461 Flüchtlinge jetzt im Arbeitsmarkt

Christine Storck

Von Christine Storck

Mo, 17. Dezember 2018

Offenburg

Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen (ZIF) zog eine positive Zwischenbilanz.

OFFENBURG. Nach knapp drei Jahren zieht das Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen (ZIF) eine positive Bilanz: 461 Menschen wurden in den Arbeitsmarkt integriert, berichteten Horst Sahrbacher, Chef der Offenburger Agentur für Arbeit, und Armin Mittelstädt, Leiter der Kommunalen Arbeitsförderung (KOA), bei einem Pressegespräch. Da die Flüchtlingszahlen jedoch drastisch gesunken sind, will das ZIF seine Arbeit in bisherigem Umfang Ende Dezember beenden.

Insbesondere für den SGB-III-Bereich reiche die Mindestteilnehmerzahl für einen wirtschaftlichen Einsatz des Personals nicht mehr aus. "Trotzdem wird die Kooperation zwischen KOA und Arbeitsagentur fortgesetzt, nur eben nicht mehr Tür an Tür", sagte Kreissozialdezernent Georg Benz. Aktuell werden im ZIF 224 Flüchtlinge betreut, davon seien jedoch nur 32 die eigentliche Zielgruppe. Eine so enge Verzahnung wie bisher sei deshalb nicht mehr nötig. Heute würden mehr Flüchtlinge den Leistungsbezug verlassen als neue hinzukommen. Dass sich das Blatt nochmal wendet, sei nicht in Sicht.

Das ZIF war im März 2016 mit dem Ziel gestartet, eine möglichst frühzeitige Integration von arbeitsfähigen Menschen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erreichen. Damit betraten die beiden Einrichtungen KOA und Arbeitsagentur Neuland: Erstmals arbeiteten sie behördenübergreifend unter einem Dach zusammen. Damit wollten sie eine Schnittstelle effektiv nutzen.

Denn während Asylbewerber Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten und von der Agentur für Arbeit betreut werden, wechselt die rechtliche Zuständigkeit, nachdem sie eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, zur KOA und den Leistungen des Sozialgesetzbuchs II (Hartz IV).

Durch die Arbeit Tür an Tür sei eine enge Abstimmung über potenzielle Förderprogramme – etwa zum Spracherwerb, zur beruflichen Qualifikation oder Betriebspraktika – möglich gewesen. "Der damalige Flüchtlingsstrom war eine große Herausforderung", sagte Benz. Und die Gründung des ZIF diesem Umstand geschuldet. Zielgruppe waren volljährige Männer und Frauen, vor allem aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak und Iran, aus Somalia und Syrien, die in ihrem Heimatland mindestens acht Jahre lang die Schule besucht hatten.

"Wir haben unser Ziel erreicht und ein gutes Konzept beim zu erwartenden Anstieg der Anerkennungen im Jahr 2016 vorgelegt", stellten Sahrbacher und Mittelstädt fest. Besonders seien die aktuellen Zahlen: 2018 seien mehr als 260 Menschen integriert worden, rund 200 in Vollzeit- und etwa 30 in Teilzeitstellen. Das seien zum Großteil angelernte Tätigkeiten, da viele schnell Geld verdienen wollen. Der Fachkräftemangel trage dazu bei, dass viele in Lohn und Brot kämen. "Die große Herausforderung bleibt, berufsbegleitend zu qualifizieren, damit die Menschen eine Perspektive haben und bleiben", so Mittelstädt.

Nach den Erfolgen des ZIF wollen die Verantwortlichen nun das Augenmerk auf die rund 2400 Arbeitslosen mit Fluchthintergrund lenken, die Hartz IV bekommen. Die KOA will hier verstärkt gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten anbieten. "Dass so viele Menschen die Leistungen nach dem SGB II beziehen, hat vermutlich nicht immer etwas mit dem Fluchthintergrund zu tun", sagte Georg Benz. Hier sei Engagement nötig. "Das ist kein Selbstläufer", sagte er. Rund ein Drittel sei erwerbstätig und bekomme gleichzeitig Geld vom Amt. "Frauen müssen auch besser gefördert werden", betonte der Kreissozialdezernent.