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15. Januar 2010 10:27 Uhr

Fussball-WM

Nur wenige Fans wollen die WM-Spiele in Südafrika sehen

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür, doch der Kartenvorverkauf für das Spektakel in Südafrika läuft mehr als schleppend. Erst rund 1000 Tickets hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bislang für die drei Vorrundenspiele der deutschen Elf absetzen können, schleppend ist das Interesse auch in anderen Ländern. Droht dem Kick-Event am Kap ein Fiasko?

  1. Null Bock auf die WM 2010? Foto: dpa

Reißender Absatz war erwartet worden, allein aus Deutschland hatte der Fußballweltverband (Fifa) noch vor der Auslosung der Gruppen 25.000 Kartenwünsche erhalten – viele davon freilich erst für die entscheidende Turnierphase vom Viertelfinale an. Die rund 21.000 dem DFB zur Verfügung stehenden Tickets für die drei Vorrundenspiele gegen Australien, Serbien und Ghana scheinen aber zum Ladenhüter zu werden. Nachfrage? Kaum der Rede wert.

Muss das verwundern? In wirtschaftlich schlechten Zeiten dürften auch manche Fußballfans andere Prioritäten haben, als deutschen Kickern in afrikanischer Winterkälte zuzujubeln. Und die Sorge um die Sicherheit im Süden Afrikas hat mit den Schüssen auf den togolesischen Mannschaftsbus beim derzeit laufenden Afrika-Cup in Angola neue, alarmierende Nahrung bekommen. Ein Desaster für die Veranstalter, die noch immer auf Scharen von Besuchern aus aller Welt hoffen. 450.000 sollen es nach südafrikanischen Wünschen sein.

WENIG EUPHORIE

Die Zahl könnte ein Traum bleiben – auch ringsum in Europa herrscht wenig Euphorie. In England, den Niederlanden, der Schweiz und Dänemark liegen die Karten wie Blei in den virtuellen Regalen. Schon wurde die Fifa von den Holländern aufgefordert, den Vorverkauf für die Gruppenspiele bis Ende Januar zu verlängern. Der in Zürich beheimatete Weltverband will sich zur Kaufzurückhaltung bislang nicht äußern. Nicht ins Bild passende Nachrichten werden gerne ignoriert.

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Viel lieber spricht man am Zürichsee von einem "signifikanten Interessensanstieg bei den südafrikanischen Fans". Doch von einem solchen hat man selbst vor Ort noch nichts bemerkt. Prompt kommt Widerspruch vom örtlichen Veranstalter. Bedauert wird in Johannesburg, dass Südafrika keineswegs die Länderwertung der Verkaufsliste anführt. Was seinen Grund aber auch darin haben mag, dass sich der südafrikanische Fan aus lieb gewonnener Gewohnheit eher kurzfristig ins Stadion aufmacht. Allen Kartenkauf-Aufrufen zum Trotz.

Möglicherweise entpuppt sich die Diskussion aber auch als Sturm im Wasserglas. Erstmals seit acht Jahren müssen europäische Fans nämlich wieder weit reisen zu einer WM. Die Wege 2006, als das deutsche Sommermärchen zur Aufführung kam, waren kurz. Und vier Jahre zuvor, als die besten Kicker in Japan und Korea zugange waren, verkaufte der DFB auch nur 2946 Karten für die deutschen Vorrundenspiele. Vor leeren Rängen wurde in Asien trotzdem nicht gekickt.

Autor: Michael Dörfler