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30. März 2017 19:16 Uhr

Neuried-Altenheim

Täter brechen in Leichenhalle ein und scheitern am Schloss einer Leichenkammer

Unbekannte sind in die Leichenhalle von Altenheim eingebrochen und haben versucht, eine Leichenkammer zu öffnen. Die Polizei spricht von einem "überraschend dilettantischen" Vorgehen.

  1. Einsegnungs- und Leichenhalle in Freiburg (Symbolbild) Foto: Thomas Kunz

Erst jetzt wurde bekannt, dass Unbekannte in der vergangenen Woche in die Leichenhalle von Altenheim eingebrochen waren und dort auch versucht haben, eine Leichenkammer zu öffnen. Über die Gründe der Tat wird nun gerätselt. Vergleichbare Fälle gab es in der Region noch nicht, aber einen Fall aus der Schlagersängerszene.

"Die Sache ist doch relativ skurril." Joshua Laske
Joshua Laske vom Hauptamt im Rathaus Neuried kann seine Verwunderung über den Vorfall in der Leichenhalle Altenheim nur schwer verbergen: "Die Sache ist doch relativ skurril", sagt er. Eine Reinigungskraft habe am vergangenen Samstag entdeckt, dass die Tür zum Putzraum eingetreten war. Die Unbekannten hatten im Sicherungskasten alle Sicherungen ausgeschaltet und am Schloss einer Leichenkammer herumgearbeitet. Mit dem Abdrehen der Sicherungen hatte auch die Kühlung der Leichenhalle und der Leichenkammern keinen Strom mehr.

"Zum Glück lagen keine Toten in der Leichenhalle", sagt Laske. Ein ähnlicher Vorfall ist ihm nicht bekannt. "Ich habe noch nie von einem Einbruch in eine Leichenhalle gehört, bei dem nichts gestohlen wird und die Täter auch noch versuchen, eine Leichenkammer zu öffnen. Da kann man über die Gründe vortrefflich spekulieren", so Laske.

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Polizei: Tat war "überraschend dilettantisch"

Ähnlich äußert sich die Polizei in Offenburg, die nun mit einem Zeugenaufruf um Hinweise in der Sache bittet. Die Tat, die zwischen Mittwoch, 22. März und Samstag, 25. März, vermutet wird, sei darüber hinaus überraschend dilettantisch ausgeführt, erklärt Polizeipressesprecher Wolfgang Kramer: "Die Leichenkammer war mit einem Schloss verriegelt. Das wurde auch beschädigt. Aber zum Öffnen hat offenbar das richtige Werkzeug gefehlt."

Wertgegenstände in Leichenhalle als Ziel?

Ob der oder die Täter auf Wertgegenstände in der Leichenhalle aus waren oder ob sie nur schauen wollten, ob jemand in einer der Leichenkammern liegt, bleibt unklar. "Es waren jedenfalls keine Spezialisten am Werk, soviel ist klar", sagt Kramer. Nun wird gegen Unbekannt ermittelt – wegen Einbruchsversuchs und wegen Störung der Totenruhe. Darauf stehen laut Paragraph 168 des Strafgesetzbuchs bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine empfindliche Geldstrafe. Zudem sei mit dem Eintreten der Tür zum Putzraum und dem Beschädigen des Leichenkammer-Schlosses ein Schaden von rund 400 Euro entstanden.

Fall aus der Schlagerszene im Jahr 1969 überliefert

Fälle von Einbrüchen in Leichenhallen gibt es im Bundesgebiet immer wieder. Meist sind die Täter dann auf Bargeld im Opferstock oder auf Wertgegenstände aus. Dass aber auch noch versucht wird, eine Leichenkammer aufzubrechen, ist die absolute Ausnahme.

Rund um den mysteriösen Tod der Schlagersängerin Doris "Alexandra" Nefedov ("Mein Freund der Baum") im Jahr 1969 in Schleswig-Holstein ist jedoch ein Detail überliefert. Demnach waren zu der Zeit zwei Jugendliche in die Leichenhalle eingebrochen, in der der Körper der Sängerin lag. Sie hätten die Tote noch ein letztes Mal sehen wollen, sagten sie später. Weil sie aber von der falschen Seite her in die Halle eingebrochen waren, und sie darauf der Mut verließ, waren sie gar nicht erst an die Leichenkammer gelangt.
Hinweise zur Sache erbittet der Polizeiposten Neuried, Tel. 07807/95799-0

Autor: Bastian Bernhardt