Die Innenstadt näher zusammenbringen

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Von jtr

Mo, 02. Mai 2016

Offenburg

Bunte Unterhaltung beim Bürgerparkfest / Nachbarn sollen sich kennenlernen.

OFFENBURG (jtr). Die "gefühlte Trennung zwischen der Kinzigvorstadt und der Innenstadt beheben": Das, sagt Simone Golling-Imlau vom Verein Bürgergemeinschaft Stadtmitte, ist eines der Ziele des Bürgerparkfestes, das am Samstag vom Stadtteil- und Familienzentrum Innenstadt in Kooperation mit mehreren Vereinen veranstaltet wurde. Beim Trampolinspringen, Handwerken, Torwandschießen, Salsa-Tanzen und beim Schlemmen konnten die Anwohner sich kennenlernen und erfahren, was ihr Stadtteil in Sachen so alles zu bieten hat.

"Der Schwerpunkt liegt auf dem gemeinsamen Tun", beschreibt Hermann Kälble, Leiter des Stadtteil- und Familienzentrums Innenstadt, das Konzept des Bürgerparkfestes, das er bereits zum neunten Mal in Folge mitorganisiert hat. Unterhaltung würde zwar durch Musik-, Tanz- und Kampfsport-Aufführungen auf der Bühne auch geboten, primäres Ziel sei es aber, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim gemeinsamen Essen und Trinken, bei Spielen und Aktivitäten neue Kontakte knüpften. Oft würden Familien, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt wohnten, etwa im Zentrum und in der Kinzigvorstadt, sich gar nicht kennen, berichtet Simone Golling-Imlau, stellvertretende Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Stadtmitte. Kinder seien oft der Berührungspunkt zwischen Familien – wenn die Sprösslinge aber unterschiedliche Grundschulen besuchten und somit nicht befreundet seien, käme oft kein Kontakt zustande. Deshalb sei es wichtig, dass es das Bürgerparkfest gebe, bei dem die Eltern sich begegnen.

Gerade bei Neubürgern in den neu entstandenen Wohnungen in der Kinzigvorstadt und neben dem alten Gefängnis sei mit Flyern gezielt Werbung für das Fest gemacht worden, betont Hermann Kälble. Dass das Bürgerparkfest eine gute Möglichkeit biete, Anschluss zu finden, zeige das Beispiel eines Neubürgers, der die Veranstaltung im vergangenen Jahr besucht habe und sich mittlerweile in der Hausaufgabenhilfe für Schulkinder engagiere. "Wenn so etwas passiert, haben wir alles richtig gemacht", freut sich Kälble.

Doch nicht nur für einzelne Bürger, auch für Vereine sei das Fest eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen, erklärt der 53-Jährige: "Die Veranstaltung bringt die Vereine und Institutionen der Innenstadt zusammen." Über die Jahre sei eine "etablierte Festgemeinschaft" entstanden, die die Veranstaltung organisiere. Diese Ansicht teilt Golling-Imlau: "Bei der Organisation, beim Aufbau der Stände und Festzelte helfen die Vereine sich gegenseitig", sagt sie, "es hat sich alles sehr gut eingespielt".

Tamás Kiss, der mit dem Kung Fu Klub Offenburg auf der Bühne auftritt, sieht das Fest auch als eine Möglichkeit für unbekanntere Vereine, auf sich aufmerksam zu machen. "Die Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, den Leuten zu zeigen, was ihr Viertel so zu bieten hat", sagt der 25-Jährige. Für Ayse Keskinkilic von der Türkisch-Islamischen Gemeinde, die auf dem Fest türkische Spezialitäten wie Gözleme oder mit Hackfleisch gefüllte Auberginen anbietet, dient die Teilnahme ebenfalls als Mittel, den Menschen ein richtiges Bild von der islamischen Gemeinschaft Offenburgs zu vermitteln. "Viele Menschen schrecken zurück, wenn sie ’Islam’ hören", erklärt die 42-Jährige. "Wir wollen, dass die Leute sehen, dass wir uns integriert haben. Wir leben schon so lange hier; unsere Kinder sind mit deutschen Kindern aufgewachsen."

Dass die Türkisch-Islamische Gemeinde in die Gemeinschaft integriert ist, ist für Hermann Kälble eine klare Sache: "Die Moschee ist unser direkter Nachbar und beim Bürgergartenfest sehr engagiert. Sie ist ein fester Teil der Stadt", sagt er. Für ihn ist das Fest auch ein "interreligiöses". Genauso sieht es Golling-Imlau: "Hier sind Menschen verschiedenster Nationen aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen vertreten" sagt sie. Für sie ist das Bürgergartenfest – auch deshalb – "bestimmt nicht das größte Fest der Stadt, aber das mit dem schönsten Ambiente."