Verblendung bereits im Kindesalter

Christian John

Von Christian John

Fr, 06. Dezember 2013

Oberried

Schon früh sollte Kindern der Hass auf das jüdische Volk und die Ideologien der Nationalsozialisten eingetrichtert werden.

OBERRIED. Die Klosterbibliothek Oberried lud Professorin Dorothee Schäfer zu einem Vortragsabend ein. Die Ehrensenatorin der PH Freiburg stellte den etwa 40 Zuhörern Kinderbücher aus der Zeit des Nationalsozialismus vor. Sie machte deutlich: Die Verblendung der Menschen durch die Ideologien der Nazis begann bereits im Kindesalter.

"Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid", lautete der Titel des ersten Kinderbuches, das Professorin Dorothee Schäfer in der Klosterbibliothek in Oberried vorstellte. Anhand von drei Abbildungen aus diesem Pamphlet, das 1936 erschienen war, gab die Wissenschaftlerin einen Einblick, wie die damals 21-jährige Kunststudentin Elvira Bauer mit dem Buch antisemitische Parolen in Kinderköpfen verankern wollte.

In kindlichen Reimton verfasste Elvira Bauer Lobeshymnen auf die deutschen Tugenden und den Neid, den diese bei Juden angeblich hervorriefen. Dorothee Schäfer las immer wieder Passagen aus dem Buch vor, in denen die Autorin Menschen jüdischer Abstammung mit grotesken und diffamierenden Charakteristika beschrieb. Die schrecklichen Beschreibungen riefen im Publikum immer wieder entsetztes Raunen hervor. Das Buch "Der Giftpilz" von Ernst Hiemer, erschien - wie auch "Trau keinem Fuchs..." – im Stürmerverlag Nürnberg, herausgegeben von Julius Streicher. Auf dem Titelblatt ist ein Pilz mit hakennasigem Gesicht und Judenstern zu sehen; die Geschichte handelt von einer Mutter, die mit ihrem Sohn Pilze sammeln geht. Das Pilzesammeln diente dem Autor als Analogie, antisemitische Anschauungen zu streuen: So wie es gute und giftige Pilze gäbe, gäbe es auch gute und giftige Menschen, die für Hiemer die Juden waren. Auch dieses Werk ist voller schrecklicher Anfeindungen und widerlichen Diffamierungen.

Das Kinderbuch "Der Pudelmopsdackelpinscher", ebenfalls von Ernst Hiemer, aus dem Jahr 1940, beschreibt in 20 Geschichten Tiere wie beispielsweise den Kuckuck, die Giftschlange, den Bandwurm oder die Wanze. Die schlechten und hinterlistigen Eigenschaften, die diese Tiere anscheinend charakterisieren, schreibt der Autor auch den Juden zu und schaffte für die Kinder auf perfide Weise bildliche Brücken zur Ideologie der Nationalsozialisten.

Der Abend in der Klosterbibliothek machte eines deutlich: Schon in frühen Jahren sollte Kindern der Hass auf das jüdische Volk und die Ideologien der Nationalsozialisten eingetrichtert werden, meist gelinde maskiert als bunte Kindergeschichten.