Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. August 2017 12:59 Uhr

Rathausplatz

AfD-Demo in Offenburg trifft auf doppelt so viele Gegendemonstranten

Die AfD rief in Offenburg zu einer Kundgebung gegen die GEZ-Gebühren vor dem Rathaus ein. Rund 80 Teilnehmer kamen - und mehr als 150 Gegendemonstranten.

  1. Starke Polizeikräfte waren aufgeboten worden. Foto: hru

  2. Die AfD-Redner beim Singen der Nationalhymne (v.l.): Thomas Kinzinger, Leyla Bilge, Christiane Christen, Jürgen Elsässer, Stefan Räpple

Die Polizei selbst war mit mehr als 60 Kräften im Einsatz. Lärm und kleinere Scharmützel begleiteten die zweistündige Kundgebung.

Nach einem Demonstrationszug durch die Innenstadt, der von der Linksjugend mit dem Plakat "Fluchtursachen bekämpfen – Kapitalismus überwinden" angeführt wurde, positionierte sich die Gegendemonstration rund zwanzig Meter von dem Podest der AfD-Kundgebung entfernt. Die Linksjugend zeigte dicht an den Absperrungen vor den aufgereihten Polizeikräften trillerpfeifend Flagge. Aus Boxen drang Rap, ein Lied aus der Dreigroschenoper. Die "Internationale" wurde intoniert.



Vor dem Podium der GEZ-Demo mit einem Pavillon mit AfD-Schriftzug waren verstreut Männer mit Deutschlandfahnen, AfD-Wahlplakaten, eigenen Plakaten mit "Merkel muss weg", "Kein Geld für Lügen" und unterschiedlich gekleidete Personen mit einer Ordner-Binde am Oberarm zu sehen. Die Kundgebung war nicht als AfD-Veranstaltung angekündigt worden. Sie sei auf Initiative des Ortenauer Landtagsabgeordneten der AfD, Stefan Räpple, und des Hauptredners, Jürgen Elsässer, entstanden, erklärte der Ortenauer Kreisverband, der erst später hinzugestoßen sei.

Werbung


Mit Beginn der Kundgebung zur besten Marktzeit um 11 Uhr verstärkte sich das Pfeifen der Gegendemonstration. SPD-Stadtrat Bertold Thoma, der mit Vertretern anderer Parteien und Gruppen, darunter auch die Grünen und die Linksjugend, unter dem Motto "Für ein weltoffenes Offenburg" demonstrierte, erhielt für eine Rede kurz Gelegenheit: Er sprach als Vertreter des ökumenischen Arbeitskreises Asyl.

"Offenburg ist bunt"

Es gehe ihm nicht um die AfD-Wähler, sagte Thoma. "Dass Leute in unserem Land unzufrieden sind mit ihrer persönlichen Situation, ist im Einzelfall nachvollziehbar." Es gehe ihm um die Verführer der AfD, um deren Parolen, "ihre Propaganda, um alles, was sie an Fakten und Fake News vortragen, um Stimmungen zu erzeugen". Die intellektuellen Führer der AfD sagen, "Deutschland den Deutschen", obwohl sie wüssten, "dass dieses Deutschland längst bunt ist, dass es seinen Wohlstand auch den vielen Menschen verdankt, die über Jahrzehnte als Vertriebene, Flüchtlinge, Ausländer hier Heimat gefunden haben". Bei der AfD ziehe eine Lüge die nächste nach sich. So werde der Demokratie die Axt an die Wurzel gelegt. Thoma: "Dagegen müssen freiheitliche Demokraten aufstehen, zumal in der Freiheitsstadt, und sagen: Offenburg ist bunt, friedliebend, sozial, tolerant und Heimat für die, welche diese Werte, diese Rechte und Pflichten bejahen. "

Der Hauptredner der AfD-Kundgebung, Jürgen Elsässer, begann mit den Worten: "Ich bin Deutscher, und ich will nicht zulassen, dass unser schönes Land vor die Hunde geht." Die Mehrzahl der Redner nutzte die Demo gegen die GEZ-Zwangsgebühren – als solche war sie angekündigt – für das Thema Flüchtlingskrise. "Der deutsche Hartzer muss sich im Jobcenter nackig machen, und der Scheinasylant muss nicht einmal Arabisch können", sagte Elsässer unter Applaus. MdL Stefan Räpple sprach sich für Flüchtlingszentren in den Ländern vor Ort aus und gegen Anschlussunterbringungen "auf einem Wohnungsmarkt, der viel zu dicht ist". Dass AfD-Mitglieder als Nazis bezeichnet würden, sei "unfassbar", so Räpple. Man sei auch gegen die "Allmacht der Banken", ein "urlinkes Thema". Die AfD sei "Opfer der regierungsnahen GEZ-Medien", rief Räpple, während von der Gegenseite "Halt die Fresse" und "Hau ab" verlautete.

Die Kundgebung wurde später von zwei Seiten niedergepfiffen, ein Zuhörer holte sich im nahen Drogeriemarkt Ohrenstöpsel. Gegendemonstranten verteilten Anti-AfD-Flyer, ein Demonstrant trat mit Trillerpfeife vor das Podium, ein weiterer wurde nach einem Wortgefecht direkt beim Podium von der Polizei weggetragen. AfD-Ordner fragten Journalisten nach ihrem Presseausweis, ein Fotograf wurde von einem Ordner an der Arbeit behindert.

Nach Angaben der Polizei seien zusammen etwa 250 Teilnehmer gezählt worden. Zu größeren Zwischenfällen mit polizeilicher Relevanz sei es nicht gekommen.

Autor: hru