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05. Oktober 2017

Ein Bach kann wieder aufatmen

Den in ein Betonkorsett gezwungenen Sahlesbach im Gewann Albersbacher Matt hat die BUND-Ortsgruppe Offenburg renaturiert.

  1. Die BUND-Ortsgruppe Offenburg mit dem von ihr befreiten Sahlesbach. Links der Ortsgruppenvorsitzende Norbert Litterst. Ortsvorsteher Willi Wunsch (Mitte) gratulierte zum gelungenen Werk. Foto: Cornelia Weizenecker

OFFENBURG. Auf den ersten Blick sieht das Grundstück am Sahlesbach aus wie eine normale Wiese. Dort, wo das Bächlein jetzt wieder frei fließen kann, hat die kleine Ortsgruppe des BUND in den letzten Monaten mächtig geschafft. "Sie hätten das Grundstücke vorher mal sehen sollen", sagt Manfred Sälinger, der der Ortsgruppe des BUND Offenburg eines der beiden Randgewässer-Stücke verkauft hat.

Brombeerhecken hätten auf dem zu feuchten Grundstück gewuchert, über die sei der Rentner nicht mehr Herr geworden. Für die Eigentümer, Manfred Sälinger und seine Cousine, kam das Kaufangebot der Ortsgruppe zum richtigen Zeitpunkt. "Die ökologische Funktion war hier verloren gegangen", erklärt Norbert Litterst, Vorsitzender der Bund-Ortsgruppe Offenburg. Denn im Zuge der Flurbereinigung in den 1970ern wurde dieser Bachlauf-Abschnitt mit einbetonierten Granitsteinen begradigt. Der Lebensraum für verschiedenste Insektenarten, beispielsweise Schmetterlinge, sei verloren gegangen. Insbesondere der Wiesenknopf-Ameisenbläuling soll nun durch dieses Naturschutzprojekt besonders gefördert werden.

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Litterst zeigt auf die Infotafel, die Spaziergänger aufklären soll. Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling sei in seinem Bestand ganz besonders gefährdet. Er legt seine Eier auf dem Blütenstängel des Großen Wiesenknopfs ab, einer Pflanze, die auf Feuchtwiesen und an natürlichen Bachufern vorkommt. Am Montag feierte die Ortsgruppe Offenburg des BUND in Anwesenheit von Zell-Weierbachs Ortsvorstehers Willi Wunsch diese Renaturierung des Sahlesbaches im Gewann Albersbacher Matt.

Die betreffenden Grundstücke liegen sowohl auf Fessenbacher als auch auf Zell-Weierbacher Gemarkung. In Zusammenarbeit mit dem Abwasserzweckverband wurden im Frühjahr 70 Meter des in Granitsteinen eingefassten Bachlaufes zurückgebaut, er erhielt wieder einen natürlichen, sich durch die Wiese windenden Lauf. Ein weiteres Ziel war die ökologische Aufwertung des umgebenden Geländes. Dazu rodeten die Mitglieder des Bund in vielen Arbeitsstunden die wuchernden Brombeersträucher und pflanzten an der Böschung eine Vogelschutzhecke mit 30 heimischen Gehölzen.

Entlang des Bachlaufs säten sie eine Feuchtwiesen- und Bachufermischung aus einheimischen Pflanzen an. Damit soll die frühere Nutzungsart als Wiesenfläche wiederbelebt werden (das alemannische Wort "Matt" im Gewannnamen bedeutet schließlich "Wiese").

So sieht aktiver Schmetterlingsschutz aus

Eine Trockenmauer für Reptilien soll in den nächsten Monaten noch angelegt werden. Dieser Mauerbau soll ein Beitrag zum thematischen Naturschutzschwerpunkt "Schmetterlingsland Baden-Württemberg" des BUND-Landesverbandes sein. Mann wolle so Lebensräume für Schmetterlinge fördern und bewahren.

Im Jahr 2016 hatte die BUND Ortsgruppe Offenburg die zwei Grundstücke entlang des Sahlesbaches im Gewann Albersbacher Matt erworben, um den Abschnitt zu renaturieren. Inzwischen hat aber die Stadt Offenburg von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und die Gewässerrandstreifen aufgekauft. Die Ortsgruppe Offenburg mit ihren sieben aktiven (und 200 passiven) Mitgliedern wird die Feuchtwiese weiterhin pflegen.

Autor: Cornelia Weizenecker