Auf Händen zum Papst nach Rom

Markus Vögele

Von Markus Vögele

Sa, 30. Dezember 2017

Offenburg

LEUTE IN DER STADT: Vor 50 Jahren unternahm Ludwig Hofmaier eine außergewöhnliche Pilgerreise / Heute bei "Bares für Rares".

OFFENBURG. 1967 ist Ludwig Hofmaier (76) von Regensburg zum Papst nach Rom gepilgert – kopfüber. Auf seinen Händen legte er sage und schreibe 1070 Kilometer zurück, bis er von Papst Paul VI. empfangen wurde. Bereits 1961 war Handstand-Lucki, wie Hofmaier auch genannt wird, bayerischer Meister im Kunstturnen. Seit Jahrzehnten ist er Antiquitätenhändler und seit 2013 im Fernsehen bei "Bares für Rares" zu sehen. Und er wohnt in Offenburg.

"Mensch Lucki, wenn du es schaffst, auf Händen zum Heiligen Vater nach Rom zu pilgern, bekommst du 15 000 Mark", erinnert sich Ludwig Hofmaier an die Idee seiner Stammtischbrüder vor 50 Jahren. ""Ich kann ja nicht mehr wie probieren. Und wenn ich mir etwas einbilde, dann muss das klappen. Und dann bin ich losmarschiert", erinnert sich der 1941 im niederbayerischen Saal an der Donau geborene Hofmaier und packt dabei sein breitestes Niederbayrisch aus. Obwohl er seit 1970 in Offenburg wohnt, hat sein Dialekt nichts von seiner Urwüchsigkeit verloren oder gar eine badische Färbung angenommen.

Vorbereiten musste sich der damals 26-jährige Hofmaier, der bereits 1961 bayerischer Meister im Kunstturnen wurde, auf seine kuriose Pilgerreise nicht, wie er sagt, denn bereits seit Kindesbeinen an sei er auf den Händen gelaufen.

Vom Domplatz in Regensburg aus startete Hofmaier am 21. April 1967 seine 1070 Kilometer weite und drei Monate dauernde Wanderung zum Vatikan nach Rom. In Salzburg, Landshut und Innsbruck standen die Leute am Wegesrand Spalier, jubelten ihm zu oder brachten ihm Essen, wie Hofmaier zurückblickt. Journalisten begleiteten Hofmaier und berichteten in Etappen über das Ereignis, das zum Medienspektakel wurde und den 155 Zentimeter kleinen Hofmaier in den Medien zu einem ganz Großen machte. "Zwoa bis drei Kilometa. Obsetzn. Fünf Minudn Pause. Weidergehn", erklärt Hofmaier, wie er sich im Sommer 1967 "Schritt für Schritt" auf Händen seinem Ziel näherte. 30 bis 40 Kilometer habe er so pro Tag zurückgelegt. "Ich muss ja vorwärts kommen. Ich kann ja nicht einen Kilometer gehen und zwei Stunden warten. Dann komm ich ja nicht an. Ich muss ja jeden Kilometer auf Händen gehen und kann ja nicht mit dem Radel fahren", wie Hofmaier beschreibt. "Mir hat das an und für sich nichts ausgemacht", resümiert der seit den Siebzigerjahren in Offenburg lebende Hofmaier. Durch seine Frau habe er den Weg in die Ortenau gefunden hat. Wo genau er in Offenburg wohnt, will der ansonsten wenig publikumsscheue Mann dann doch nicht in der Zeitung lesen.

Drei Monate nach seinem Start in Regensburg erreichte Ludwig Hofmaier im Juli 1967 den Vatikan, wo er an der päpstlichen Leibwache vorbeimarschierte bis zu Papst Paul VI., der ihn mit einem Handschlag empfing und sich ob der außergewöhnlichen Pilgerreise erfreut zeigte. "Ich sei ein frommer Katholik und er freue sich sehr, dass jemand eine so weite Strecke auf Händen geht, um ihn zu besuchen", erinnert sich Hofmaier an die an ihn gerichteten Worte des Papstes. "Ich habe den Segen gekriegt und dann habe ich ein paar Runden im vatikan gedreht", quittierte Hofmaier die päpstliche Geste.

Die Reise hat Ludwig Hofmaier Publizität gebracht: Ob als Gast im "Aktuellen Sportstudio", bei "Wetten, dass . . ? " oder der Weltausstellung in Japan 1970: Überall ging Ludwig Hofmaier auf Händen und sorgte für Unterhaltung.

Heute ist "Handstand-Lucki", wie Ludwig Hofmaier außerdem genannt wird, noch immer viel unterwegs. Mit seinem Wohnmobil reist Antiquitätenhändler Hofmaier von Flohmarkt zu Flohmarkt und macht dabei öfters Halt in Köln, um dort in der Fernsehreihe "Bares für Rares" mit anderen Händlern um von Gästen mitgebrachte Keller- und Dachbodenfunde zu feilschen. Einige der in der Sendung "Bares für Rares" erworbenen Antiquitäten gehören zu Hofmaiers Interieur. Was aus den 15 000 Mark für die Pilgerreise wurden? Aus Luckis Perspektive: sicher etwas Rares für Bares.