"Auch mal einen guten Wein genießen"

Rosel Kesel

Von Rosel Kesel

Mo, 07. September 2009

Offenburg

leute aus der Stadt: Professor Dieter Herberg vollendet heute sein 80. Lebensjahr / Weithin bekannter Mediziner

OFFENBURG. Falls es ein Geheimrezept gibt, wie man sich im Seniorenalter ein jüngeres Aussehen und eine positive Ausstrahlung bewahren kann, müsste ein Mediziner darüber wohl am ehesten Bescheid wissen. Tatsächlich kennt Professor Dieter Herberg, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, ein solches und es hat auch einen lateinischen Namen: "Carpe diem – nutze den Tag".

Mit den Worten des Jubilars heißt das: "Man muss jeden Tag das Gute sehen, jeden Tag ein Lächeln schenken und ein nettes Gespräch führen". Und er fügt lächelnd hinzu : "Man muss auch mal einen guten Wein genießen." Eine Portion Glück gehört nach Ansicht des früheren Chefarztes der Medizinischen Abteilung des früheren Kreiskrankenhauses Offenburg – heute Klinikum – aber auch dazu, und da steht für ihn an erster Stelle ein intaktes Privatleben: "Ich habe eine wunderbare Frau, drei gut geratene Söhne, von denen jeder seinen eigenen, erfolgreichen Weg gefunden hat."

Zur familiären Harmonie tragen auch die Schwiegertöchter bei, und wenn die vier Enkelkinder ihren Opa besuchen, ist die Freude groß. Am vergangenen Wochenende hat Dieter Herberg mit allen zusammen im Schwarzwald seinen Geburtstag vorgefeiert, weil da alle Zeit hatten – sein einziger Geburtstagswunsch: "Gesundheit für meine Frau und die jungen Familien, damit ich noch lange mit ihnen zusammen sein kann." Die andere Seite des Lebens hat er schon in jungen Jahren kennen gelernt. Aufgewachsen in Frankfurt, wo er das musische Gymnasium besuchte, erlebte er die Schrecken der Nazizeit, als die Gestapo an der Tür klingelte, denn seine Mutter hatte eine jüdische Freundin versteckt, die zum Glück aber nicht entdeckt wurde. Diese "Nenntante", nach dem Krieg eine bekannte Kinderärztin in Heidelberg, überredete ihn, trotz begonnenen Mathematik- und Jurastudiums, sich der Medizin zu widmen. Und genau das war für Dieter Herberg das richtige Studium, bei dem er sich nach der Ausbildung zum Internisten mit einer wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Lungen- und Bronchialerkrankungen habilitierte und an der Universität Heidelberg zum Professor ernannt wurde.

In Offenburg erfolgte dann die Umhabilitierung an die Albert-Ludwig-Universität Freiburg, so dass er sich neben seiner klinischen Tätigkeit auch intensiv an der Ausbildung der Studenten beteiligen konnte. Nach der Pensionierung konnte er sich intensiver beschäftigen mit der Evolution, der Gentechnik und der Gehirnforschung, in höchstem Maße an neuen Erkenntnissen interessiert und sich nicht scheuend, nochmals ein Lernender zu sein.

Einer kurzen Vorlesung kommt es gleich, wenn der Pensionär spannend und keineswegs lehrerhaft erläutert, wie vorhandenes, genetisches Material zu völlig verschiedenen Entwicklungen führen und welche Probleme die Reproduktionstechnik mit sich bringen kann. Er versucht zu ergründen, wie das Zusammenleben der Menschen funktioniert und wozu der Mensch in der Lage ist, wenn er unter Druck gerät. In seiner Frau Ilse, ebenfalls promovierte Ärztin und für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, hat er eine kompetente Gesprächspartnerin. Die Vorbereitung seiner begehrten Vorträge über seine Forschungen erfordern Disziplin und ständige Weiterbildung. Lesen nur so zum Zeitvertreib liegt ihm nicht, es muss schon etwas Wissenschaftliches oder Politisches sein.

Ein Genuss ist für den Jubilar immer eine Reise nach Berlin mit einem abwechslungsreichen Programm. Und an die Reisen nach Italien mit viel Kultur und, nicht zu vergessen, mit gutem Essen und Wein, daran erinnert er sich immer gerne.

Professor Herberg lebt gerne zusammen mit seiner Frau in Offenburg, beide schätzen das sehr gute Angebot an Kunstausstellungen, Musik und Theater.