OB-Wahl in Offenburg

AfD-Kandidat Ralf Özkara:"Ich bin nicht der Heilsbringer"

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Do, 27. September 2018 um 17:01 Uhr

Offenburg

Ralf Özkara, Oberbürgermeisterkandidat der AfD, spricht über Sicherheit in Offenburg, seinen Namen und den "Kessel". Ein Ergebnis unter 20 Prozent wäre eine Enttäuschung für ihn.

"Wir sind eine rechte Partei, aber keine rechtsextreme", sagt Ralf Özkara über die AfD, der für den bürgerlich-konservativen Flügel der Partei steht und deshalb auf Distanz zu Parteigängern wie dem Kehler AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple geht. Denn Özkara, Landesvorsitzender der AfD Baden-Württemberg, will im liberalen Offenburg Oberbürgermeister werden und wirft deshalb Seriosität und Selbstbewusstsein in die Waagschale. Ein Ergebnis unter 20 Prozent, sagt er im Gespräch mit der BZ, wäre eine Enttäuschung.

Die Entscheidung
Warum ein AfD-Mitglied ausgerechnet im badischen Offenburg erstmals in Baden-Württemberg für ein OB-Amt kandidiert? Auch noch ein Mann, der ein breites Honoratioren-Schwäbisch spricht, der nach einer – im Dienstgrad eines Stabsunteroffiziers beendeten – Bundeswehrkarriere in die freie Wirtschaft ging, sein eigenes Unternehmen aufbaute, der zwar 13 Jahre CDU-Mitglied war, aber keine Erfahrung in kommunaler Verwaltung hat, der nach eigenen Angaben neben seinem ehrenamtlichen Posten als AfD-Landesvorsitzender noch nie ein Amt als Berufspolitiker angestrebt hat.

Warum also kandidiert der Mann in Offenburg?

Die Antwort überrascht bei einem AfD-Mitglied nicht wirklich: Es sei die Tötung des Offenburger Arztes durch einen Asylbewerber am 16. August gewesen. Die AfD vor Ort habe sich die Reaktionen der anderen OB-Kandidaten daraufhin angesehen. Da sie dort ihrer Meinung nach keine angemessene Anpassung der jeweiligen Sicherheitskonzepte für Offenburg gefunden habe, sei man übereingekommen, mit einem eigenen Kandidaten die vermeintliche Lücke zu füllen. Nach einer gewissen Bedenkzeit habe der für diese Rolle angefragte Ralf Özkara dann seine Zusage gegeben und am 12. September 2018 seine Kandidatur erklärt.

Wird hier also die furchtbare Tötung eines Menschen, dem zu Lebzeiten politisch nichts ferner lag als die Positionen der AfD, für deren Machtzugewinn instrumentalisiert? "Ich habe den Mordfall in meinem Wahlkampf bisher nicht angesprochen", hält Özkara in für ihn typischer Geschmeidigkeit dagegen. Es gehe ihm vielmehr um die "gruselige Kriminalstatistik", in der Offenburg an der Spitze im Land rangiert. Er wolle Offenburg "schlicht und ergreifend sicherer machen", hatte Özkara bei seiner Kandidatur verkündet.

Auf den Vorhalt, das sei erst einmal eine Parole, sagte der 47-Jährige: "Ich bin nicht der Heilsbringer", aber Politik müsse plakativ sein. Den vom Kandidaten Marco Steffens vorgeschlagenen kommunalen Ordnungsdienst nennt er dazu ein geeignetes Mittel, aber auch zum Beispiel die Überwachung von Predigten in der Moschee. Denn obwohl Özkara, geborener Helble, mit einer türkischstämmigen Muslima verheiratet ist, deren Namen er aus familiären Gründen angenommen hat, ist er ein harter Kritiker des "politischen Islam", wie er sagt.

Der Wahlkampf
Özkara hat eine Leiharbeitsfirma für Pflegekräfte. Den kurzen Wahlkampf bis zum Wahltermin am 14. Oktober bestreitet der Mann aus dem Umland von Schorndorf nebenbei. Seine türkische Frau, mit der er in zweiter Ehe verheiratet ist, halte ihm dabei den Rücken frei. Dennoch erreicht ihn im Gespräch mit der BZ der Anruf einer Disponentin, der eine Fachkraft ausgefallen ist. Özkara nennt zwei mögliche Ersatzkräfte und flötet für den Fall, dass auch die nicht können, ins Mobiltelefon: "Seien Sie kreatüüüv." Dann geht’s weiter im Gespräch mit den drei BZ-Redakteuren. Der Mann ist jedenfalls stressresistent.

Özkara setzt im Wahlkampf auf Straßenpräsenz dienstags und samstags auf der Offenburger Hauptstraße. Im Stadtteil Kreuzschlag, wo viele Russlanddeutsche wohnen, die bei der letzten Bundestagswahl der traditionell gewählten CDU den Rücken kehrten und zur AfD umgeschwenkt waren, wird Özkara mit einem Flyer auch in russischer Sprache werben. Der Chef der Russlanddeutschen in der AfD werde zu einem Wahlkampfauftritt nach Offenburg kommen ebenso der AfD-Co-Bundessprecher Jörg Meuthen, angeblich am 1. Oktober, 19 Uhr in der Reithalle. Meuthen, dessen Büroleiter im Landtag Özkara war, ist ein Vorzeigepolitiker der AfD, man könnte ihn auch das liberal-konservative Feigenblatt einer Partei nennen, die sich, wie Die Zeit in ihrer letzten Ausgabe schreibt, im Moment an ihrer eigenen Radikalisierung berauscht.

Mit Plakaten will Meuthen-Mann Özkara nicht werben mit der Begründung, dass eine "linksextreme, gewaltbereite Szene" im Jugendzentrum Kessel diese herunterreißen würde. Betreiber des Kessels haben in einem Leserbrief in der BZ diese Darstellung entschieden zurückgewiesen und den AfD-Mann zum Gespräch eingeladen. Wird er hingehen? "Ich bin geneigt, es zu tun", sagt er.

Die Themen
Neben seinem "Schwerpunktthema" Sicherheit geht es Özkara im Offenburger Oberbürgermeister-Wahlkampf um sozialen Wohnungsbau, die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern sowie die Unterstützung von Senioren bei alltäglichen Problemen. Von "exorbitant teuren Kita-Plätzen" in Offenburg, von denen er bei seiner Kandidatenvorstellung noch sprach, ist derzeit keine Rede mehr. Da war der AfD-OB-Kandidat bei seinem ersten Auftritt vor der Presse schlecht informiert und leicht zu widerlegen.