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29. Januar 2010 10:14 Uhr

Interview

Berlin-Wanderer Krastel zu Gast bei Beckmann

Das Medieninteresse an Stefan Krastel erreicht ungeahnte Höhen: Der Offenburger, der mit einem Marsch nach Berlin auf die Benachteiligung der privaten Pflege gegenüber der Heimpflege aufmerksam machen wollte, ist nun auch bei Beckmann zu Gast.

  1. Stefan Krastel vor seiner Reise – zusammen mit seiner Mutter Brunhilde und Hund Till, der ihn auf seinem Weg nach Berlin begleitet hat. Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. Als Krastel im Sommer zu Fuß nach Berlin gewandert ist, um die Politik auf die Benachteiligung der privaten Pflege gegenüber der Heimpflege aufmerksam zu machen, wollte ihn kein Spitzenpolitiker empfangen. Jetzt ist er kommenden Montag in der ARD bei Reinhold Beckmann zu Gast, wo er möglicherweise auf Bundesgesundheitsminister Rösler trifft. Ralf Burgmaier hat sich mit einem Stefan Krastel in gespannter Erwartung unterhalten.

BZ: Herr Krastel, "Beckmann" ist eine gute Plattform für Ihr Anliegen. Zufrieden?

Stefan Krastel: Natürlich bin ich froh, dass ich mein Thema auf so populäre Weise in die Öffentlichkeit tragen kann. Da kann ich Aufklärungsarbeit leisten. Was sich daraus ergibt, wird man sehen. Für mich ist das aber auch zwiespältig. Ich bin vor jedem Medienauftritt nervös wie vor einer Prüfung. Gleichzeitig merke ich von Einladung zu Einladung, dass ich mit meiner Argumentation richtig liege und an ein wichtiges sozialpolitisches Thema gerührt habe.

BZ: Bei Ihrem SWR 1-"Leute"-Interview haben Sie auch mit Zahlen -Wissen beeindrucken können. Wie bereiten Sie sich auf Auftritte jetzt bei "Beckmann" oder in Wieland Backes "Nachtcafé" vor?

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Krastel: Beten und meditieren (lacht)! Besondere Vorbereitung bringt nichts. Was ich bis jetzt nicht weiß, weiß ich dann auch nicht, wenn’s drauf ankommt. Man muss lernen, hinterher zu ertragen, dass man vielleicht nicht alles sagen konnte, was man wollte. Am kommenden Montag vor Beckmann in Hamburg mache ich am besten noch eine Stadtrundfahrt und schaue dann, dass ich mich vor der Sendung noch fünf Minuten zurückziehen kann, um mich zu sammeln. Es kommt vor allem darauf an, wach und präsent zu sein. Nach einer Sendung wie dem "Nachtcafé" merkst du erst hinterher wie platt du bist. Da wäre ich fast zusammengeklappt. So stelle ich mir Formel-1-Fahren vor. Man meint, man hat’s vermasselt. Freunde haben mir aber gesagt, ich hab’s nicht vermasselt.

BZ: Das können wir bestätigen. Wer ist mit Ihnen bei Beckmann eingeladen?

Krastel: Claus Fussek, Deutschlands Pflegekritiker Nummer eins, zwei Altenpflegerinnen und wahrscheinlich Heiner Geißler, was mich sehr freut, weil er mittlerweile der Anwalt der kleinen Leute in diesem Land ist. Auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ist eingeladen. Das ist toll, er ist mein Ansprechpartner! Ich hoffe, dass er kommt.

BZ: Durch die Pflege Ihrer Mutter zu Hause, sind Sie total verarmt. Jetzt wo Sie in den Medien präsent sind, denkt mancher, Sie sind Ihre Geldsorgen los?

Krastel: Oh nein. Ich kriege von "Beckmann" den Flug nach Hamburg und eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlt, die ich auf Hartz IV anrechnen muss. Da bleiben höchstens eine Hand voll Euro.
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Autor: rab