Der Snooker-Stratege denkt immer drei Spielzüge voraus

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Do, 09. April 2015

Offenburg

LEUTE IN DER STADT: Peter Wagner aus Offenburg ist Landesmeister im Snooker geworden / In Deutschland immer noch eine Randsportart.

OFFENBURG. Peter Wagner ist süchtig. Süchtig nach Snooker. Und die Sucht zahlt sich aus: Bereits zum sechsten Mal ist der Offenburger Ende März Landesmeister geworden. Bei den Meisterschaften in Villingen-Schwenningen bewies er sich gegen den ehemaligen U-16 Meister Umut Dikme aus Ludwigsburg. Wie er zum Snooker kam und was den Sport für ihn ausmacht, erzählte er der BZ.

"Es ist eindeutig immer noch eine Randsportart", sagt Wagner über den Sport, den er seit über 25 Jahren betreibt. Snooker, das bedeutet wörtlich übersetzt so etwas wie "missliche Lage". Und darum geht es in dem Spiel: Dem Gegner die Kugeln so auf den Tisch zu legen, dass er nur noch Fehler machen kann. "Es ist nicht wie beim Tennis, wo man sich den Ball zuspielt. Ziel ist es, den Gegner daran zu hindern überhaupt etwas zu tun. Eigentlich ein Spiel für Egoisten", sagt er.

Am besten behindere man den Gegner, indem man die weiße Kugel, die man laut Regel mit dem Queue zuerst anstoßen muss, hinter einer anderen Kugel versteckt. Wenn Peter Wagner den Tisch vor sich hat, dann sieht er ein Bild mit verschiedenen Linien und Winkeln. Ein "offenes" Bild bedeutet, dass er gute Chancen hat, eine Kugel nach der anderen einzulochen und somit eine Serie zu spielen. Ein "zerstörtes Bild" ist eine Kugelkonstellation, in der er erst einmal aufräumen muss. Wagner denkt immer drei Spielzüge voraus, rechnet aus, wo die Kugeln am günstigsten liegen.

Dieses strategische Denken habe auch er erst lernen müssen, erzählt er: "Die jungen Spieler können oft gut lochen, ihnen fehlt aber noch die Abgebrühtheit, die Reife, die Strategie."

Auch Wagner hat jung angefangen: Mit 15 war er zum ersten Mal im Billardcafé, das in der Offenburger Hauptstraße gerade neu eröffnet hatte. Dort wurde Pool gespielt, es gab aber auch einen Nebenraum, in dem ein Verein"Karambol" trainierte, eine andere Variante des Billard. Zwei Jahre spielte Wagner Karambol, dann Poolbillard, dann kam er 1989 schließlich zum Snooker – in Kanada, wo er mit seiner damaligen Freundin neun Monate lebte.

Als er zurück kam, schwappte der Snooker-Trend gerade nach Deutschland; und mit Wagners Amateur-Karriere ging es steil bergauf. Von 1991 bis 1996 gewann er vier mal den Deutschen Meistertitel, danach "hat es mir erst mal gereicht". Er realisierte, dass eine Profi-Karriere in Deutschland nicht möglich war – zu unbekannt der Sport, keine Ausbildungsmöglichkeiten: "Jeder Deutsche mit Profi-Ambitionen muss eigentlich nach England", erklärt er. Dort gibt es die Snooker-Akademie mit professionellen Trainern und gutem Material. Die Ausbildung ist allerdings ein teurer Spaß: An die 1000 Pfund kostet die Aufnahme dort.

Für Wagner sind die Zeiten der Profi-Ambitionen längst vorbei. Er spielt nur noch als Hobby und auch nicht mehr so oft. Turniere nimmt er nur wahr, wenn sie in der Nähe von Offenburg stattfinden – wie die Landesmeisterschaft in Villingen-Schwenningen. Dass er jetzt ein Ticket für die Bundesmeisterschaften gelöst hat, macht ihn nicht weiter nervös: "Ich fahre da mit keinen großen Erwartungen hin. Es bereitet vor allem Freude, meine Billard-Freunde dort wieder zu treffen."

Wenn er allerdings ein Ticket für die Europameisterschaften löst, dann wird ihn der Ehrgeiz doch noch packen, räumt er ein. Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen: Die deutsche Meisterschaft, bei der er sich qualifizieren kann, findet erst im November statt.

Bis dahin trainiert Wagner noch im Vereinsraum neben dem DJK-Gebäude in Offenburg und gibt auch Billard-Unterricht. 28 Mitglieder hat der Verein "Snookersüchtig" aktuell, vier Tische stehen ihnen im Vereinsgebäude täglich zur Verfügung.

Kontakt: Wer einen Schnupperkurs im Snooker machen möchte, kann Dienstagabends dort vorbeischauen, oder sich auf der Internetseite des Clubs, http://www.snookersuechtig.de, über die Trainingszeiten informieren.