Offenburg

Demo und Gegendemo: Kampf um die Deutung eines Verbrechens

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Mi, 02. Mai 2018 um 21:01 Uhr

Offenburg

Am Samstagmorgen soll ein Zentralafrikaner eine 24-Jährige in Offenburg vergewaltigt haben. Am Mittwochabend nutzen das 40 Teilnehmer zu einer Demo "Kandel ist überall". 200 hielten dagegen.

Knapp 40 Teilnehmer haben auf Aufruf des Vereins "Kandel ist überall" am Mittwochabend vor dem Rathaus demonstriert. Anlass war die mutmaßliche Vergewaltigung einer 24-jährigen Frau am frühen Samstagmorgen durch einen Zentralafrikaner an der Freiburger Straße. Das Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus Offenburg" hielt mit rund 200 Teilnehmern einer Gegendemonstration dagegen.

Beide Veranstaltungen blieben auch wegen eines hohen Polizeiaufgebots, das die Demonstranten trennte, friedlich. Der Verein "Kandel ist überall" zog mit seiner Aktion eine Parallele zwischen dem gewaltsamen Tod eines 15-Jährigen Mädchens im pfälzischen Kandel im Dezember 2017 durch ihren afghanischen Exfreund und der mutmaßlichen Offenburger Vergewaltigung. Der Verein wurde bei seiner Demonstration von örtlichen Mitgliedern der AfD unterstützt: Stadtrat Taras Maygutiak, dem Landtagsabgeordneten Stefan Räpple, dem Bundestagsabgeordneten Thomas Seitz oder Knut Weißenrieder vom AfD-Kreisvorstand.

"Offenburg ist Offenburg, Offenburg ist nicht Kandel und Kandel ist nicht überall." Norbert Großklaus
Die Gegendemonstranten, für die der ehemalige Gewerkschafter Hans-Peter Goergens und Grünen-Stadtrat Norbert Großklaus sprachen, warfen den Aktivisten vor dem Rathaus vor, ein schreckliches Verbrechen auf plumpe und durchschaubare Weise für propagandistische Hetze gegen Ausländer zu instrumentalisieren. Großklaus:

Seitens des Kandel-Vereins forderte ein Sprecherin ein Ende der "offene Grenzen", forderte Abschiebung aller Straftäter und beklagte Gewalt von Einwanderern gegen Frauen sowie Zwangsverheiratung von Kindern. Gegendemonstranten skandierten dagegen: "Unser Feminismus ist Antirassistismus." Hans-Peter Goergens, der zuvor Vergewaltigung ein abscheuliches Verbrechen nannte, fragte rhetorisch die Demonstranten auf der anderen Seite: "Haben Sie schon einmal eine Mahnwache gehalten, wenn ein Weißer eine Weiße vergewaltigt hat?"

Das Bündnis aus Parteien und Gewerkschaften, die die Gegendemonstration angemeldet hatte, hatte zugleich der Stadt Offenburg vorgeworfen, dem "Einzug rechter Parteien und Gruppierungen in Offenburg keinen Einhalt zu bieten." Dagegen wehrte sich die Stadt am Mittwoch mit einer Presseerklärung. Darin heißt es: "Die Stadt Offenburg weist diese Behauptung von sich – und darauf hin, dass das Grundrecht der Versammlungs- und Meinungsfreiheit richtigerweise nicht beliebig von der Stadtverwaltung eingeschränkt werden kann und deshalb auch Veranstaltungen und Agitationen im öffentlichen Raum nur unter ganz bestimmten, engen Voraussetzungen verboten werden können."

Die Demonstrationen, die gegen 18.30 Uhr begonnen hatten, endeten gegen 20 Uhr. Anschließend, berichtet die Polizei, habe es eine kleine Sitzblockade von Gegendemonstranten vor der Tiefgarage am Marktplatz gegeben, die gegen 20.30 Uhr aufgelöst war.