen Atommeiler in Fessenheim zu berücksichtigen. Über Anfragen bei dessen Betreiberfirma EDF hat er dann zu seinem Ärger erfahren, dass dem Regierungspräsidium alle Unterlagen dazu vorlägen. Hermann Stoltenberg beklagt, noch immer nicht zu wissen, wie die Firma zu einem anerkannten Gutachten kommt: "Man dreht sich im Kreis."

Das mag ein Grund dafür sein, dass sich die südbadischen Energieversorger als potenzielle Investoren und Partner beziehungsweise als Strom- und Wärmeabnehmer zurückhalten. Ursprünglich angedacht war, dass Energiedienst den Strom abnimmt und Badenova die Wärme. Aber von beiden Unternehmen gab es keine Zusage. Energiedienst-Sprecher Alexander Lennemann sagt, dass sich sein Unternehmen von dem Projekt verabschiedet habe: Erstens habe man die geologischen Verhältnisse für nicht geeignet gehalten, zumal die vorliegenden Gutachten nicht ausreichten, um sicher zu sein, "das wir auf Wärme stoßen". Zweitens wäre die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben gewesen. Hinzu kommt, dass sich der Versorger schon mal finanziell an einem Geothermieprojekt beteiligt hat: Es war das nach Erdstößen eingestellte Projekt in Basel. Nach diesen Erfahrungen sei man nun zurückhaltend.

Die Badenova indes würde gerne eigene Geothermiekraftwerke bauen. Ursprünglich hatte sie sich um etliche Claims, also potenzielle Bohrareale, am Oberrhein beworben, wie Sprecher Roland Weis sagt. Dann aber hat sie sich auf Standorte in Neuried und Breisach beschränkt und Neuenburg abgetreten. Damit einher ging wohl ein mündliches Versprechen, die quasi als Abfallprodukt entstehende Wärme zu vertreiben. Diese Bereitschaft bestehe immer noch, sagt Weis. Momentan habe die Badenova aber andere Prioritäten: Das "große Informationsbedürfnis der Bevölkerung" nach den Ereignissen in Staufen. Als die Badenova bei Breisach an die auch von ihr geforderte seismische Erkundung gehen wollte, hat es Weis zufolge "Riesenproteste" aus den Nachbarorten gegeben. Daher setzt der Energieversorger erst mal auf Biogas und Wind und lässt das Geothermieprojekt "zwei Jahre ruhen". Für Weis steht fest: Wenn erst einmal ein Geothermiekraftwerk gebaut ist, wird es einen Run geben – "aber im Moment traut sich keiner". Denn schnell seien zehn Millionen Euro für eine Bohrung "in den Sand gesetzt" – wenn der Bohrer nicht die richtige Stelle trifft.

Ohne Partner geht aber in Neuenburg nichts voran. Wie Frank Lorho, Sprecher des Umweltministeriums sagt, verlangt das Bundesbergrecht nicht nur die 3D-Seismik, sondern auch einen Finanzierungsnachweis. Weil dieser nicht vorgelegt worden sei, sei im März eine Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis abgelehnt worden.

Autor: Andrea Drescher