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05. November 2011

Georg-Salvamoser-Sonderpreis

Hanisenhof in Oberried: Ein Musterbetrieb in Sachen Energie

Johannes Rösch vom Hanisenhof in Oberried erhält den mit 5000 Euro dotierten Georg-Salvamoser-Sonderpreis.

  1. Johannes Rösch vor einer Mescantus-Kultur. Diese Schilfpllanze liefert eine Menge Biomasse, die sich verheizen lässt. Foto: Silvia Faller

  2. Der Hanisenhof in Oberried-Weilersbach produziert Energie mit Solartechnik, mit einer Wasserkraftanlage und mit einer Hackschnitzelheizung. Foto: Silvia Faller

  3. Johannes Rösch Foto: Silvia Faller

OBERRIED/FREIBURG. Johannes Rösch aus Oberried hat einen mit 5000 Euro dotierten Sonderpreis bei der Verleihung des Georg-Salvamoser-Preises 2011 erlangt. Rösch nutzt seinen Hof im Oberrieder Ortsteil Weilersbach, um auf vielfältige Weise Energie aus erneuerbaren Quellen zu produzieren.

Die Freude über den Erfolg ist Johannes Rösch anzusehen. Die Begeisterung, die er ausstrahlt, speist sich jedoch aus der tiefen Überzeugung auf dem richtigen Weg zu sein und einen Beitrag für den Umwelt- und speziell für den Klimaschutz zu leisten. Tatsächlich kann sich sehen lassen, was Rösch auf seinem Hanisenhof erreicht hat. Das ist ein stattliches Anwesen am Niederlauf des Osterbachs, der an der Westseite des Feldbergs entspringt, das Zastlertal herab kommt und der Dreisam zufließt.

Bereits 1995 haben Johannes Rösch und seine Eltern Eugen und Marianne Rösch im Liebdinghaus des Hofs, das ist das Altenteilerhaus, eine Stückholzheizung installiert und im Jahr darauf mit einer Solarkollektoranlage zur Warmwassererzeugung ergänzt. 2001 haben sie beim Umbau des Wohntrakts des Hauptgebäudes diese Kombination mit einer vielfach größeren Kapazität wiederholt, 2005 und 2009 Photovoltaikanlagen installiert und im Vorjahr eine vo

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llautomatische Hackschnitzelanlage eingebaut, in der sie das Restholz verwerten, das bei der Durchforstung und Pflege des eigenen sechs Hektar großen Waldes anfällt.

Bemerkenswert ist auch eine schon 1986 gebaute Wasserkraftanlage am Osterbach – weit bevor das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine angemessene Bezahlung ermöglicht hat. Möglich war das durch ein seit 1922 verbrieftes Wasserrecht. Damals verlieh das Freiburger Bezirksamt dem "Hofbauer Karl Rösch (das war Johannes Röschs Urgroßvater) in Burg (wozu Weilersbach einst gehörte) das Recht, das vom Osterbach im Oberwasserkanal der Hausmahlmühle zufließende Wasser zur Erzeugung von Elektrizität zu benützen" und genehmigte die Errichtung eines kleinen Wassertriebwerks.

Diese Turbine, mit der die Röschs Gleichstrom erzeugten für die Beleuchtung und für den Antrieb kleinerer Maschinen, war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Betrieb, die Getreidemühle bis 1948. Bis zu der Zeit war der Hanisenhof in erster Linie ein Selbstversorgerbetrieb. Grundlage waren die Milcherzeugung, die Schweine- und Hühnerhaltung und der Anbau von Futtergetreide sowie von Roggen und Kartoffeln jeweils für den Eigenbedarf.

Eugen Rösch, Jahrgang 1935, kann sich noch gut an diese Wirtschaftsweise erinnern. "Alles, was wir gebraucht haben, haben wir selbst hergestellt", erzählt er. Aus dem Grund gehörte zum Hof eben auch eine Mühle, die vom Wasser des Osterbachs angetrieben wurde, um Viehfutter zu schroten und Brotmehl zu mahlen. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Anlieferungsmenge an den damaligen Freiburger Milchhof zu, denn züchterische Fortschritte bewirkten wachsende Milchleistungen. Milch erzeugten Eugen und Marianne Rösch bis zum Jahr 2000, als sie den Betrieb an ihren Sohn übergeben haben. Seither betreibt die Familie mit neun Hinterwälderrindern Mutterkuhhaltung, wobei die Kälber auf der Weide geboren, gesäugt und aufgezogen werden.

Die Stromerzeugung ist jedoch heute ein weitaus bedeutenderes Standbein. Der Hanisenhof speist jährlich rund 100 000 Kilowattstunden Strom in das Leitungsnetz der Badenova ein. Dazu kommen 12 000 Kilowattstunden Wärmeenergie aus den Kollektoren und die nicht bemessene Energie aus der Holzverbrennung. Alles in allem produziert der Betrieb weitaus mehr Energie, als seine Bewohner selbst verbrauchen.

Eltern haben Begeisterung für Umweltschutz vorgelebt

Nachvollziehbar ist daher die Beurteilung der Juroren: "Johannes Rösch zeigt, wie vielfältig und umfassend erneuerbare Energien auch auf einem einzelnen Hof genutzt werden können." Weiter heißt es: "Mit großem Engagement und über viele Widerstände hinweg setzt er zahlreiche Einzelprojekte erfolgreich in die Realität um. Mit seiner Erfahrung will er Interessierte zur Nachahmung motivieren. So trägt er seine Begeisterung für eine 100-prozentige erneuerbare Energieversorgung weit über die Grenzen des eigenen Hofs hinaus."

Prämiert wurde Johannes Rösch persönlich. Dem 34-Jährigen ist jedoch wichtig, seine Eltern einzubeziehen. Denn sie waren es, die ihm die Begeisterung für den Umweltschutz vorgelebt haben. Von jeher haben sie den kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Gesamtfläche von derzeit 20 Hektar nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft betrieben, also ohne chemische Pflanzenschutzmittel und weitgehend ohne Handelsdünger; seit Januar ist der Hanisenhof nach der europäischen Bio-Norm zertifiziert.

Eugen Rösch und seine Frau haben den Hanisenhof bis 2000 im Haupterwerb geführt. Sohn Johannes ist seither Pächter und als Betriebsinhaber Nebenerwerbslandwirt – das aber mit der gleichen Begeisterung, mit der er seinen Hauptberuf ausfüllt. Nach seiner Ausbildung zum Elektroninstallateur absolvierte Johannes Rösch 2005 an der Fachhochschule Furtwangen ein Ingenieurstudium in der Fachrichtung Produktentwicklung und ist seit zwei Jahren bei der Badenova-Tochter Wärmeplus GmbH beschäftigt. Dort ist er verantwortlich für die Fernüberwachung von Energieerzeugungsanlagen. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Vermarktung von Energie aus Blockheizkraftwerken.

Richtungsweisend war für Johannes Rösch seine Diplomarbeit, die er beim Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme erarbeitet hat. Mit dieser Arbeit zeigte er Möglichkeiten auf, wie sich verschiedene Formen der Nutzung erneuerbarer Energien kombinieren lassen, damit Wirtschaftseinheiten in einer Insellage – wie es viele Schwarzwaldhöfe sind – sich eigenständig versorgen können.

Es ist klar, dass auf dem Hanisenhof noch nicht Schluss ist. Johannes Rösch hat schon die nächste Idee, noch mehr Energie zu produzieren. Gern würde er ein Holzgas-Blockheizkraftwerk bauen, das Wärme und Strom liefert. Allerdings kann er derzeit nicht noch mehr Strom in die Badenova-Leitung einspeisen, an die das Anwesen angeschlossen ist. Versuchsweise hat er auf einem kleinen Acker unterhalb vom Hof eine Mescantuskultur angelegt. Das ist eine Schilfart, die ungeheure Mengen an Biomasse liefert und diese Anlage speisen könnte. Noch verbrennt Rösch das Schilf in der Hackschnitzelheizanlage.

GEORG-SALVAMOSER-PREIS

Der Preis wird von der Stadt Freiburg, der Familie des 2009 verstorbenen Solarfabrikanten Georg Salvamoser und vom Wirtschaftsverband 100 Prozent GmbH ausgelobt und von der Georg-Salvamoser-Stiftung finanziert. Er wird an Menschen verliehen, die dazu beitragen, die Vision von 100 Prozent erneuerbaren Energien Realität werden zu lassen und wegweisende Projekte umsetzen. Der mit 40 000 Euro dotierte Hauptpreis geht in diesem Jahr an Michael Diestel und Matthias Klöffel, Geschäftsführer der Agrokraft GmbH aus Neustadt/Saale, die die Gründung von 21 autarken Energiegenossenschaften begleitet haben. Sonderpreise (jeweils 5000 Euro) haben Johannes Rösch und die Schülerfirma "Scolaire" des Deutsch-Französischen Gymnasiums Freiburg gewonnen. Georg Salvamoser hatte als Pioniert der Solarbranche Geschichte geschrieben. Früher als andere hatte er darauf vertraut, dass sich die Nutzung erneuerbarer Energien zu einer Wirtschaftsbranche entwickeln wird. 1991 hatte er eine sichere berufliche Existenz aufgegeben und war mit seiner Familie nach Freiburg gezogen, wo er zunächst die Solar-Energie-Systeme GmbH gründete, ein Handwerksbetrieb zur Montage von Solarstromanlagen. 1996 gründete er die Freiburger Solarfabrik. 1998 war Salvamoser Bundesumweltpreisträger.

 

Autor: sf

Autor: Silvia Faller