Eine Boygroup der speziellen Art

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Fr, 02. Oktober 2015

Oberried

ALEMANNISCHE WOCHE I: Beim Landmännerabend begleiten kulinarische Genüsse die A-Cappella-Formation der Ohrwürmer.

OBERRIED. Seit 20 Jahren veranstalten die Wirte Paul Heizmann vom Schützen in Weilersbach und Norbert Burger vom Hirschen in Oberried alljährlich den Landmännerabend während der Alemannischen Woche. Sie bezeichnen sich als Landmänner, weil sie als solche Mitglieder bei den Landfrauen sind, ohne deren ehrenamtliche und tatkräftige Mithilfe die Veranstaltungen nicht umgesetzt werden könnten. Beide gehören zu den Mitinitiatoren der Alemannischen Woche und setzen alljährlich einen der gastronomischen Höhepunkte mit dieser Kreativpräsentation.

Die zwei Kollegen und Freunde verbinden dabei immer die gastronomischen Leckerbissen eines Drei-Gänge-Menüs mit einem kulturellen Angebot, dieses Mal in der urigen Festscheune des Steiertbartlehofs in Geroldstal mit den Ohrwürmern, der nach eigenen Angaben ältesten Boygroup zwischen Zastler und Notschrei, was sich vermutlich nicht nur auf ihr langjähriges Bestehen bezog, sondern auch auf das überwiegend gesetzte Alter der Mitglieder.

Ein gutes Dutzend Sänger des Männergesangsvereins Oberried unter der Leitung von Michael Weh haben sich 2001 aus einer Laune heraus zu einer A-cappella-Formation zusammengetan und unterhalten seither ihr Publikum mit mehrstimmigem Chorgesang im Stile der Comedian Harmonists. Passend zum Landmännerabend präsentierten sie in der Festscheune ein Programm voll augenzwinkerndem, höchst vergnüglichem Machogehabe und einem gehörigen Schuss Selbstironie. Ihr hohes gesangliches Niveau unterstrichen sie mit agil-originellen Choreographien, stets witzigen Moderationen und teils skurrilen Outfits.

Natürlich drehte sich vieles um "Girls,Girls,Girls", weshalb dieser Evergreen nicht fehlen durfte. Einen ersten Höhepunkt setzte das hervorragende Eigenarrangement des Grönemeyer-Hits "Männer". Im Lied vom "Lauch" wurde seine angeblich aphrodisierende Wirkung beschworen, dessen Genuss vor einem Date allerdings im entscheidenden Moment wohl auch nichts genutzt hatte. Im einzigen Song auf Alemannisch gab es dann ein köstliches Beispiel von männlicher Selbstlüge mit dem Refrain "Mir reicht’s, wenn i weiß, dass i könnt, wann i wott – aber i will net". In die gleiche Kerbe hieb der Frau suchende Bauer mit dem einst von Heinz Rühmann gesungenen Titel "Ich brech’ das Herz der stolzesten Fraun, weil ich so leidenschaftlich bin". Bei einem anderen Song erschienen die "Boys" als Fußballfans, die angesichts ihrer etwas außer Form geratenen Proportionen davon träumten, auch mal wie Matts Hummels in die Zweikämpfe gehen zu können, um dann aber festzustellen, dass sie eigentlich lieber mit den Spielerfrauen als mit dem Ball spielen würden.

Ihr Können und ihre Vielseitigkeit stellten die Ohrwürmer auch mit Klassikern wie Liza Minellis "Cabaret", "For the longest time" von Billy Joel und dem Doo-wop-Song "Rama Lama Ding Dong" unter Beweis. Auffallend war die Dichte der gesanglichen Qualität bei allen Mitgliedern des Ensembles. Sie ermöglichte, dass – getragen vom mehrstimmigen Klanghintergrund – alle Sänger Soloparts haben und es keinen eigentlichen Frontmann gibt.

So meistern sie als künstlerische Einheit gemeinsam die anspruchsvollen Arrangements. Dann ist es auch kein Wunder, dass sie auch schon öfters im SWR- Fernsehen zu Gast waren und bei Konzerten zusammen mit den "Swingle Singers" aus London und der Kölner A-capella- Gruppe "Basta" auf der Bühne standen.

Der Qualität der Sänger ebenbürtig war das Menü, zwischen dessen Gängen die Ohrwürmer auftraten. Nach einem leckeren Vorspeisenteller folgte der am Stück gebratene Kalbsrücken mit Pfifferlingen, buntem Herbstgemüse und Kartoffelgratin, abgerundet von einem Überraschungsdessert, emsig und freundlich serviert von den Landfrauen.

Einziger Wermutstropfen des Abends: Paul Heizmann und Norbert Burger wollen nach nunmehr 20 Jahren aufhören, weil die Arbeitsbelastung einfach zu groß geworden sei und man sich zurücknehmen sollte, "wenn es am schönsten ist". Sehr schade. Bleibt zu hoffen, dass es mit der gastronomischen Gala in der einen oder anderen Form weiter geht. Der Landmännerabend setzte jedenfalls in dieser Woche ein Glanzlicht.