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25. Juni 2010
Den Stadtbrand gab es wirklich
Im Hinterhof des Marienhauses gelingt der archäologische Nachweis / Römer waren auch schon da.
OFFENBURG. Nach rund 80 archäologischen Grabungen in der Innenstadt drängt sich auch dem wohlmeinenden Beobachter der Verdacht auf, dass es sich beim Stadtbrand von 1689 um einen historischen Schwindel handeln könnte. Denn nirgendwo fanden die Archäologen auch nur die Spur davon. Keine Asche, kein Brandschutt, keine verrußten Ziegel, nichts. Doch jetzt haben die Archäologen die Ehre der Historiker gerettet. Hinter dem Marienhaus haben sie erstmals Stadtbrandspuren gesichert, aber auch wieder einmal den Beleg, dass die Römer auf dem Offenburger Stadthügel saßen.
Der Neubau des Marienhauses erstreckt sich auch auf ein bisher unbebautes Gelände im Hinterhof des katholischen Altenpflegeheims an der Prädikaturstraße. Das ist laut archäologischem Stadtkataster sensibles Terrain. Denn in alten Stadtansichten findet sich an dieser Stelle keine Bebauung. Das heißt, im Boden könnten sich Reste alter Bebauung erhalten haben. Bertram Jenisch vom Referat Denkmalpflege des Regierungspräsidiums hob daher die Hand, als die Fläche bebaut werden sollte. Sonst wäre hier ein Stück Stadtgeschichte weggebaggert worden. Seit Anfang Mai wurde archäologisch gegraben und schöne Erkenntnisse zu Tage gefördert.
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Jenisch: "Wir befinden uns hier am Schnittpunkt von drei relevanten Offenburger Siedlungsphasen." Die Römer, die von 74 nach Christus an zwischen Hl. Kreuz-Kirche und Burgerhof-Areal siedelten, dann die frühmittelalterliche Vorgängersiedlung der Stadt Offenburg, das sogenannte Kinzigdorf, das zwischen 9. und 11. Jahrhundert sich nördlich des heutigen Stadtkerns erstreckte und schließlich die hochmittelalterliche Stadt, die seit dem 13. Jahrhundert von der noch heute sichtbaren Stadtmauer umgeben war. Aus der Kinzigdorf-Epoche habe sich hinterm Marienhaus nichts gefunden, aus den beiden anderen dagegen sehr wohl. So gibt es einen aufregenden Befund aus der Römerzeit: Ein römischer Ofen, vermutlich zum Brennen von Kalk, wurde entdeckt. Er befand sich vermutlich an der Rückseite eines römischen Hauses, das vom heutigen Marienhaus überbaut worden ist und auf die Prädikaturstraße ausgerichtet war. Diese weist sich damit einmal mehr als Römerstraße aus. Nach Norden setzt sie sich in der Okenstraße fort, nach Süden führte sie den Stadtbuckel hinunter über den Mühlbach. Datiert wird der Brennofen durch typisch römische Keramikfragmente aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.
Außerdem haben die Ausgräber wohl Überreste der frühneuzeitlichen Prädikatur gefunden. Darauf weißen Reste eine massiven Gebäudeaußenwand aus Backstein, eine gefüllte Latrine – in zeitgenössischen Quellen "Schissgruob" genannt –, ein eigener Brunnensowie das entsprechende Fundmaterial hin: Verzierte Ofenkacheln und Glaspokale aus der Zeit zwischen 1500 und 1689. 1689 brannte eine französische Armee die Stadt nieder und damit auch die Prädikatur, das Wohnhaus der Geistlichen an der Heilig-Kreuz-Kirche. Rußgeschwärzte, für jüngere Gebäude wiederverwendete Steine in Mauerfragmenten weisen darauf hin.
Autor: Ralf Burgmaier
