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09. Juni 2010
Aktionstag Bildungspatenschaften: „Er hat alles für mich getan“
Bundesweit wird heute der Aktionstag "Bildungspatenschaften direkt" begangen / Auch in Offenburg gibt es ein Projekt.
OFFENBURG. Wenn am heutigen 9. Juni der bundesweite Aktionstag "Bildungspatenschaften direkt" stattfindet, steht auch das Offenburger Mentorenprojekt "Start for Job" im Blickpunkt: Seit 2005 helfen erfahrene Menschen jungen Erwachsenen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Das Projekt, das sich an Heranwachsende in Albersbösch und Hildboltsweier richtet, wird vom In Via Jugendmigrationsdienst angeboten.
Anastasia Sperle lebt seit 2003 in Deutschland. Da es mit der deutschen Sprache haperte, waren ihre Zeugnisse nicht besonders gut. An der Abendrealschule klappte es schließlich mit dem Abschluss. Doch dann stellte sich die Frage: In welche Richtung soll es weitergehen? Die junge Frau lernte bei "Start for Job" ihren Mentor Wolfgang Radeck kennen. Der heute 74-Jährige war 20 Jahre Personalleiter eines größeren Unternehmens.Die Situation sei schwierig gewesen, räumt er ein, zugleich aber auch "total spannend". Denn sein Schützling hatte die "tollsten Mathenoten". Nach 30 Bewerbungen war es so weit: Anastasia erhielt einen Ausbildungsplatz als technische Zeichnerin in einem Betrieb in Rheinau. Ohne ihren Mentor hätte sie es nicht geschafft, sagt die 23-Jährige: "Er hat alles für mich getan." Radeck hingegen verweist auf die intensive Mitarbeit der jungen Frau, die zwei Stunden Fahrtzeit in Kauf nimmt, um ihre Lehrzeit erfolgreich abzuschließen. Es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
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12 bis 14 Mentoren haben sich bislang an dem Projekt beteiligt und sich um insgesamt 67 Jugendliche gekümmert, 54 von ihnen mit Migrationshintergrund. Die Heranwachsenden werden individuell betreut und nehmen in Zusammenarbeit mit der Eichendorffschule, der Konrad-Adenauer-Schule sowie dem Stadtteilzentrum Albersbösch an Gruppenveranstaltungen teil. Sprach- und Bewerbungstraining stehen oben an. Die ehrenamtlich tätigen Erwachsenen besuchen Seminare und Fortbildungen, um mit dem nötigen Handwerkszeug ausgerüstet zu sein. Die meisten bringen wichtige Erfahrungen freilich bereits mit: Alice Beil war Industriefachwirtin und betreute in ihrer Firma die Lehrlinge, Hansjörg Reith arbeitete als Elektroingenieur und ist von Anfang an dabei, Tania Rodas de Wagner ist selbst Ausländerin und will den jungen Migranten die Hilfe anbieten, die sie selbst damals nicht erhielt. Inge Moritz betreut derzeit ein Geschwisterpaar aus dem Irak und gibt ihm pro Woche zwei Stunden Nachhilfe in deutscher Sprache.
Maria Schneckenburger will sich "vor Ort einbringen" und etwas für den Stadtteil tun. Eine ihrer Schützlinge ist Jessica Ungemach, die 2007 ihren Hauptschulabschluss an der Eichendorffschule absolviert hatte und so gerne Krankenschwester werden würde. Doch ihr Zeugnis lässt zu wünschen übrig, für die meisten Pflegeberufe ist ein mittlerer Schulabschluss erforderlich. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin bei der AWO in Albersbösch. "Wie ich es ohne meine Mentorin geschafft hätte, weiß ich nicht." Manch ein Fragebogen wurde gemeinsam durchgearbeitet, mitunter genügte auch ein Gespräch am Telefon, um voranzukommen. "Der Bedarf ist sehr groß", unterstreicht Rita Maier von In Via. Daher seien neue Mentorinnen und Mentorinnen stets willkommen. Viele Jugendliche wüssten nicht, wie es weitergehen soll – oder hätten unrealistische Vorstellungen. Ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, sei der erste Schritt zum Erfolg.
Autor: Gertrude Siefke
