Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Dezember 2015

"Die läuft unheimlich ruhig"

Bei Herrenknecht in Schwanau wurde die erste von zwei Bohrmaschinen für den Bahntunnel unter Rastatt fertiggestellt.

  1. Elf Meter Durchmesser: Bohrmaschine für den Bahntunnel. Foto: Seller

  2. Martin Herrenknecht Foto: Helmut Seller

SCHWANAU/OFFENBURG. Was in Offenburg noch Zukunftsmusik ist, wird für Rastatt nach jahrelanger Planung greifbar: Der Bau eines Bahntunnels für den Güter- und Fernverkehr. Am Dienstag wurde dafür die erste von zwei insgesamt 36 Millionen Euro teuren Tunnelvortriebsmaschinen auf dem Firmengelände von Herrenknecht in Schwanau-Allmannsweier offiziell abgenommen. Der imposante Bohrer hat einen Durchmesser von elf Metern, ist 90 Meter lang und wiegt 1750 Tonnen.

Ein Druck auf den roten Knopf, und sanft läuft das gigantische Schneidrad am Kopf der Maschine an. Martin Herrenknecht ist zufrieden – und sichtlich stolz. "Die läuft unheimlich ruhig", sagt er in Richtung der Vertreter von Bahn und Bau, die zur offiziellen Abnahme des weiß lackierten Kolosses gekommen sind. Der Unternehmer erntet anerkennendes Kopfnicken. Bis zu 710 000 Kubikmeter Gestein werden die aus einer Spezial-Legierung gefertigten Schneidrollen und Schälmesser aus dem Erdreich unter Rastatt fräsen, bis der 4,3 Kilometer lange Tunnel gebohrt ist. Die jetzt abgenommene Maschine wird wieder zerlegt, nach Rastatt transportiert und dort ab Anfang 2016 die Tunnelröhre Ost bohren. Eine zweite Maschine wird vier Monate später für die Weströhre eingesetzt. Im zweiten Halbjahr 2018 sollen beide Röhren gebohrt sein, die Inbetriebnahme des Tunnels ist für Ende 2022 geplant. Er gehört dann zu den 25 längsten Tunneln im Netz der Deutschen Bahn und ist für Züge ausgelegt, die mit 250 Stundenkilometer unterwegs sein werden. "Für uns von der Bahn, aber auch für Deutschland und Europa ist das ein wichtiges Projekt", sagt Philipp Langefeld von der DB Netz AG, der im August die Leitung des Großprojekts Karlsruhe-Basel von Matthias Hudaff übernommen hat. Durch den Ausbau des Verkehrskorridors im Herzstück der Magistrale Rotterdam-Genua werde aufgrund der Kapazitätserweiterung auch der Nahverkehr Nutzen ziehen.

Werbung


Sorgenkinder seien noch die Abschnitte 7 und 8 südlich von Offenburg: Wir hoffen auf das Ja des Bundestages", sagte Langefeld über den am 17. Dezember erwarteten 1,5-Milliarden-Beschluss, der neben zwei Tunnelröhren im Westen Offenburgs auch die autobahnparallele Trasse bis Riegel und besseren Lärmschutz zwischen Müllheim und Auggen umfasst.

"Das wird durchgehen, die letzten Signale sind gut", sagte Martin Herrenknecht am Rande der Veranstaltung gegenüber der BZ. Aus Sicht des Unternehmers ist es auch buchstäblich höchste Eisenbahn, dass die letzte Lücke auf der Rheintalbahn zügig geschlossen wird: "Wenn wir zu lange brauchen, dann kommt der Franzose und baut einen Bypass von Mulhouse bis Appenweier." Ohnehin kann Herrenknecht nur mit dem Kopf schütteln, wenn er in Richtung Schweiz und den bald fertiggestellten Gotthard-Basistunnel schaut: "Die Schweizer bauen Tunnel für zehn Milliarden, und wir sind nicht fähig, die Strecke Karlsruhe-Basel fertig zu bekommen." Immerhin gehe es dabei um die wirtschaftlich lukrativste Strecke Deutschlands: "Das könnte man sogar privat finanzieren." Für einen Offenburger Tunnel könnten die Rastatter Maschinen nach entsprechender Aufbereitung übrigens wiederverwendet werden: "Vernünftig wäre es – der Durchmesser ist derselbe, und die Geologie ist gleich."

ZITAT DES TAGES: Info

"Wenn ihr das Gefühl habt, ihr habt zu wenig bezahlt, dann könnt ihr jetzt euer Gewissen entlasten."

Martin Herrenknecht schmunzelnd zu den Vertretern der Bahn und der Baufirmen, die auf seinem Firmengelände in Schwanau staunend die probeweise Inbetriebnahme der ersten von zwei Tunnelbohrmaschinen für den Rastatter Tunnel verfolgen.  

Autor: hsl

Autor: Helmut Seller