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20. März 2012

Bio statt Gentechnik auf dem Acker

Mit der Aktion "Zukunft säen" auf einem Acker demonstrierten Umweltverbände gegen mit Gentechnik erzeugte Lebensmittel.

  1. Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Marwein und SPD-Stadtrat Gerhard Schröder (Dritter und Vierter von rechts) säten mit. Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Unter dem Motto "Zukunft säen" haben Mitglieder und Anhänger Offenburger Umweltorganisationen 50 Kilo biodynamisches Saatgut auf einen Acker gestreut. Im Herbst soll die Ernte eingefahren werden. Mit der Aktion, die 2006 in der Schweiz entstand und mittlerweile in elf Ländern stattfindet, soll für gentechnikfreie Landwirtschaft geworben werden.

Trotz des kalten Nieselwetters ließen sich rund 50 Naturfreunde und Gentechnikgegnerinnen nicht abhalten und säten auf einem 20 Ar großen Feld hinter dem Gewerbegebiet Rammersweier Gelbweizen mit sehr hoher Backfähigkeit und hohem Gehalt an Carotinoiden aus. Der Sommerweichweizen gilt als gering steinbrandanfällig und besitzt durch sein längeres Stroh eine gute Unkrautkonkurrenz, führt Johannes Ell-Schnurr aus. Er ist Demeter-Geschäftsführer Baden-Württemberg und ließ es sich nicht nehmen, das Besondere an der biologisch-dynamischen Züchtung vorzustellen: "Bereits mit der Sortenwahl werden die Weichen für die Qualität der Lebensmittel gestellt", unterstrich der Agraringenieur. Viele Verbündete seien notwendig, um der Gentechnik Paroli bieten zu können.

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Gentechnik wird seit Jahren in der Medizin und in der Biotechnologie eingesetzt. Bei der so genannten Agro-Gentechnik werden artfremde Gene in das Erbgut von Nutzpflanzen eingebaut und diese in der freien Natur ausgepflanzt. Durch Pollenflug und Verunreinigungen in Transportbehältern können sich diese Pflanzen verbreiten. Eine Koexistenz von konventionellen und gentechnisch veränderten Pflanzen funktioniere deshalb nicht. Auskreuzungen sind nie mehr rückholbar. Gentechnikgegner kritisieren, dass die Forschung über Gentechnik zu 95 Prozent von den Gentechnik-Konzernen finanziert und damit kontrolliert werde. Erfahrungen würden zeigen, dass Pflanzen durch gentechnische Eingriffe häufig unerwartete neue Eigenschaften ausbilden und das Fleisch von Tieren durch Fütterung mit gentechnisch veränderten Organismen verändert werde.

Idealerweise soll das Saatgut im eigenen Betrieb erzeugt werden

Bei der bio-dynamischen Züchtungsforschung ist der Organismusgedanke wesentlich, so Ell-Schnurr. Idealerweise sollte das Saatgut im eigenen Betrieb erzeugt werden. Es gehe um Qualität und um den Erhalt und die Mehrung der Sortenvielfalt. Mit der standortangepassten Züchtung soll regionale Vielfalt gefördert werden. Durch Gentechnik und die Patentierung der Sorten soll Nachbaufähigkeit hingegen verhindert werden: Der Landwirt muss immer wieder neues Saatgut beim Züchter kaufen, da den Samen die Keimfähigkeit abgezüchtet wurde.

Der Offenburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Thomas Marwein, skizzierte die Landwirtschaftspolitik seiner Partei, die kleineren Biolandwirten bessere Absatzmöglichkeiten verschaffen wolle. Unterstützt werde die von Dänemark ausgehende EU-Initiative, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verbieten. "Den meisten Verbrauchern ist das Thema nicht egal." Gefördert werden sollen Betriebe, die biologisch arbeiten und ihre Produkte regional vertreiben. Es soll einen Aktionsplan "Bio aus Baden-Württemberg" geben und bei der am Regierungspräsidium Freiburg angesiedelten Kontrollbehörde zwei zusätzliche Stellen für ökologischen Landbau geschaffen werden. Wiedereingeführt werden soll die Förderung von Biobauern, die von der alten Landesregierung abgeschafft wurde: "Für 2012 und 2013 sind die Mittel gesichert", betonte Marwein.

Die Aktion "Zukunft säen" wird in Offenburg unterstützt vom BUND-Kreisverband, dem Förderverein Offenburger Streuobst Apfelsaft, der Arbeitsgemeinschaft für biologisch-dynamischen Landbau Offenburg, der NABU-Gruppe Offenburg und dem Biomarkt Strux.

Autor: Gertrude Siefke